Zum dritten Mal sind wir gemeinsam nach Ribes de Freser in die Pyrenäen aufgebrochen, um den Pyrenees Stage Run zu laufen. 2025 haben wir pausiert und waren uns gar nicht so sicher, ob wir das Abenteuer noch einmal wagen wollen. Was sollte nach den beiden großartigen Editionen 2023 und 2024 noch besser werden?
Eine neue Etappe in Form eines Bergsprints laufen zum Beispiel. An der Jubiläumsausgabe teilnehmen. Die Pyrenäen in der Sonne genießen – 2024 war es doch arg verregnet. Aber der eigentliche Grund, der uns zur Registrierung in der Startplatzlotterie trieb, sind die Menschen des PSR. Ob Teilnehmer oder Volunteer, wir wollten die Gemeinschaft dieses Rennens wieder (er)leben.
Die Lotterie meinte es gut mit uns, sehr wahrscheinlich auch, weil wir ein paar Bonuspunkte aus unseren Teilnahmen in den Vorjahren und beim Costa Brava Stage Run 2025 bekamen. Sehr gefreut haben wir uns, dass wir auch Sabine und Detlef aus Berlin -ein TAR Veteranenteam- auf der Starterliste entdeckten.
Es hat nicht viel gefehlt und wir wären am Samstag nicht mal zur Startlinie gekommen. DIesmal hatten wir keinen Tag Puffer eingeplant und wollten am Freitag via Frankfurt nach Barcelona fliegen. Doch Gewitter am Morgen brachten uns 30 Minuten Verspätung ein und unser Anschlussflug flog davon. Eigentlich kein Drama, nur gesellte sich ein Teil-Streik des Bodenpersonals in Barcelona dazu, weswegen die nächsten Flüge ausfielen. Und so strandeten wir auf dem Frankfurter Flughafen.
Einige Warmup-Kilometer zu Fuß durch das Terminal und stundenlanges Warten brachten nur eine Hoffnung: der letzte Flug ging um 17:40 Uhr und wir hatten einen Platz auf der Warteliste. Das Nervenspiel kostete viele Körner und als wir die letzten beiden Bordkarten bekamen, war die Erleichterung groß. Sogar unser Gepäck kam an und ein Uber setzte uns um 1:00 Uhr in Ribes de Freser ab.
Keine guten Voraussetzungen für die erste Etappe. Und noch eine weitere war am Donnerstag vorher dazugekommen, als sich Henrik beim letzten Training eine Zerrung des hinteren Oberschenkels eingelaufen hatte. Aber wir sind Etappenlauf-Profis. Und standen um 7:30 Uhr als Erste an der Startlinie. Konnte das was werden mit dem 3. PSR Finish?
Etappe 1: Ribes de Freser – Nuria
- Wir heizen los, als gäbe es heute irgendwas zu gewinnen.
- Der Aufstieg zum Balandrau war doch gar nicht sooooooo lang?
- Henriks Oberschenkel mag keine Abstiege – Überraschung ;).
- Marek zieht uns den zweiten Anstieg hoch und rettet die Etappe nach Nuria.
- Etwas über 5h war immerhin unser zweitbestes Ergebnis.
- Alle Recovery-Register werden gezogen.
- Marc wird unser persönlicher Masseur.

Etappe 2: Nuria – La Masella
- Ohne IBU-Einwurf geht es zum Start mit der Zahnradbahn nach Nuria, wir fühlen uns gut.
- Die Aufwärmrunde machte nicht viel Hoffnung, ganz im Gegenteil.
- Erstmals schwammen wir gemütlich im Mittelfeld mit.
- Der Aufstieg zum Puigmal (2.911 m) war regelrecht entspannt.
- Paula macht ein episches Foto am Gipfelkreuz.
- Sehr langsam tippeln wir nach La Molina runter.
- Holen auf den Ziehwegen nach La Masella noch einige Teams ein.
- Keine schnelle Etappe – aber wir waren weiterhin im Rennen.

Etappe 3: Guils de Cerdanya – Encamp (AND)
- Endlich eine lange Etappe – und wir gingen es zügig an.
- Henriks Oberschenkel war nun im Gleichklang mit anderen Schmerzen.
- Marek fehlte es auf dem Weg nach Andorra an Energie.
- Die Landschaft wurde mit den ersten Bergseen immer schöner.
- Die Aufstiege taten sehr weh und wir waren noch nicht 100%ig drin.
- Der lange Downhill nach Encamp machte uns Mut.
- Lange 7:30h bedeuteten auch hier unser zweitbestes Ergebnis.

