Zu zweit läuft's besser.

Im Test: Omegawave

Im Test: Omegawave
26. Juni 2013 Marek

Omegawave

2013 – das Jahr der Tests. Zugegeben – so richtig kommen wir nicht mehr hinterher. Die Pipeline ist voll, aber die Zeit läßt eben nur sehr begrenzt Ausflüge in die manchmal mehr, manchmal auch weniger sinnvolle Technik zu, welche uns den sportlichen Alltag erleichtern soll. Heute wollen wir uns einmal anschauen, ob ein Produkt namens Omegawave diesen Anspruch erfüllen kann. Als wir im April gefragt wurden, ob wir für einen Test zu haben wären, ging gedenk unserer nicht in Übermaß vorhandenen Zeit meine Überlegung in eine Richtung: wieviel Aufwand macht denn das Ganze? Nun, in dieser Hinsicht ist Omegawave aus Finnland fast unschlagbar. Aber der Reihe nach. Zunächst nur für Profi-Sportler entwickelt, kann nun auch jeder Freizeit-Athlet den (abo-basierten kostenpflichtigen) Service nutzen.

„Omegawave bietet einen mobilen Service an, der aus einem EKG-Sensorgurt und der dazugehörigen App besteht. In zwei Minuten macht Omegawave einen kompletten Konditions-Check – der Sportler braucht sich dafür nur hinzulegen. Der Sensorgurt zeichnet dann die EKG-Daten auf und die App zeigt auf dem Smartphone oder Tablet den aktuellen Zustand der Herzleistung, des Stresslevels und der Leistungsreserven. An diesen Daten kann man zum Beispiel ablesen, ob sich der Körper von der letzten sportlichen Anstrengung schon vollständig erholt hat.“ Zusätzlich gibt es Empfehlungen für die Trainings- und Erholungsintensitäten.

fatigue

Das Paket besteht also aus einem normalen Pulsgurt mit Sensor, einer App für das Smartphone (iOS oder Android) und einem USB-Dongle zum Aufladen des Akkus. Kommuniziert wird mit dem Telefon über Bluetooth. Alles zusammen kann man auch in einem Paket-Preis erwerben (aktuell 99,-/60d). Die Einrichtung ist unspektakulär und einfach: einmal registriert und die App installiert, kann es auch zones schon losgehen mit der ersten Messung. Diese dauert ca. 2min, in der man sich möglichst entspannt hinlegen sollte. Nach einer anschließenden kurzen Berechnung bekommt man die Ergebnisse präsentiert. Zunächst gibt es einen allumfassenden Status, der alle Resultate auf einen simplen Fakt zusammendampft: „Excellent“, „Very Good“, „Fair“, „Insufficient“ gibt es da bspw. zu lesen. Weitere Details kann man dann den einzelnen Bereichen entnehmen. „Fatigue“ besagt den aktuellen Regenerationszustand. Die angezeigte Schulnote 1 scheint auch das Optimum zu sein, was man hier herausholen kann. Anhand der Herzfrequenz gibt es dann auch eine Empfehlung, in welchen Pulsbereichen aerobe und anaerobe Belastungen sinnvoll erscheinen. 179-188 klingt für ein ordentliche anaerobes Training bei mir durchaus realistisch. Alle Messungen sind auch in einem kleinen Graphen historisch nachweisbar. Hier sind allerdings keinerlei Konfigurationen (Skala, Zeitspanne) möglich. Die getestete Android-App ist da sicher noch ausbaufähig.
coach

So richtig wissen wir beide nicht, was wir von dem Produkt halten sollen. Einig sind wir uns darin, dass es für unsere Trainingssteuerung keinen wirklichen Mehrwert bietet. Ich z.B. kann mir nur schwer vorstellen, welche komplexen mathematischen Berechnungen durchgeführt werden, wenn einzig und allein die gemessene Herzfrequenz als Grundlage zur Verfügung steht. Die Interpretationen der App aus den Daten sind jetzt sicher nicht falsch – im Gegenteil – sie sehen wirklich realistisch aus. Nur die Frage bleibt: braucht man dazu solch ein Produkt oder kann man sich die Frage „Ist mein Körper bereit für ein leichtes/intensives Training oder brauche ich Regeneration?“ nicht nach 5s selbst beantworten, ohne teures Technikspielzeug? Ich behaupte ja.

