Zu zweit läuft's besser.

Heiß, heiß, Baby am Zwölferhorn

Heiß, heiß, Baby am Zwölferhorn
23. Juni 2022 Henrik

Schon vor einer ganzen Weile hatte die Uhr auf die 100 Km umgestellt und ich lief zusammen mit ein paar Ultraläufern über die Eichstraßenbrücke im Sonnenuntergang nach Salzburg rein. Es wartete noch ein letzter VP genau drei Kilometer vor dem Ziel am Kapitelplatz. Ich griff mir eine letzte Dose Cola und lief gleich in freudiger Erwartung auf den Abstieg und Zieleinlauf weiter. “Nur noch der letzte Hügel” rief eine Passantin zu uns. Hatte sie “Hügel” gesagt? Wenn ich mir das Streckenprofil auf den letzten der 106 Kilometer genauer angeschaut hätte, dann wäre mir der 250 HM-Aufstieg nicht entgangen. Es wurde ein sehr langer Kilometer. Meine Körner waren verbraucht. Jedenfalls für Anstiege. Es war einfach ein langer und vor allem sehr heißer Tag in der atemberaubenden Landschaft um Salzburg.

Um 5:00 Uhr am Samstagmorgen ging die Meute von etwa 750 Trailrunnern an den Start. Es war noch angenehm kühl in der Innenstadt, so dass ich mir sogar Ärmlinge anzog. Kurz vor 4:00 Uhr saß ich schon im Zelt und hatte meine Dropbag beim Chef persönlich abgegeben. Ich war mir nicht sicher, ob das heute eine gute Idee sei, 106 Km zu laufen. Die Temperatur sollte bis auf 31 Grad steigen. Meine Erfahrungen mit Hitze-Rennen sprechen eine sehr eindeutige Sprache. Also legte ich mir eine einfache Strategie zurecht: bis 10 Uhr auf dem Zwölferhorn bei Km 40 sein und jede Gelegenheit für Abkühlung mitnehmen – ob es diese in ausreichender Zahl geben würde, wusste ich natürlich nicht.

Dementsprechend flott ging die Reise los, erstmal aus Salzburg rauslaufen, zwei Mal über die Salzach auf einem Radweg und dann zügig auf einen breiten Waldweg Richtung Hinterwinkl. Ich musste seit dem Start schon aufs Herren-WC und habe nach 7 Kilometern den ersten Boxenstopp eingelegt. Meine Flüssigkeitszufuhr bereitete mir etwas Sorge, da ich sonst bei langen Läufen eher gar nicht ins Gebüsch muss, weil ich viel zu wenig trinke. Also habe ich mich gezwungen, meine beiden Flasks möglichst bis zum nächsten VP leerzutrinken. Eine Iso, eine Wasser. Ein Liter auf etwa 10 Km ist nicht so viel. Es lief alles gut “durch” und ich hielt bestimmt zehn Mal zum Pieseln an. Auch diese Strategie hatte gut funktioniert. Und die Abkühlung? Überraschend gut. Schon beim ersten VP tauchte ich Arme und meine Kopfbedeckung, den Salomon Speed Bob, ins Wasser. Die Ärmlinge behielt ich an trotz der Wärme, damit sie die Feuchtigkeit zumindest ein paar Minuten länger speichern konnten. Ab etwa Km 20 nutzte ich jede Möglichkeit, mich komplett nass zu machen. Zum Glück kamen wir häufig am Wasser lang. Ich war nun sehr viel optimistischer, dass das heute was werden könnte mit dem Finish. Aber das Rennen hatte noch gar nicht richtig angefangen.

Wir näherten uns dem Fuschlsee. Und die Streckenmarkierungen zeigten, dass wir auf der Pendelstrecke waren. Heute Abend würden wir also hier wieder hochlaufen – hoffentlich. Es rollte angenehm runter und der Fuschlsee tauchte am Horizont auf. Bei Km 20 lief plötzlich Flo Neuschwander an mir vorbei. Ich war etwas verdutzt, wollte er das Feld von hinten aufrollen? Später erfuhr ich: er hatte sich mit zwei anderen Läufern über 2 Km verlaufen. Das erscheint vielleicht merkwürdig, wenn man die exzellente Streckenmarkierung betrachtet. Hier hat der Veranstalter ganze Arbeit geleistet. Die Markierungen waren perfekt. Überhaupt, das ganze Event war durchorganisiert, alles hatte seinen Platz und es fehlte an nichts. Außer vielleicht an Eiswürfeln. Und die Red Bull Cola hat wohl auch nicht allen geschmeckt.

