Zu zweit läuft's besser.

Nike Free – das ist doch nichts für Marathonläufer!

Nike Free – das ist doch nichts für Marathonläufer!
7. April 2016 Henrik
Nike Free RN Distance

Bild: Nike

 

Ja, so habe ich bisher gedacht. Immer, wenn ich Läufer in den Schlappen sah, waren das eher auf den modischen Aspekt fokussierte Jogger. Ich schaue vor dem Start eines jeden Wettkampfs immer auf die Schuhe und der „Free“ -in welcher Variante auch immer- ist die krasse Ausnahme. Subjektiv betrachtet trauen die Läufer dem Schuh nicht über den Weg. Dass er trotzdem in der Verkaufsstatistik der Minimalschuhe weit vorne liegen dürfte, liegt wohl daran, dass die wenigsten Käufer den Nike Free zum Laufen ausführen.

Nun blinzelte ich im November letzten Jahres kurz mal in das Laufschuhfachgeschäft meines Vertrauens; es gibt nur eins. Und ließ mich tatsächlich dazu überreden, den letzten Schrei der Free-Serie anzuprobieren. Einfach so, das Teil sieht ja schon gut aus. Hebt sich ab vom Standard-Design. Und dann wurde mir erklärt, das sei der erste Free „für lange Distanzen“. -Kurze Denkpause-. Und siehe da, der Name sei Programm:

Nike Free RN Distance

Allein das Wort „Distance“ dürfte mich dazu verleitet haben, den Schuh zu kaufen. „Du kannst ihn ja immer noch zum Gassigehen tragen, wenn er nichts taugt.“ Gleich am Abend wollte ich es wissen und wagte mich todesmutig auf einen 12 Km-Lauf. Leicht, bequem, passt wie angegossen, knackige Schnürung, schön flexibel, top Outfit. Es gab da wirklich gar nichts zu meckern. Ich bin vor allem sehr kritisch, was den Fersenhalt angeht. Aber der Schuh klebt an der Ferse. Der Free RN Distance macht einfach Spaß.

Nike Free RN Distance 1Urs Weber, Cheftester der RunnersWorld Deutschland, hält in der Laufschuhdatenbank das Modell in die Kamera, das ich nun etwa 375 Km gelaufen bin. Mein Eindruck war, dass es schon viel mehr Kilometer sind, so oft, wie ich den Schuh aus dem Schrank geholt habe. Die längste Distanz mit dem Free RN Distance waren etwa 25 Km. Ich halte den Schuh für absolut Marathon-tauglich. Klar, er liebt den Asphalt und die weichen Beläge, auch die Tartanbahn. Auf Trails hat man mit dem Schuh nichts zu suchen.

Gestern war ich wieder im Laufschuhfachgeschäft. Das meines Vertrauens, ihr wisst schon. Und da steht der Free RN Distance in schönem Blau. „Ach, das ist doch nichts für Marathonläufer.“

8 Kommentare

  1. Marek 1 Jahr vor

    „Herstellerbezeichnung: Barfußlaufen“. WTF? Naja, nun hast du also auch einen Nike im Keller. Da sind wir ja bisher erfolgreich dran vorbeigeschlittert. Bin gespannt auf deine weiteren Eindrücke, sobald du mal einen „Long Distance“ Lauf hinter dir hast mit dem Schuhwerk.

  2. Laufhannes 1 Jahr vor

    Von dem Nike Free 3.0 von „früher“ hat er optisch auch nicht mehr viel. Ist die Sohle denn noch wirklich dynamisch oder bereits so starr wie bei anderen Laufschuhen? Ich war damals schon vom normalen Nike Free Run ob der Sohle enttäuscht. Mit dem kann ich problemlos ewig weit laufen – obwohl da nichts von Distance steht – aber das erinnert eben nicht mehr an den Nike Free.

    • Autor
      Henrik 1 Jahr vor

      Ich habe leider nicht soviel Free-Erfahrung, da ich den Schuh lange belächelt hatte. Ich finde die Sohle des Free RN Distance sehr flexibel, die hat nichts mit der Konstruktion bekannter Laufschuhe zu tun. Kann nicht sagen, ob da ein großer Unterschied zur „regulären“ Free-Serie besteht.

  3. FloRuns 1 Jahr vor

    Ich bin mit dem Nike Free in 2012 (glaube das war noch der 2.0) meine erste Marathonvorbereitung angegangen. Vier Wochen vor dem Marathon konnte ich dank einer Plantarsehnenentzündung nicht mehr auftreten. Seit dem rate ich von dem Schuh unbedingt ab, sobald jemand über 10km damit laufen möchte…für die Freizeit allerdings ein wundervoller Schuh, der sich klasse anfühlt.
    Auch wenn der neue „Distance“ vermeintlich auch für den Marathon genutzt werden kann, bleibe ich dennoch sehr skeptisch, ob das auch wirklich der Fall ist. Je nach Fussmuskulatur des jeweiligen Läufers ist das sicherlich auch sehr verschieden…

    • Autor
      Henrik 1 Jahr vor

      Flo, pauschal würde ich nie ein Modell empfehlen. Jeder Fuß ist anders, jeder läuft anders und deshalb kann man nie sagen, ein Schuh ist generell gut oder nicht. Für meinen Anwendungsfall taugt der Free RN Distance und mein Eindruck ist, dass ICH mit dem auch einen Marathon rennen könnte. Ich würde auch Einsteigern nie den Nike Free als Erstlaufschuh empfehlen, er kann aber für erfahrene Läufer eine sinnvolle Ergänzung im Fuhrpark sein.