Das Produkt wurde uns kostenfrei von der Agentur Edelman zur Verfügung gestellt. Der Artikel spiegelt einzig unsere Meinung wieder, es wurde keinerlei Einfluss auf den Bericht genommen.

13 Kommentare

  1. Lars 4 Jahren vor

    Polar macht etwas ähnliches doch schon seit Jahren, heißt oder hieß dort OwnIndex. Neben der Herzfrequenz selbst wird dort auch die HF-Variabilität gemessen, aus der sich dann wohl noch mehr Rückschlüsse ziehen lassen. Bei den Polar-Tests hatte die dort ermittelte HFmax bei mir aber immer recht wenig mit der Realität zu tun.

    Als Zusatzfunktion in einer Pulsuhr vielleicht eine nette Spielerei, aber als eigenständiges Gerät wohl herausgeschmissenes Geld.

    • Autor
      Marek 4 Jahren vor

      Hast recht Lars, bei Polar gibts das auch. Vielleicht nicht ganz so advanced aufgezogen, aber die Grundlage der Berechnung – der Ruhepuls – bleibt diegleiche. Bei Omegawave gibts eben eine schöne App mit Bluetooth dazu. Weiß nicht, wie Polar das macht.

    • CBM 4 Jahren vor

      Hallo Lars,

      gebe Dir recht – Polar macht hervorragende Pulsmessgeräte, aber die OwnIndex Messungen sind nicht ausgereift.

      Ein paar Unterschiede zwischen Polar OwnIndex und Omegawave:
      1. Polar macht das seit ein paar Jahren. Omegawave macht das seit fast 15 Jahren, ich glaube damit deutlich länger. Wenngleich es die App erst jetzt gibt.
      2. Polar misst und überträgt an die Uhr reine Pulsinformationen (einzelne Beeps) und analysiert diese. Omegawave misst und übertragt an das Smartphone die volle EKG-Kurve und analysiert diese.
      3. Polar gibt Empfehlungen auf Basis von HRV (Herzratenvariabilität bzw. HF-Variabilität). Omegawave gibt Empfehlungen auf Basis von HRV plus weiterer, ergänzender Methoden. HRV alleine ist nach Ansicht von Omegawave nicht ausreichend um verlässliche Empfehlungen zu geben. Siehe http://www.omegawave.com/frequently-asked-questions
      4. Polar hat meines Wissens keine große Referenzdatenbank, was derartige Messungen betrifft. Die Referenzdatenbank von Omegawave ist wohl ziemlich einzigartig.
      5. Die meisten Profis greifen in dem speziellen Bereich – wenn sie was nutzen – auf Omegawave zurück.

      Insofern kann man Polar’s OwnIndex (Spielerei, wie Du sagst) wohl nur beschränkt mit Omegawave vergleichen. Der Auffassung scheint zumindest Tricia Sterland (ex-Polar), siehe http://www.omegawave.com/people

      • marco 3 Jahren vor

        Hi CBM,

        kannst Du mir Dein 3. Argument näher erklären, werde aus Deiner Formulierung nicht so ganz schlau ?!
        HR = Beat to Beat (R-R)
        HRV = was passiert innerhalbt des PQRS verlaufs.. soweit klar

        danke vorab
        lg
        Marco

        • CBM 3 Jahren vor

          Hi Marco,

          ich meine damit, dass nach Auffassung von Omegawave HRV Werte ein zentraler Indikator für Trainings- und Leistungsbereitschaft ist, jedoch nicht für sich alleine ausreichend, siehe z.B. auch Blog-Post https://blog.omegawave.com/helping-the-best-to-get-better/

          HRV Werte kann man meines Wissens durchaus aus HR (R-R Daten) ableiten, sofern akkurat, die volle EKG-Kurve (PQRS Verlauf) ist dazu nicht notwendig.