Der Uferweg am Fuschlsee ist keineswegs eine Rennstrecke, es geht herrlich auf und ab. Aber es war schattig im Wald und ich freute mich auf den VP in Fuschl bei Km 30. Alle um mich rum liefen noch schön rund, wenn auch deutlich langsamer als nach dem Start. In Fuschl wartete die Dropbag, die ich mit Ersatzschuhen und Outfit bestückt hatte. Aber nicht für Km 30, sondern für Km 74, wenn wir denn hier später am Tage nochmal durchkommen. Ich trank die erste Cola des Tages, gönnte mir Melone und salzige Tomaten, füllte artig die Flaschen auf und stellte mich zur Belustigung der Anwesenden unter den Rasensprenger. Es ging hier weiterhin um das Überleben, auch wenn es sich noch nicht so anfühlte. Der Moderator kündigte an, dass wir nun “auf das Zwölferhorn” laufen würden. Laufen wohl eher nicht. Aber der Blick auf die Uhr stimmte mich positiv. Es könnte tatsächlich klappen mit den 5 Stunden bis zum Gipfel.

Der Aufstieg erfolgt zunächst über eine lange, nicht allzu steile Forststraße. Auch hier war noch stellenweise Schatten und ich konnte den einen oder anderen Abschnitt noch laufen. Das Feld rückte jetzt wieder etwas zusammen. Ich fühlte mich gut nach den inzwischen 37 Kilometern und versuchte weiterhin, mich eisern an meine Strategie zu halten. Der zweite Teil des Aufstiegs ist dann schon steiler und single-trailig. Hier musste ich zum ersten Mal ordentlich pumpen. Ein paar Läufer stiegen vorbei, aber ich ließ mich noch nicht beeindrucken. Noch in der Startaufstellung hatte ich mir die Strecke auf die Uhr geladen und konnte auf dem Höhenprofil immer erkennen, wie weit es noch bis Gipfel war. Um 9:48 Uhr schob ich mich über die Zeitmatte vor der Arnikahütte und checkte am VP ein. Ich hielt mich hier etwas länger auf und wollte kurz Luft holen, bevor es nochmal 50 HM hoch zum Gipfelkreuz und dann fast 1.000 HM runter nach St. Gilgen ging. Ich gönnte mir wieder Tomaten mit ordentlich Salz. Inzwischen hatte ich fünf Spring Energy Gels genommen – wie lange würde mein Magen das wohl mitmachen?

Mit dem Gipfelkreuz machte ich natürlich ein Selfie. Wenn man schon mal hier ist… der Ausblick auf die Seen war gigantisch. Hätte ich doch bloß mehr Zeit mitgebracht! Der erste echte Abstieg wartete nun und der war nicht schön. Steil genug, dass man nicht die Handbremse lösen konnte und schön steinig. Hier fragte ich mich zum ersten Mal, ob die Schuhwahl denn so gut war. Der Salomon Sense Ride 4 machte im Flachen, auf Asphalt und beim Hochlaufen eine sehr gute Figur, jetzt aber schob ich doch ordentlich über den Vorfuß und stieß ordentlich an. Aber das passiert auch in jedem anderen Schuh. Wieder lautete die Devise: nicht verrückt machen. Ich war für meine Verhältnisse sehr langsam im Downhill, aber deshalb zog nicht das halbe Feld vorbei. Der Wolfgangsee kam näher und damit der Badeort St. Gilgen, wo sich der nächste Checkpoint befand. Die Wärme drückte auf dem Downhill jetzt ordentlich und ich fragte mich, ob ich irgendwo in den See springen könnte.

Im Ort war ordentlich was los und der Parkplatz schon überfüllt. Über einen kurzen Abschnitt auf dem Uferweg und vorbei an diversen Eisdielen und Cafés kam ich am VP an: Km 47,5. Etwas Bammel hatte ich jetzt schon vor dem Aufstieg zum Schafberg. Ich entdeckte keine Wassertonne und fragte einen Helfer danach. “Haben wir nicht, aber wir haben hinten Duschen”. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Same procedure as every time, ein paar Happen Melone mit Salz, eine Cola, eine Flasche Wasser und eine mit Iso aufgefüllt und weiter ging die Reise am Seeufer. Wir waren jetzt auf der Pendelstrecke, die über den Schafberg wieder runter nach St. Gilgen führte. Ich hörte den Moderator sagen, dass der erste 100er Läufer bereits wieder in St. Gilgen sei. Und wenig später kamen die ersten drei in kurzen Abständen entgegen. Ich erkannte Benedikt Hoffmann auf Platz 2 und Janosch Kowalczyk auf Platz 3. Die waren schon rüber.

