Zu zweit läuft's besser.

Spontan läuft’s am besten, hier: Swissalpine K78

Spontan läuft’s am besten, hier: Swissalpine K78
2. August 2017 Henrik

Am Sonntag vorher trailten der Triathlet und ich oberhalb von Farchant und Garmisch bei sehr durchwachsenem Wetter. Eigentlich wollten wir am Vortag die Zugspitz Trailrun Challenge mitlaufen (44 Km, 4.000 HM), aber der Start um 5:00 Uhr morgens war für uns nicht realisierbar. So kletterten wir lieber ohne Wettkampfdruck über Schafkopf, Brünstlkopf und Feldernkopf. Aber so ganz ohne Wettkampf kann der Triathlet halt doch nicht. Auf die Frage hin, ob nicht nächste Woche doch noch ein „Achtziger“ stattfände, fiel mir der legendäre Swissalpine ein. An Davos hatte ich gute Erinnerungen, vor zwei Jahren lief ich den K42. Tja, und so kam es, dass wir am Freitagnachmittag auf der Autobahn Richtung Graubündner Alpen rollten…

Natürlich musste es der K78 sein. Die Königsdistanz des „Swissalpine Marathons“, eine Institution im Kalender. Wir trauten uns das ohne Weiteres zu. Mit 2.800 Höhenmetern ist der K78 einer der leichteren Ultratrails, wenn man das überhaupt so sagen kann. Der Veranstalter hat alle Events inkl. SwissTrail und Swiss Irontrail in einer Laufwoche konzentriert, so dass es nun eine sehr große Auswahl gibt. Am Samstag startet die Serie „Swissalpine Marathon“, die „schnelle Bergläufe mit Wettkampfcharakter“ mit 5 Distanzen zusammenfasst. Der Kult-K42 wurde gestrichen, wer etwa einen Marathon laufen will, musste auf den K47 gehen oder sich mit dem K36 abfinden. Wir starteten in Davos im Stadion und dort war auch der Zieleinlauf. Keine Minute zu spät rollten wir um 6:55 Uhr in Davos bei strahlendem Sonnenschein ein und schoben uns in die Startaufstellung. Auch die Läufer des K31 starteten mit uns.

Gute 20 Km geht es angenehm runter oder nur ganz leicht hoch – prima zum Einrollen. Spektakulär ist die Querung des Wiesnerviadukts, aber auch sonst wird landschaftlich einiges geboten. Erst in Filisur, Ziel des K31, stehen ein paar Zuschauer an der Strecke. Wir merken die Oberschenkel schon ziemlich, sind wir die Downhills nicht gerade langsam runter, etwa 5:30min/Km zeigt die Uhr – zu schnell? Bis zum „Marathondorf“ Bergün geht es auf die ersten ehrlichen Höhenmeter und wir gehen gemütlich hoch. Alles noch Vorgeplänkel, Stimmung bestens, auch meine anfänglichen Magenbeschwerden sind vergessen. Als wir an der Moderatorentribüne vorbeilaufen, sind 40 Kilometer absolviert.

Das Rennen beginnt ungefähr hier. Ab hier kannte ich die Strecke. Jetzt folgt der Anstieg zur Keschhütte mit über 1.000 Höhenmetern. Zunächst geht es 6 Km auf der Straße nach oben, wenig spektakulär, aber trotzdem anstrengend. Mal laufen, mal gehen, wir beschlossen, noch nicht alles reinzulegen. Überhaupt, das Teamwork im Team „Forstenrieder Park“ funktionierte wie schon beim Zugspitz Ultratrail perfekt, ein Transalpine-Run würde uns nicht vor Abstimmungsschwierigkeiten stellen. Ein recht steiler Trail folgt noch mit Stöpselzieher-Charakter, bevor es moderat am Hang zum großen Meilenstein Keschhütte geht. Die Sonne knallte hier gnadenlos, so dass ich ein Tief überwinden musste. Es ging nur sehr langsam hoch. Der Triathlet machte den frischeren Eindruck.

Die Keschhütte ließen wir schnell links liegen und begaben uns auf den Übergang zum Sertig. Ein recht verblockter Trail mündet in einen Singletrail, den man eigentlich gut laufen kann. Eigentlich, denn hier bogen die langsamen K47-Läufer auf die Strecke, die um 11 Uhr in Davos gestartet waren. Zum Überholen waren es einfach zu viele. Erst vor dem finalen Aufstieg zum Sertigpass wurde die Strecke wieder breiter. Etwa 400 Höhenmeter sind es bis zur Passhöhe. Hier war es wieder kühler und dementsprechend fiel mir der Aufstieg deutlich leichter. Schnell ein Selfie auf dem höchsten Punkt der Strecke gemacht und runter. Hier standen wir vor der gleichen Herausforderung. Walker des K36 und K47 belegten den Trail.

