Zu zweit läuft's besser.

Am Haken

Am Haken
16. Februar 2013 Henrik

Leistungsdiagnostik 15 Stunden? Am Donnerstag stand für mich ein spannender Termin im Kalender: Leistungsdiagnostik! Lauffreund Philipp hatte mir das „größte Zentrum für Sportmedizin und Prävention in Deutschland“, das sportmedizinische Zentrum der TU München (TUM) empfohlen, was inzwischen im schnieken Campus unterhalb des o2-Towers residiert. Ich hatte mir den Termin so gelegt, dass bis zum Transgrancanaria noch 2-3 Wochen Zeit bleiben, also das Ergebnis einen guten bis sehr guten Trainingszustand widerspiegeln müsste. Die Untersuchung in der TUM ist als umfangreicher „Checkup“ angelegt. Der braucht seine Zeit. Dafür bekommt man viele Messergebnisse, das gesammelte Zahlenwerk wird aber erst im Nachgang „für den Hausarzt“ zugeschickt. Zunächst erfolgt die Körpervermessung, die eine Größe von 187,5 cm ergab, auch nach der Kontrollmessung. Bin ich in den letzten Jahren 2 cm gewachsen? Das geplante „Kampfgewicht“ habe ich in den letzten Wochen locker erreicht. Nach der Körperfettmessung geht’s zum Ruhe-EKG und dann zum Doc, der sich ordentlich Zeit für den Fragebogen nimmt und jede kleinste Fehlstellung des Bewegungsapparates nach ein paar Bewegungen erkennt. Die Blutprobe ist im Röhrchen und endlich kann man etwas frühstücken. Die Ultraschalldiagnostik vom Herzbereich wirkt wie im Science Fiction-Film, der Kardiologe tippt eifrig auf dem Touchscreen und vermisst das Herz, zwischendurch kann man den Herztönen lauschen. Das hat großen Unterhaltungswert. Der gute Mann bescheinigt mir eine „ausgezeichnete Herzfunktion“, na bitte. Hat sich diese ganze Quälerei doch gelohnt! Und ENDLICH kommen wir zur Sache, ich werde in den Raum mit dem Türschild „Belastung“ gebracht. Dort stehen zwei ziemlich große Laufbänder und zwei Rad-Ergometer. Man kann sich aussuchen, ob man laufen oder radeln will. Was für eine Frage.

Das „Verkabeln“ samt Bauchgurt dauert beim Läufer etwas länger: man wird zudem mit einer Brustgurtkonstruktion an einem Haken befestigt – aus Sicherheitsgründen. Wer sich abschießt während der Ausbelastung, kann nicht vom Band fliegen und der Mechanismus löst eine Notbremsung aus. Gelaufen werden 3-minütige Intervalle mit 30s Pause für die Blutabnahme samt Laktatmessung am Ohrläppchen. Los geht es mit gemütlichen 6 Km/h – „das wird schon nicht so schlimm“. Aber die nette Medizinerin hat schon genug Läufer an ihre Grenzen kommen bzw. laufen sehen und lächelte meine Nachfrage mit der Bemerkung weg, dass dieses Laufband schon jeden kleingekriegt habe. Der Anfang ist zäh, aber es wird schnell anstrengender und die 3 Minuten werden jedes Mal länger. ld1Die 17 Km/h lief ich noch zur Hälfte, dann war aber wirklich Schluss. Frau Ärztin zählte da schon in 30s-Intervallen runter. Die Fotos hat sie netterweise bei 11 Km/h aufgenommen, als ich noch gut aussah. Entkabeln, Duschen und ab zum Abschlussgespräch mit dem Doc. Der studiert die vielen Herzkurven und liest ein paar von den spannenden Daten vor: Maximalpuls 191, ind. anaerobe Schwelle bei 4:30/Km, Prognose für 10 Km: 39:50, HM: 1:30h, Marathon: 3:20h. Den Zehner habe ich gleich gekauft. Das klingt alles sehr plausibel und momentan würde ich das alles wohl gesichert runterlaufen können. Wobei man einräumen muss, dass ich in den letzten Wochen mit Hinblick auf den Transgrancanaria kein klassisches Marathontraining absolviert habe. Ich bin auf den ausführlichen „Befundbericht“ gespannt. Fazit: so ein umfangreicher Checkup lohnt in jedem Fall, wenn man ganz sichergehen möchte, wie der körperliche Zustand ist und ob dem intensiven Laufen etwas entgegensteht. Die Atmosphäre im Zentrum für Sportmedizin ist sehr freundlich und persönlich, die Ausstattung hochmodern. Die Untersuchung wird von den Krankenkassen als Vorsorgeuntersuchung anerkannt und übernommen. Da gibt es eigentlich nichts zu überlegen. Außer 5 Stunden im Kalender freizumachen.