Es ging über den Parkplatz auf einen recht steilen Forstweg. Ich überholte die ersten Läufer, die auf der 75 Km-Ultra-Distanz unterwegs waren. Ziemlich langsam stiefelte ich hoch, um dann nach etwa 300 Höhenmeter wieder eine ganze Weile bergab zu laufen. War das jetzt schon der Anstieg zum Schafberg? Nein, es war nur der Vorgeschmack. Der Wegweiser zeigte an, dass es den Weg Nr. 23 hochging, nur eine Zeitangabe stand dort nicht. Die ersten Abschnitte des breiten Weges lagen schon in der Sonne und ich hatte seit St. Gilgen keine Abkühlung mehr. Ich wurde ziemlich durchgereicht auf dem nicht enden wollenden Weg hoch. Meine Rettung waren zwei Bachquerungen. Auf etwa halber Strecke überholte mich Martin, mit dem ich oft im RUNNING Company Training in München zusammen gelaufen bin. Ohne ein Selfie, auf dem ich viel besser aussehe, als es mir ging, ließ ich ihn nicht weiterziehen. Soviel Zeit musste sein. Dann der Wegweiser zur “Schafbergalm”. ZWEI STUNDEN. Da ich mich schon fast oben wähnte, war das ein Schock. Also kurze Pause und weiter. Sogar Wanderer überholten mich. Aber der längste Aufstieg hat mal ein Ende und ich war sehr erleichtert, als ich die Zeitmatte und den etwas provisorischen VP erblickte. Ich musste mich setzen, haute mir eine warme Cola und ein Gel rein und war ziemlich durch mit mir. Mir fehlte etwas die Fantasie für weitere 2.500 Höhenmeter.

Der Abstieg war dann viel technischer als erwartet und ich musste höllisch aufpassen. Ein kurzer Plausch mit Judith und weiter ging es zurück nach St. Gilgen. Ich half unten einem Trailrunner, seine Stöcke wieder im Köcher zu verstauen und nahm am Ufer ein Video für meine Groupies auf. Ich wusste ja, dass so manche*r das Livetracking verfolgt. Das ist jederzeit eine schöne Motivation. Der Mozart100 setzt auch auf das ausgezeichnete LiveTrail-System. Km 65 also. Die Dusche am VP war nach dem Abstieg dringend nötig, vorab konnte ich mich zusätzlich auf dem Steg am Seeufer noch etwas frischmachen. Meine Stöcke hatte ich inzwischen verstaut und ich würde sie heute auch nicht mehr benutzen, obwohl noch über 2.000 HM zu laufen waren. Warum? Mir fehlte schon jegliche Kraft im Oberkörper, der Rucksack fühlte sich an, als wären Steine drin. Immerhin wurde die Verpflegung immer weniger und damit der Rucksack leichter. Etwas Bammel hatte ich vor dem dritten längeren Anstieg von St. Gilgen hoch.

Next stop: Fuschl am See! Ich freute mich sehr auf diesen Checkpoint, da dort die Dropbag und ein Brunnen auf mich warten würden. Zunächst mussten wir aber etwa 500 Höhenmeter hoch. Der Weg durch den Wald war recht schattig und wir kamen an einem Brunnen vorbei. Es dauerte seine Zeit und ich schlug mich recht würdevoll nach oben durch. Es ging dann gleich auf schattige Forstwege runter und ich konnte etwas Pace machen. Wobei “Pace” in diesem Fall eher so ein Tempo von 6-7 Minuten pro Kilometer meint. Ich ahnte es schon, dass wir auf der Straße rauskommen würden. Hier begann der härteste Teil der Strecke. 7 Kilometer lang auf dem Asphalt ohne einen Meter Schatten zermürbten spätestens jetzt alle Trailrunner. Es waren keine Autos, keine Radler, keine Tiere unterwegs. Es sollte nicht die letzte Prüfung bleiben auf dem Rückweg nach Salzburg.

