Zu zweit läuft's besser.

Mitgeholfen – härter als mitgelaufen

Mitgeholfen – härter als mitgelaufen
19. Oktober 2012 Henrik
(c) Gregor Kedziorski, München

(c) Gregor Kedziorski, MünchenNach dem vergangenem München Marathon Wochenende habe ich mich platt gefühlt. Als hätte ich zwei Marathons an einem Tag gelaufen. Tatsächlich hatte ich zwei Wochen nach dem erfolgreichen Berlin Marathon nicht mal in Erwägung gezogen, in München zu laufen, nicht mal den 10 Km-Lauf. Nein, ich wollte die Veranstaltung wie bereits im letzten Jahr wieder aus der Helferperspektive erleben. Trotz aller Strapazen hat sich das gelohnt und Spaß gemacht. Nun ist der München Marathon schwer mit der Berliner Veranstaltung vergleichbar – hier wird in einer anderen Liga gearbeitet. Die Teilnehmerzahlen sind trotzdem beachtlich: mehr als 18.000 Läuferinnen und Läufer gingen am Sonntag auf die Strecke. Allerdings nicht ausschließlich beim Marathon, sondern auch auf dem „Halben“, den 10 Km und der Marathonstaffel. In München werden also vier Wettbewerbe an einem Tag veranstaltet, wenn man den nicht ganz ernst gemeinten Trachtenlauf noch dazurechnet, sogar fünf. Der München Marathon wurde in diesem Jahr (und ebenso für 2013 und 2014) durch die Austragung der Deutschen Marathonmeisterschaften aufgewertet. Deshalb hat der Veranstalter das Kontingent für den Halbmarathon auf 5.000 Teilnehmer begrenzt. Das war prompt im Sommer ausgeschöpft. Die Idee dahinter war offensichtlich, die schnellen Marathonläufer nicht zu behindern und die Strecke nicht zu überlasten. Erstes Ziel hat man allein dadurch gelöst, den Halbmarathon nicht schon um 10 Uhr, sondern erst um 13:00 Uhr starten zu lassen. Bei der Nachmeldung im tageslichtfreien „Bunker“ namens Event-Arena im Olympiapark, wo ich am Freitag, Samstag und auch Sonntagvormittag arbeitete, stieß diese Begrenzung dementsprechend auf geringes bis null Verständnis. Nun muss erwähnt werden, dass in München immerhin eine Nachmeldemöglichkeit besteht, und das bis Sonntagmorgen 30 Minuten vor Startschuss! So etwas wäre in Berlin undenkbar. Fast 1.000 Läufer nutzten die Chance zum Nachmelden. Zu durchaus happigen Konditionen: für den Marathon mussten 75 EUR, für den Zehner 35 EUR und für die Staffel stolze 150 EUR auf den Nachmeldetisch gelegt werden. Für den Mietchip berechnet der Veranstalter 6 EUR zusätzlich.

Der Freitag verlief noch relativ ruhig. Erst am Samstag strömten die Massen auf die Marathonmesse, um ihre Startnummern abzuholen. Oder auch, um sich nachzumelden. Das ist eigentlich nicht weiter schwierig: Nachmeldeformular ausfüllen, Nachmeldegebühr bezahlen und ab geht’s mit Kleiderbeutel samt Startnummer, ggf. mit Einmalchip. Eigentlich. Der Teufel lauert wie immer im Detail. Da liegt dann der Chip noch in Hamburg, die ursprüngliche Startnummer ist nicht mehr da, statt des Marathons soll es doch nur der Zehner sein -Halbmarathon ist geschlossen? Kann doch nicht sein!- oder eine Verletzung kam dazwischen und der Geschäftsvorfall „Storno“ tritt ein. Geld zurück, nun ja, dafür gab es die Möglichkeit einer Rücktrittsversicherung bei der Anmeldung. Auch ein schöner „Klassiker“: viele Leute haben im München Marathon Shop einen Gutschein gekauft und gingen davon aus, dass sie damit auch für die Laufveranstaltung angemeldet waren. Ein Denkfehler und ein fieser noch dazu, wenn man denn für den Halbmarathon seinen Gutschein einlösen wollte. Und natürlich die übliche Fragerei, wo denn der Start sei, wieviel Leute mitlaufen und wie das nochmal mit der Kleiderabgabe funktioniert. Ist ja auch einfacher, als zu LESEN. Das umfangreiche Programmheft hätte man sich auch sparen können, kein Läufer schaut da rein. So ein persönlicher Kontakt ist ja eh schöner. Der Großteil der Nachmelder war freundlich, geduldig und hat sich artig für unsere Arbeit bedankt. Der unrühmliche kleine Teil wird hier auch im Rahmen der TYPEN von NACHMELDERN erwähnt:

