So lautete das Motto des 1. Wurzelwerk Backyard Ultras.
Am Freitag, 1. Mai fanden sich etwa 60 Verrückte unter der Brücke des früheren Grenzübergangs Dreilinden ein. Mit dem illustren Ziel, so viele Runden wie möglich beim Backyard zu laufen. Ich hatte mich gleich nach Öffnung der Anmeldung eingetragen, weil ich mich endlich mal an diesem Format versuchen wollte. Wer hier lange mitlaufen will, muss vor allem eines: viel Zeit mitbringen. Da der Maifeiertag praktischerweise auf einen Freitag fiel, war zumindest das kein Problem.
Die Strecke hatte es in sich: eine liebevoll zusammengestellte und markierte Runde verlief zu großen Teilen auf Trails. Mit üppigen 60 Höhenmetern pro Runde. Für einen Backyard ist das viel. Wenn man den Anstieg zur Teltowkanalbrücke zum 10. Mal hochgeht, kommt einem dieser schon wie der Schlussanstieg aufs Matterhorn vor.
Die Premiere hielt, was sie versprach. Sonniges Wetter (für mich wie üblich viel zu warm), eine erstklassige Organisation, bis in die Haarspitzen motivierte Läuferinnen und Läufer und eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Zugegeben, ich hatte sehr viel weniger erwartet.
Viel in die Vorbereitung hatte ich nicht investiert. Am 9. Mai steht mit dem MountainMan in Nesselwang ein Brett von Lauf an, für den ich mir nicht die Beine zerstören wollte. Trotzdem hatte ich in meinem Kopf das Ziel, 15 Runden und damit 100 Km zu schaffen.
Die ersten Laps waren noch easy-going. Um die 40 Minuten brauchte ich für die 6,7 Km. Genug Zeit, um noch eine Duolingo-Lektion in der Pause zu absolvieren. Schon in Runde 4 schlug Marek an der Strecke auf und startete seine sagenhafte Support-Leistung.
Ab Runde 6 wurden die Beine schwerer und die Erholungspause immer kürzer. Ehrlich gesagt, ich hatte damit später gerechnet. Die 10. Runde war die erste in der Dunkelheit, für die ich mich schon etwas aufraffen musste. Auf dieser beschloss ich, nach der 11. Runde die Glocke zu läuten und es bei gut 75 Km zu belassen.
Bereits auf der 10. Runde war ich drei Mal gestolpert. Hat ja niemand gesagt, dass so viele Wurzeln auf dem Trail sein würden… Ich sehe im Dunkeln eher schlecht und fand das Risiko für eine Verletzung groß genug, um nach 11 Runden die Vernunft walten zu lassen. Ja, die 100 Km hätte ich wohl gepackt. Aber “belohnt” wird man trotzdem mit dem DNF.
Beim Backyard Ultra kann es nur ein*e last woman/man standing geben. Als die meisten Teilnehmer am Samstagmorgen aufwachten, war die Siegerin Florah immer noch unterwegs. Sie musste als Einzige nicht die Glocke läuten – nach unglaublichen 26 Runden.
Ich war sehr überrascht vom positiven Vibe auf der Veranstaltung. Wer daran (wie ich auch vorher) zweifelt, ob das Format “Backyard Ultra” etwas Spannendes ist: einfach mal machen. So einige Lessons-learned habe ich mitgenommen für ein nächstes Mal. Ein nächstes Mal? Ja, ich kann mir das vorstellen.
2027 könnte es also wieder heißen: there is no finish – just roots.