          LG

  2. Eddy001 4 Jahren vor

    Danke für diesen Bericht! Ich denke, auch für mich kommt so etwas nicht in Frage. Offen geblieben ist, was dieser Service im Abo nun kostet – und dafür monatlich bietet?

    • Autor
      Marek 4 Jahren vor

      Habe etwas von 9,90,-/Monat auf der Homepage gelesen. Der Gurt kostet aber auch einen initialen Obulus. Die App ist soweit frei erhältlich, aber ohne Registrierung nutzt die dir nix. D.h. für das Abo kannst du dann die App frei benutzen – nicht mehr und nicht weniger!?

    • Henrik 4 Jahren vor

      Es ist ein Abonnement-Modell („Subscription“) für 9,90 EUR monatlich. Das Startpaket mit dem Gurt und zwei Inklusivmonaten kostet 99,00 EUR. Siehe https://shop.omegawave.com/available-configurations

  3. Laufhannes 4 Jahren vor

    Vor allem wundert mich, dass das Gerät ursprünglich für Profisportler entwickelt wurde? Welchen Mehrwert haben die denn davon? Gerade Profisportler sitzen doch nicht allein zu Hause und überlegen auf die Schnelle: Bin ich schon wieder fit genug um morgen ein Intervalltraining zu machen?

  4. CBM 4 Jahren vor

    Im Gegensatz zu Polar, Suunto, Garmin etc. misst und überträgt der Omegawave-Gurt die gesamte EKG-Kurve (500 Datenpunkte pro Sekunde) an das Smartphone. Und eben diese gesamte EKG-Kurve wird analysiert um die Trainings- und Leistungsbereitschaft zu bewerten. Gurte von Polar, Suunto, Garmin etc. Gurte messen und übertragen lediglich das „Beep“ des Pulses (= 1 einziger Datenpunkt, sobald eine bestimmter Millivolt-Wert gemessen wird) an die Pulsuhr. Daraus sind weit weniger Schlussfolgerungen möglich, da nicht die gesamte EKG-Kurve analysiert werden kann, sondern lediglich der Puls bzw. HRV. Geworben wird mit „EKG-Qualität“ der PULS-Information, was aber nicht heißt, dass EKG übertragen wird!

    Neben voller EKG-Analyse wertet Omegawave – in einer neuen App – Gleichstrommessungen des Gehirns aus.

  5. Josef Fettes 3 Jahren vor

    Hallo
    ich habe seit ca 2 Monaten auch Omegawave in der Anwendung, und ich muss sagen ich bin mehr als enttäuscht. Die Messungen sind nicht viel mehr als Schätzerei, wenn sie dann mal funktioniert.
    Trotz Austausch des Brustgurtes und des Senders kommen keine vernünftige aussagekräftgie Messungen zustande.
    Omegawave wirbt zwar damit das ihr Brustgurt im Gegenteil zu den Gurten Ihrer Mitbewerber ein EKG aufzeichnet, dies stimmt aber leider so nicht.
    Österreichische Techniker haben herausgefunden das Omegawave genau wie Polar etc nur eine R-R Messung macht.
    Ich benutze auch Polar und kann sagen das diese Messergebnisse wie z. B. Ownzone wesentlich realistischer sind.

    Gruß Bellaria

    • marco 3 Jahren vor

      Hallo Bellaria,

      grundsätzlich hinterfrage ich gerne Techniken und Methoden, aber natürlich auch gegenbehauptungen, könntest Du mir sagen wo es diesen Nachweis aus Österreich geben soll, dass es entegegen Omegawave Literatur nur um R-R Messung handelt ?

      lg
      marco

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