  • TYP WOLFGANG:

    Meldet sich niemals vorher an. Erwähnt eher beiläufig, dass das sein x. Marathon ist (10 kleiner x kleiner 20). Schielt auf die Startnummer und nimmt sie ohne Murren, auch wenn es wieder keine Schnapszahl ist. Hat schon alles gesehen auf dem Laufplaneten und wird keinen Cent auf der Marathonmesse ausgeben – neumodischen Schnickschnack braucht Wolfgang wirklich nicht für das Finish. Zahlt in bar und passend.

    Sympathiefaktor: 8/10
    Zielzeit: nicht so wichtig
    Grüßt mit: „Griaß Gott z’ammen!“

  • TYP MONIKA:

    Hat es furchtbar eilig und kommt zur Rush Hour am Samstagnachmittag um 15:00 Uhr. Will nur für den Zehner nachmelden, für den sie sich Siegchancen ausrechnet. Das muss wirklich jeder in der Schlange wissen. Wackelt nervös am Tisch, als die EC-Karte nicht beim ersten Mal funktioniert. Und braucht eine Quittung, damit ihr Verein ihr auch das Startgeld erstattet.

    Sympathiefaktor: 3/10
    Zielzeit: sub 36 min auf 10 Km
    Grüßt mit: „Entschuldigen Sie, nur ganz kurz!“

  • TYP ALLESSANDRO:

    Kam heute morgen samt Familie aus Turin. Endlich mal in Norditalien einen Marathon laufen! Versteht partout nicht, dass das Finishershirt nicht inklusive ist. Überhaupt, Kommunikation geht nur mit Händen und Füßen. Und dann wird auch die goldene Mastercard der UniCredit nicht akzeptiert. Mamma Mia! Muss zum Geldautomaten an der Olympiaschwimmhalle.

    Sympathiefaktor: 5/10
    Zielzeit: sub 4h
    Grüßt mit: „Italiano?“

  • TYP JOHANNES:

    Steht natürlich in Laufklamotten vor der Nachmeldung, ist gerade von Trudering gejoggt. Weiß genau, worauf es ankommt und füllt im Nachmeldeformular nur Nachnamen und Chipnummer aus – „mehr Daten braucht ihr nicht“. Hat hart trainiert in den letzten Wochen. Schaut sehr kritisch, die Anspannung steht ihm ins Gesicht geschrieben. Überlegt kurz, für die Meisterschaft nachzumelden.

    Sympathiefaktor: 7/10
    Zielzeit: sub 3h
    Grüßt mit: „Hi Henrik, alles klar bei euch? Brauche nen Kuli.“

  • TYP HEINZ-ULLRICH:

    Will sich gar nicht nachmelden. Sondern endlich seine Beschwerde loswerden. Hat auf der Messe noch niemanden gefunden, der seinem Geblabber ernsthaft zuhört. Fragt mehrmals lauthals, wer denn HIER DER VERANTWORTLICHE sei. Mit seinen 1,65m Körpergröße schaut er immer auf und über seine Brille. Droht, nachdem man ihm mehrmals versichert hat, die Beschwerde weiterzuleiten, mit einem Brief an OB Ude.