Etappe 4: Encamp – Solanelles
- Ausschlafen war angezeigt, unser Start war erst um 10:10 Uhr.
- Der “Bergsprint” war eine gelungene Abwechslung.
- Von den 1.400 Höhenmetern lagen 800 in der prallen Sonne.
- Henrik litt den Berg hoch und kämpfte um jeden Meter.
- Der Zieleinlauf nach guten zwei Stunden war eine einzige Party.
- Es gab sogar Mittagessen auf der Bergstation.
- Auf der Seilbahnfahrt entlockten wir dem Führungsteam Tipps.
- Den Nachmittag verbrachten wir mit Sabine und Detlef in Andorra la Vella.

Etappe 5: Encamp – Arinsal
- Die Adventure-Stage in Andorra ohne Markierungen wurde auf Plan B geändert.
- So kamen wir wieder zur altbekannten Etappe über zwei Gipfel.
- Ein Super-Uphill auf den Col d’Ordino spülte uns erstmals weiter vor.
- Auch der zweite Uphill lief trotz Hitze ordentlich fluffig.
- Nach nur 3:45 h holten wir erstmals eine Etappenbestzeit.
- Ein entspannter Nachmittag mit viel Essen klang früh aus.
- Wir schmiedeten den Schlachtplan für die Königsetappe.

Etappe 6: Arinsal – Ribera de Cardòs
- Die “Königin” ist mit ihren >40 Km nach Spanien unsere Lieblingsetappe.
- Dem neutralisierten Start folgte ein langer Anstieg auf die Comapedrosa.
- Die Wärme am Morgen ließ ahnen, was heute noch folgen würde.
- Über die Portella de Baiau kamen wir wunderbar lässig rüber.
- Der wunderschöne, aber lange Abstieg zur V2 lief gar nicht rund.
- Marek stürzte mehrmals und Henrik schnitt schnitt sich am Schienbein.
- Der folgende vertical K war unser bisher schnellster – aber er war fordernd.
- Ribera de Cardòs war noch 12 Km weit und die Sonne brannte rein.
- Mit Ach und Krach retteten wir die Etappe gehend ins Ziel – uffz.
- Das Medical Team griff zu Nadel und Faden und versorgte Henriks Cut.

Etappe 7: Tavascan – Esterri d’Aneu
- Eine vergleichsweite “leichte” Etappe vor dem großen Finale?
- Einmal hoch, einmal runter, wir wussten genau, was kommen würde.
- Der 1.700 HM Aufstieg ließ sich dank der Wasserquellen kontrollieren.
- Auf dem Forstweg und später am schattigen Fluss ließen wir es laufen.
- Bevor die Hitze zuschlagen konnte, hatten wir Esterri d’Aneu erreicht.
- Bei Patatas Bravas horchten wir Sabines und Detlefs Trailgeschichten.
- Ein wunderbarer Tag machte Mut für den letzten Ritt zum großen Ziel.

Etappe 8: Esterri d’Aneu – Salardu
- Die 1. Etappe ist keine Warmup- und die letzte keine Auslauf-Etappe.
- 33 Km und davon 20 in ziemlich anspruchsvollen Gelände, ein Brett.
- Unser Uphill zur V1 -wieder ein Vertical K- war mutig, was ging heute?
- Die 50.000 Steine überwanden wir nicht schnell, aber lässig.
- Klettern zum Basiero bis zur “Wand” erfordert sehr viel Geduld.
- Auch der 2. “Skifahren”-Downhill tat richtig weh.
- Die Barbecue-V2 auf dem Gerber ist der spektakulärste VP des PSR.
- Marek hatte merkbar genug vom Klettern und Runterlaufen.
- Nach 5,5 h rückten wir von der V3 auf dem Saboredo ab.
- 14 Km und 500 neg. HM später liefen wir ins Ziel der Träume in Salardu.

Diese Woche muss erstmal sacken.
Wir hatten so viele herzerwärmende Begegnungen mit lieben Menschen (und Tieren). Wir haben als Team wieder perfekt harmoniert. Wir haben unsere große Etappenlauf-Erfahrung ausgespielt. Wir konnten mehr Kilometer genießen als früher. Wir konnten für eine Woche alles ausblenden, was nicht mit Laufen, essen und schlafen zu tun hat.
Auf der Abschlussveranstaltung wurde es mehrmals sehr emotional. Die BiFree-Chefs Jordi und Tomas und die gesamte PSR Crew wurden stundenlang gefeiert. Eine Dokumentation über 10 Jahre PSR wurde gezeigt (wo wir sogar zweimal auftauchen). Die Atmosphäre in der Turnhalle von Salardu war herzlich und ehrlich. Das hätte noch stundenlang so weitergehen können.
Uns ist nichts eingefallen, was noch hätte besser sein können in dieser Woche in den Bergen. Und dann sind wahrscheinlich alle guten Dinge doch nicht drei, sondern vier oder fünf?