Wir bahnten uns irgendwie den Weg, mal wurde artig Platz gemacht, mal war das Überholen Harakiri und nicht ungefährlich. Der Triathlet ging es etwas vorsichtiger an und so riss eine Lücke von vielleicht 200 Metern. Gute 1000 Höhenmeter verliert man bis zum nächsten Checkpoint in Sertig Dörfli. Auf dem breiten Forstweg kann man es richtig krachen lassen – wenn die Oberschenkel noch mitspielen. Ich war wirklich nicht langsam unterwegs, aber als ich mir noch ein Gel gönnte, flog der Triathlet schon vorbei. Ich konnte nicht mehr zulegen und stolperte so dahin. Laufen fiel immer schwerer. Und der Endspurt hatte noch gar nicht begonnen.

Nach dem Dörfli geht es auf einen Waldtrail, der nochmal gute 100 Höhenmeter fordert. Es ist auch eine mentale Herausforderung, gehen, laufen, gehen, überholen, überholt werden. Der Triathlet hätte mich hier abgehängt, aber unsere Vereinbarung war, zusammen ins Ziel zu laufen. Die angepeilten 9h waren nun vorbei und gute 5 Km vor uns. Die Cola wirkte nicht mehr so richtig, mir war etwas schlecht, aber jetzt aufhören wäre auch blöd. Ein schönen Blick auf das Retortendorf Davos bekommt man 2 Km vor dem Ziel. Dann noch zügig runter, ein paar Meter Straße und schon liefen wir nach 9:35h ins Stadion. K78 geschnupft.

Insgesamt ist der K78 eine wirklich gelungene, mit Schweizer Gründlichkeit organisierte Veranstaltung. Landschaftlich reizvoll ist die passende Beschreibung. Verpflegungspunkte gibt es alle 5-6 Km – einen Laufrucksack braucht es gar nicht. Ein paar mehr Riegel oder Gels hätten wir uns gewünscht. Die Anteilnahme der Zuschauer, nun ja, gelegentlich gibt es ein paar, aber insgesamt gibt es stimmungsvollere Läufe. Der Schweizer ist vielleicht nicht so begeisterungsfähig? Für stolze 190 Schweizer Franken in der letzten Anmeldephase bekommt man ein solides Paket. Die Medaille ist für alle Marathon-Veranstaltungen die gleiche, das kommt etwas einfallslos daher. Das Finishershirt wird nachgeliefert, das ist schon ein wenig peinlich. Im Ziel gab es Dosenbier vom Sponsor, aber nichts zu essen. Es sind gerade die Details, die eine Laufveranstaltung unvergesslich machen. Daran kann man in Davos noch arbeiten.

 

Unseren Lauf fasst dieser schöne Clip vom Triathleten sensationell zusammen:

5 Kommentare

  1. Martin 3 Monaten vor

    Mal eben so ein Rennen aus der Hüfte schütteln – hach, ich wäre auch gern noch mal jung. Oder zumindest gut in Form. 🙂
    Sieht toll aus, der Lauf. Danke für den schönen Bericht, für die Bilder und das eindrucksvolle Video. Und was das Bier anbelangt: Wozu essen? Ein Bier hat den Nährwert von zwei Brötchen, so heißt es doch.

    • Autor
      Henrik 3 Monaten vor

      Hallo Martin, aus dem Ärmel geschüttelt, nicht aus der Hüfte ;). Sobald sich der Körper an solche schlimmen Sachen gewöhnt hat, geht das schon mal spontan. Aber ich würde immer Training vorab empfehlen. Und mit dem Bier hast du natürlich recht. Deshalb habe ich zwei getrunken – macht also 4 Brötchen.

  2. Andreas 2 Monaten vor

    Da kann ich Martin nur zustimmen – den K78 mal eben spontan so einschieben, das ist schon beneidenswert! Glückwunsch zu diesem Trainingszustand und natürlich dem erfolgreich absolvierten Lauf 😉

    • Autor
      Henrik 2 Monaten vor

      Danke, Andreas. Aber der K78 war nur das „Warmup“ für den epischen #Gipfelsturm an diesem Wochenende.

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