In Fuschl verzichtete ich dann doch auf die Dropbag. Die Füße fühlten sich nicht so schlecht an und ich hatte das Gefühl, dass sie mich die letzten 30 Kilometer tragen würden. Und trockene Sachen anzuziehen machte keinen Sinn. Ich folgte der bekannten Prozedur, ein Spring Energy Gel, eine Cola, salzige Tomaten und Melone und Kopf in den Brunnen. Bei Kilometer 75 kann man schon mal ein wenig darüber sinnieren, wie lange die Show heute noch dauern würde und die Chancen für das Finish ausloten. Der Weg am Nordufer des Sees war sehr eng und -natürlich- wellig. Mit Walk & Run kam ich gut voran. Natürlich ist es nicht nett, alle beim Planschen zu sehen, während du dich Meter um Meter vorankämpfst, Aber zum Jammern ist niemand angetreten in Salzburg. Raus aus dem Wald drehten wir auf die Pendelstrecke zu, die wir am frühen Morgen bereits zum See gelaufen waren. Und die führte kräftig nach oben. Die Suunto zeigte an, dass immer noch 1.200 HM offen waren.

Mir wurde schlecht. Das letzte Gel war dann zuviel des Guten. Ich hielt ein paar Mal an und setzte mich an die Strecke. Läuferisch sah das alles nicht so schlecht aus, ich konnte phasenweise noch langsam laufen und die Außentemperatur sank nun endlich etwas. “Kühl” wurde es wahrlich nicht. Ich ging die Anstiege hoch, so gut es eben ging. Gute 5 Km begleitete mich die Übelkeit und ich ließ es nun mit Hightechnahrung und Iso sein. Das 20 Km-Schild fand ich motivierend und ich holte das Telefon raus und schaltete den Flugmodus aus. Ein paar ermutigende Nachrichten taten jetzt sehr gut, wo es auf das Finale zuging. Ich war mir nun sicher, heute wird es eine Medaille geben. Die sub15 waren noch möglich, aber dafür hätte der Kurs nun runterführen müssen. Zumindest bei Tageslicht ankommen, das wäre schon richtig geil. Beim VP Km 85 am Hof Lebach setzte ich mich auf die Wiese und chillte etwas – keine gute Idee. Auf nach Salzburg!

Nach der Cola hatte ich ein Hoch und lief munter die flachen Passagen, Singletrails und einzelne Hügelchen. Ich überholte so einige der Ultras und auch einige 100er. Ich war regelrecht berauscht von meinem Runners High und redete mir kurz ein, wenn ich in dem Tempo durchlaufe, dann… . Nach der Zeitmatte bei Km 91 führte die Forststraße recht steil nach oben. Der vorletzte VP wartete bei Km 96. Schon zwei Kilometer davor wartete ein privater VP und die beiden hatten tatsächlich eine Dusche aufgestellt. Das war nochmal richtig schön. Vielen Dank für diese Arbeit. Ohne die zwischenzeitlichen Abkühlungen wäre ein Durchkommen undenkbar gewesen. Eine letzte Cola beim offiziellen VP und ich konnte Salzburg schon riechen. Den Aufstieg hinter Koppl zog ich einsam durch – aber es war schon hart. Nun konnte man die Stadt sehen, über die sich die Sonne langsam senkte. Was für ein Ausblick!

Es folgte ein Downhill, der es nochmal in sich hatte. Nochmal gute 600 HM führte der Trail hinab. Für meinen Geschmack eine Nummer zu steil und zu technisch. Du hast fast 100 Km in den Beinen und dann brauchst du noch maximale Konzentration, um da unbeschadet runterzukommen. Ich mag mir das im Dunkeln gar nicht vorstellen. Zum Abschluss folgten noch ein paar tausend Treppenstufen, die ich aber nicht schlimm fand. Ich flog hier regelrecht durch das Feld und legte die letzten Körner rein. Laufen ging plötzlich wieder reibungslos. Wir liefen mit dem letzten Licht der untergehenden Sonne über die Brücke auf den letzten VP zu. Ich griff mir eine Cola und zog gleich weiter. Lächerliche drei Kilometer noch! Leider war mir nicht klar, was da noch kommt. Eine Passantin rief uns zu “nur noch der letzte Hügel”. WAS DENN FÜR EIN HÜGEL?