  4. Frank 9 Monaten vor

    Hallo Henrik,

    ich laufe seit 1985, (später) fast nur mit einem Schuhmodell (DS-Trainer; auf der Bahn aber seit längerem Saucony A6) und habe – weil der DS-Trainer immer schlechter geworden ist – verzweifelt nach einem besseren Schuh gesucht, der weniger Sprengung besitzt, leichter und FLACHER an der Ferse ist… und mit dem man Marathon laufen könnte, da ich Marathonläufer bin. – In den letzten Wochen hat meine Suche zu nichts geführt: Der Markt bietet mir für meine Bedürfnisse keinen einzigen wirklich geeigneten Schuh an, dazu kommt, dass ich einen langen, schlanken Fuß habe, was viele Modelle schon ausschließt. Enttäuschend besonders, dass gerade Adidas, einer der großen Player, grundsätzlich Schuhe nur mit viel zu enger Zehenbox bietet (Das fiel mir schon vor 10 Jahren auf.).

    Dankbar habe ich also diesen Beitrag hier gelesen, weil ich zufälligerweise immer wieder auf den hier besprochenen Nike Free Run Distance gestoßen bin, der für meine Bedürfnisse vielleicht in Frage käme.
    Ich muss aber feststellen, dass ich Nike noch nie als seriöse Laufschuhmarke wahrgenommen habe und auch noch nie Nike-Schuhe trug, egal wo und egal unter welcher Prämisse.

    Wenn ich noch kurz auf Deine Aussage eingehen darf:

    „Ich würde auch Einsteigern nie den Nike Free als Erstlaufschuh empfehlen, er kann aber für erfahrene Läufer eine sinnvolle Ergänzung im Fuhrpark sein.“

    Ist es nicht genau anders herum?
    Leute, deren Füße und Beine, Knie, Hüften noch nicht versaut sind, sollten keine Schuhe anziehen, die ihren Laufstil in unnatürliche Situationen zwingen. Es sollte doch logischerweise eher (eine Metapher aus dem Webdesign 😉 ) „Progressive Enhancement“ die Methode der Wahl sein, als sich zuerst alles zu versauen, dann davon abhängig zu werden, um hernach über die Rückkehr nachzudenken… 🙂

    Wer Marathon laufen will, ohne sich die Eignung antrainiert zu haben, muss unweigerlich zuerst auf Laufschuhe kommen, die seine Defizite halbwegs kompensieren. Das ist aber – sichtbar nachvollziehbar – der falsche Ansatz. Oder?

    Beste Grüße
    Frank

    • Marek 9 Monaten vor

      Hi Frank,

      danke für deine Meinung! Im Grunde fährst du natürlich den richtigen Ansatz: jeder, der natürlich laufen und sich nicht dauerhaft falsche Fußstellungen aneignen möchte, sollte barfuß ohne jegliche Stütze laufen. Das Problem bei diesem Ansatz ist: kaum jemand möchte dies, haben wir uns doch schon lange an Schuhe gewöhnt und es ist zudem auch verletzungsanfälliger, da niemand bis hin zum Marathon dies langsam und schrittweise durchführt. Für den Marathon ist es einfach nicht praktikabel.

      Ich kenne durchaus auch Läufer, die die 42km barfuß durchziehen, nur die kommen eben aus der „Schuhwelt“ und haben das aufgrund von Verletzungen gemacht, die ihnen die gedämpften Schuhe beschert haben. Ich denke, Henriks Empfehlung, den Nike Free nicht als Anfänger zu benutzen, ist einfach der langwierigen Gewöhnung ans natürliche Laufen geschuldet. Die Umgewöhnung dauert sehr lange. Das heißt natürlich nicht, dass man mit dem Teil nicht Marathon oder länger laufen kann. Wer dauerhaft an die „natürlichen“ Schuhe gewöhnt ist, für den sollte das auch problemlos machbar sein. My 2 cents!

  5. Frank 9 Monaten vor

    Hi Marek

    „Im Grunde fährst du natürlich den richtigen Ansatz: jeder, der natürlich laufen und sich nicht dauerhaft falsche Fußstellungen aneignen möchte, sollte barfuß ohne jegliche Stütze laufen.“

    Nein, das habe ich nicht geschrieben. Und das ist auch nicht meine Meinung.
    Und auch ich möchte nicht barfuß laufen. – Der Nike Run Distance ist kein Barfuß-Schuh (nomen est omen).
    Was die Stütze betrifft: Das ist ja wieder ein anderes Kapitel. Das sollte man nichts durcheinanderbringen.

    „Wer dauerhaft an die „natürlichen“ Schuhe gewöhnt ist, für den sollte das auch problemlos machbar sein.“

    Was spricht dagegen, dass Läufer von Anfang an an das Richtige gewöhnt werden, anstelle sich mit Schuhen zu versorgen, die ihre natürlichen Anlagen zerstören oder deformieren?
    Was spricht dagegen, dass Leute zum Natürlichen zurückkehren, einen besseren Laufstil haben, schneller laufen und sich weniger die Knochen kaputtmachen? Nichts.

    Eine dauerhafte Gewöhnung an das Falsche ist kein Grund, das Richtige abzulehnen.

    Beste Grüße
    Frank

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