Auswertung / Update 08.03.2013:

LD_Laktatkurve

LD_Auswertung

12 Kommentare

  1. Balla Doc 5 Jahren vor

    Interessant! Quasi Dein TÜV vor dem großen Mega-Lauf. Interessant wäre auch ein Vergleich nach einem Jahr kontinuierliches Trainings. Hat es Konsequenzen für Dein weiteres Lauftraining?
    Mich würden mal Veränderungen einiger Parameter im Blut während eines Marathons an einem heißen Tag interessieren. Zumal ja viele vorher extra Magnesium – neben Schokolade, Bananen, Müsliriegeln, Kuchen, ISO etc. 😉 – einwerfen.
    Gruß
    Balla Doc

    • Autor
      Henrik 5 Jahren vor

      Erstmal hat das keine Konsequenzen. Werde mir die Ergebnisse sehr genau anschauen und dann überlegen, was ich im Training verbessern könnte. Da gibt es sicher einige Ansatzpunkte.

  2. Marco 5 Jahren vor

    Toller Bericht! Meine Diagnostik verlief nicht ganz so umfangreich, sondern beschränkte sich auf die Spiroergometrie.
    Meine Intension war einfach die, dass ich wissen wollte in welchen Bereichen ich effektiv trainieren kann, um mehr zu erreichen, da ich bis dahin eigentlich immer falsch trainiert habe.
    So eine Diagnostik ist zwar nicht ganz billig, aber auch ich kann diese Diagnostik nur jedem ans Herz legen, der sich mal ein Bild von sich selbst machen will.

  3. Markus Herrmann 5 Jahren vor

    Toller Bericht! Erinnerungen werden wach: das hab ich 2009 auch mal gemacht, nach vier Jahren wäre wohl mal ne Wiederholung fällig … Damals noch im recht „runtergewohnten“ Gebäude am Olympiapark / Olympischen Dorf. Triathletin Katrin Esefeld war mein „Doc“ bei der Untersuchung.

    Für mich heute noch ein ganz wichtiger Parameter ist die individuelle anaerobe Schwelle (die natürlich je nach Trainingszustand um ein paar Schläge nach oben oder unten wandert): je nach Wettkampfdistanz weiß ich während des Laufs, ob ich in der aktuell gelaufenen Geschwindigkeit (und der entsprechenden Herzfrequenz) gut ins Ziel komme, oder ob ich ein wenig „bremsen“ sollte oder eben auch noch Gas geben kann.

    Viel Spaß und vor allem viel Erfolg und nen maximalen Wirkungsgrad auf Deinen zukünftigen Läufen mit den neuen Daten!!!

    Markus

    • Autor
      Henrik 5 Jahren vor

      Danke, Markus, ich hatte bisher null Ahnung, wo denn die ind. anaerobe Schwelle liegt, deswegen war das eine aufschlussreiche Diagnostik.

  4. Andreas 5 Jahren vor

    Schöner Bericht über eine wichtige Sache für (leistungsorientierte) Läufer! Meine Leistungsdiagnostik ist nun auch schon etwas länger her. Für den Mai ist aber schon eine geplant, die mir Anhaltspunkte für das Herbstmarathon-Training geben soll.

  5. Marek 5 Jahren vor

    Da können wir ja unsere Ergebnisse mal gegeneinanderhalten. Aber vor 4,5 Jahren war ich garantiert noch nicht so fit wie du jetzt 🙂 Sehr spannend das Ganze und hoffentlich auch aufschlußreich für dein Training. Denn das willst du ja optimal abstimmen mit so einer Maßnahme. Ich kann mich erinnern, dass ich damals alle Intervalle durchgelaufen bin. Maximalpuls 208 und dann kam auch der Doc irgendwann rein und machte sich Sorgen, warum denn mein Puls so langsam wieder runtergeht 😉 Vielleicht mache ich das ja auch nochmal, interessiert mich schon. Aber dann erst wieder, wenn ich wieder laufe und halbwegs fit bin.

  6. chiefballa 5 Jahren vor

    Interessanter Bericht… Bin gespannt was sich aus dem ausführlichen Befund noch ergibt. Weisst Du denn, was der Spass gekostet hätte, wenn man selber zahlt? Eigentlich hatte ich sowas letztes Jahr vor meinem Sub-4 Marathon mal vor, aber war dann irgendwie zu faul und geizig. Mal sehen ob’s mal wieder ein Laufziel gibt, für das sich das lohnt. Die Sub-3 im Oktober oder so 😉

    • Autor
      Henrik 5 Jahren vor

      Ja Chief, beim Bestzeitmarathon ist die sub3 doch realistisch. Zum Preis der Untersuchung sage ich was, sobald ich die Rechnung habe.

  7. Autor
    Henrik 5 Jahren vor

    Habe die Laktatkurve und die Auswertung in Zahlen heute ergänzt.

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