Der Blick auf die Uhr sagte mir, dass noch 250 HM übrig waren. Leider täuschte sich die Uhr nicht. Es führten Treppen(!) auf den Kapuzinerberg. Viele Treppen. Mein Körper wollte einfach nicht mehr steigen. Und so saß ich dann minutenlang auf der Treppe und ließ alle vorbeiziehen, die ich vor 20 Minuten überholt hatte. Anke kam vorbei und hatte auch zu kämpfen. Wir schoben uns zusammen Stufe für Stufe hoch. 250 HM können ziemlich lang werden. Dann endlich kam ein Gemäuer und eine allerletzte Treppe. Ich habe laut geflucht und zum Glück hat es nur Anke gehört. Oben machte ich ein Foto und stürzte mich runter. Ich wollte nur noch zu diesem Zielbogen und übersah die Abbiegung. Es war schon recht dunkel in dem Wald. Nach 100 Metern fiel mir aber gleich auf, dass der Weg nicht richtig ist. Also umdrehen und wieder hoch. Das war nun auch egal. Ein schöner Trail führt vom Kapuzinerberg in die Altstadt. Jetzt freute ich mich einfach auf diesen Zieleinlauf.

Die Treppen waren gut besucht und immer wieder gab es Applaus von den Zaungästen. Alle machten artig Platz. Ich lief zügig runter, immer wieder zeigten die Streckenposten an, wohin man laufen sollte. Keine Ampel konnte mich jetzt stoppen. Am Ufer der Salzach überholte ich -mal wieder- Anke, die sich wunderte, wo ich denn jetzt herkomme. An der letzten Ampel winkte mich der Streckenposten noch gerade drüber und ich stürmte Richtung Ziel. Die Schmerzen hatte ich seit dem Kapuzinerberg ausgeblendet. Sonnenbrille und Hut waren schon längst verstaut. Es ist surreal, dass das Ende, auf das man so lange hingearbeitet hat, dann tatsächlich da ist. Der Moderator begrüßte mich mit “START RUNNING AND NEVER STOP” und ich sprang über die Ziellinie. Die Erleichterung war groß. Sehr, sehr groß. Mit viel Willen, viel Erfahrung und viel Glück konnte ich die Medaille mit nach Hause nehmen.

Viele sind angetreten, um die “Running Stones” für die UTMB-Quali mitzunehmen. Die sind mir ziemlich egal. Angesichts der äußeren Umstände bei diesem Lauf ohne Blessuren durchzukommen, finde ich eine bemerkenswerte Leistung. Bei 10 Grad weniger geht hier noch viel mehr. Die 5.000 HM des Kurses sind nicht zu steil, der laufbare Anteil der Strecke ist im Vergleich zum Transgrancanaria sehr hoch und macht den Mozart 100 zu einem schnellen Ultratrail. Die Organisation ist perfekt, aber mit dem UTMB-Logo kann man das offensichtlich erwarten. Servus, Salzburg!

4 Kommentare

  1. Martin 3 Monaten vor

    Wow. Was für ein Abenteuer. Du hast es nicht nur fabulös gerockt, sondern auch noch ebengleich beschrieben. Danke dafür, dass du uns dran teilhaben gelassen hast. Gute Erholung!

    Was steht als nächstes an?

    • Autor
      Henrik 3 Monaten vor

      Es muss schnell “zu Papier”, da man die schlimmen Phasen schnell verdrängt. Als nächstes habe ich einen Zugspitz-Gipfelsturm vor: von München nonstop auf die Zugspitze laufen. Und dann folgt schon im August der Berliner Mauerweg mit seinen 100 Meilen. Eigentlich wollte ich das nie wieder machen. Aber du weißt ja.

  2. Marek 3 Monaten vor

    Junge, was für ein famoser Ritt. Sehr viel richtig gemacht, sonst hätte es nicht zum Finish (und der respektablen Zeit!) gereicht. Man merkt, dass die Erfahrung eine immer größere Rolle spielt und du davon auch immer mehr profitieren kannst. Klar, laufen muss man im Endeffekt immer noch, aber gerade die Renneinteilung, die Ernährung und das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten lassen sich dadurch gut steuern. Vom Live Tracking habe ich irgendwie nichts gesehen, aber vielleicht habe ich auch einen falschen Link benutzt.

    Gut Erholung, nach unserer TGC Pleite war das Finish auf dem Kanten sicher der Motivation sehr zuträglich und darauf lässt sich gut aufbauen für das, was da noch so kommt 🙂

    • Autor
      Henrik 3 Monaten vor

      Auf jedes Ultratrail Finish darf man stolz sein. Ich habe die Vokabel “Bizarrsport” gelesen nach dem Mozart100. Und Bizarrsport kriegt man eben nur gebacken, wenn nicht allzu viel falsch läuft. Und die TGC-Pleite ist in der Hinsicht noch viel peinlicher, weil ich nach acht Teilnahmen längst hätte wissen müssen, worauf es ankommt. Aber du siehst, Erfahrung muss man auch nutzen.

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