    Sympathiefaktor: 1/10
    Zielzeit: n/a
    Grüßt mit: „Sind Sie hier der Verantwortliche?“

  • TYP URSULA & HELMUT:

    Treten geschlossen auf und tragen den Partnerlook von Adidas. Wollen sich mit ihrem Gutschein für den Halbmarathon anmelden. Fangen fast an zu weinen, als sie die Erklärung „ist ausverkauft“ in zahlreichen Formulierungen vorgetragen bekommen haben. Lauern auf Nachmelder in der Schlange, die evtl. ihre HM-Startnummer zurückgeben. Melden sich nach reiflicher Überlegung für den Zehner nach, „Hauptsache, der Gutschein funktioniert.“

    Sympathiefaktor: 8/10
    Zielzeit: „Ankommen“ auf den HM
    Grüßt mit: „Servus, wir stehen’s nedda auf der Starterliste!“

Egal, wer bei uns war: wir haben an drei Tagen fast 1.000 Läuferinnen und Läufer nachgemeldet. Gelaufen bin ich wahrscheinlich ein paar Kilometer. So ein Event aus einer anderen Perspektive zu erleben, ist eine Erfahrung, die jeder Läufer mal machen sollte. Auf den München Marathon 2013!

11 Kommentare

  1. Manu 5 Jahren vor

    Super Bericht! Ich musste sehr über die Typen von Nachmeldern schmunzeln 🙂

  2. Steffen 5 Jahren vor

    Hallo Henrik! Also ich rate mal vom Berufsbild Hotelkaufmann ab. Schön, dass es Helfer wie Dich gibt!!
    Steffen!

  3. -timekiller- 5 Jahren vor

    Hallo Henrik,

    sehr amüsant Deine Kategorisierung der Nachmelder. Bei solchen Aufstellungen fragt man sich ja zwangsläufig zu welcher Gruppe man selbst wohl gehört.

    Grüße

    Heinz-Ullrich

  4. LocalZeroLars 5 Jahren vor

    Henrik, ich finde ja immer die absolut Planlosen so amüsant. Oder auch Fragen wie: „Wo geht denn die Strecke eigentlich lang“? :-))

    By the way: Eine super Generalprobe für den Nachmeldeschalter am Starnberger Nordbahnhof *LACH*…

    Viele Grüße!
    Lars

  5. Brennr.de 5 Jahren vor

    Vielen Dank für die interessanten Einblicke. Die Nachmeldertypen hast Du echt gut beschrieben. Musste mehrmals schmunzeln. Find ich toll, dass Du mitgeholfen hast!

  6. M a r e k 5 Jahren vor

    Sehr spannend und zum Schmunzeln deine Kategorisierung. Da hast du ja an den 3d eine ausgiebige Studie machen können 🙂 Die Läufer sind schon manchmal (meistens?) komische Typen. Wie im wahren Leben eben 🙂 Schön, dass du zum Gelingen des Events beigetragen hast! Der Blick hinter die Kulissen öffnet einem schon manchmal die Augen, was so alles hinter so einer großen Veranstaltung steht. Wir werden noch zum Laufveranstalter!

  7. Tobias 5 Jahren vor

    Schöner Bericht, ich liebe Artikel in denen unterschiedliche Läufercharaktere beschrieben werden 😉
    War zwar am Samstag auch auf der Messe und bei den Nachmeldungen, hab dir aber nicht gesehen, nächstes Jahr werd ich dich mal suchen 😀

    Sportliche Grüße
    Tobi

  8. Thomas Dahmen 5 Jahren vor

    Echt witzig! Du machst Frau Schmitt echt Konkurrenz…

    Sport frei!
    Thomas

    • Autor
      Henrik 5 Jahren vor

      Naja Thomas, da spielen wir noch in einer anderen Liga ;).

  9. Andreas 5 Jahren vor

    Finde ich toll, dass du geholfen hast. Mal sehen, wann ich das endlich mal in Berlin hinkriege. Die Läufertypen sind sehr amüsant, ich kenne sie alle 😉 Man selber erkennt sich natürlich niiieee in den zahlreichen Marotten 😉

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