Zu zweit läuft's besser.

Wohnzimmerstabi

Wohnzimmerstabi
1. August 2013 Henrik

x-box – 13Es ist wohl kein Geheimnis, dass Läufer die vielgepriesenen Stabilisierungsübungen nicht lieben. Mal Hand hoch, wer artig seine 2-3 Stabieinheiten in der Trainingswoche durchzieht. Die Übungen sind nicht schwer und es sind „nur“ 20 Minuten zu investieren. Trotzdem klappt das nicht so richtig, lieber noch 20 Minuten länger laufen! Aber zum Glück haben erfolgreiche Hersteller von Spielkonsolen (heisst das noch so?) dieses Dilemma erkannt. Heutzutage braucht man nicht mehr vor die Tür zu gehen. Wir haben „Wohnzimmerstabi“ in Form von „Nike+ KINECT TRAINING“ für die Microsoft X-BOX getestet. Zuerst: räumt euer Wohnzimmer leer. Ja, leer. Der KINECT Sensor braucht viel Platz. Ein 4 Meter-Radius um den Fernseher darf es ruhig sein. Couchtische oder ähnliches müssen weichen. Das ist im Sinne eurer Gesundheit und der Unversehrtheit der teuren Inneneinrichtung.

X-BOX_KINECT_7Mit den üblichen 20-Minuten-Einheiten Stabi ist es bei Nike+ Kinect nicht getan. Man muss sich deutlich mehr Zeit nehmen. Vor allem die initiale Einrichtung braucht locker 90 Minuten. Diese beinhaltet ein „Warm-Up“. Spätestens danach fühlt man sich wie nach einer schweißtreibenden Einheit im Fitnessstudio. Mit Hilfe des Sensors wird man „vermessen“ und es wird die Richtung des Trainingsprogramms bestimmt – darf es „Straffung“ oder lieber „Muskelaufbau“ sein? Einer der beiden Trainer Nadal und Tom stellt auf Basis des Warmups einen individuellen Trainingsplan zusammen. Die Übungen beim Warmup sind schon knackig. Die Untermieter freuen sich bestimmt über 3x 60s Kniehebelauf im Stand. Sprungübungen sind auch darunter. Ich bin motorisch nicht völlig neben der Spur, aber Wechselsprünge über 1,5 Meter waren nicht zu bewältigen. Das ist dann schon frustrierend. Wer das Warmup durchhält, erhält ein Bienchen in Form von NikeFuel. Das ist diese virtuelle Energieeinheit, die man inzwischen mit mehreren Nike-Produkten verdienen kann, u.a. der SportWatch. Der Trainingsplan wird erstellt und auf die vorher festgelegten Wochentage verteilt. Das wirkt genauso wie der „Coach“ bei Nike+, als dieses Portal noch nicht verschlimmbessert wurde. Die Übungen haben es in sich und sind viel zu lang geraten, wenn man Nike+ Kinect lediglich als ergänzendes Stabitraining einsetzen möchte. Nike hat wohl eher darauf abgezielt, ein umfassendes Fitness-Workoutprogramm aufzulegen. Die Pausen zwischen den Übungen sind sehr kurz. Das Trainingsprogramm wirkt schnell überladen. Es ist fraglich, ob eine Langzeitmotivation provoziert werden kann.

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Zur Technik: die Integration mit dem Kinect-Sensor wirkt schon etwas abgefahren, das ganze Spiel wird nur durch Gesten oder Sprache gesteuert. Auf dem guten alten Controller braucht man gar nicht mehr rumdrücken. Allerdings muss man den Sensor auch aufwändig kalibrieren, „einfach loslegen“ ist nicht. Marek hatte ständig das Problem, dass die Übung einfach neu gestartet wurde, während er sich abkämpfte. Der Grund dafür war leider nicht ersichtlich – aber der Sensor scheint dort auf etwas reagiert zu haben. Theoretisch stellt man sich vor den Sensor und der Spieler wird anhand der Körperproportionen erkannt. Praktisch hat das leider nicht 100% funktioniert. Die Konsole wird per HDMI-Kabel an den Fernseher angeschlossen. „Nike+ Kinect Training“ kommt als DVD. Die Ladezeiten sind erträglich. Das X-BOX-Ökosystem samt der „Kacheln“ finden wir sehr gewöhnungsbedürftig. Bis man die Einstellungen für’s WLAN findet, braucht es wieder mal: Zeit und Geduld. Und eine Internetverbindung ist für die Nutzung von Nike+ natürlich erforderlich. Bekannt ist zudem das starke Lüftergeräusch der X-BOX.

Die Idee für „Nike+ Kinect Training“ finden wir sehr gut. Die Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Das Ganze ist viel zu komplex geraten. Als ergänzendes Stabitraining ist Kinect Training weniger zu empfehlen. Die Zielgruppe sind schon eher Fitnessinteressierte, die ihr komplettes Workout zuhause durchführen wollen. Als Alternative ist das Wii Balance Board am Markt, was wir ingesamt gelungener finden. Das ist einfacher zu bedienen und macht auch ohne HD-Grafik Spaß. Sicher sind die Sensor-Fähigkeiten und damit die Kontrolle über die genaue Übungsausführung dort viel eingeschränkter, aber jeder halbwegs motivierte Sportler wird selbst schauen, dass er die Übung so exakt wie möglich nachturnt. Auch ist die Erklärungsphase dort länger. Für motorisch eingeschränkte Menschen ist es eben nicht so einfach, mal eben schnell eine Übung ohne große Zeit nachzumachen.

X-BOX und Nike+ Kinect Training wurden uns leihweise von Microsoft über Edelman zur Verfügung gestellt. Der Artikel spiegelt einzig unsere Meinung wieder, es wurde keinerlei Einfluss auf den Bericht genommen.

4 Kommentare

  1. Laufhannes 4 Jahren vor

    Danke für den ausführlichen Test!

  2. Bianca 4 Jahren vor

    Es geht doch nichts über den RUNNING Company Kraftzirkel. Live bleibt live ;-)!

  3. Holger Niessen 4 Jahren vor

    Also ich habe Nike+ Kinect sehr regelmässig im Winter genutzt. Das mit den abgebrochenen Übungen und wieder neu anfangen, liegt leider an der Sprachsteuerung. Schaltet man diese ab, klappt alles so wie erwartet.
    Ohne Sprachsteuerung kann man Nike+ trotzdem weiterhin ohne Controller komplett bedienen.

    • Marek 4 Jahren vor

      Danke Holger für den Tip! Wer weiß, was der da für Geräusche hört – mein ständiges Gefluche wahrscheinlich 🙂

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