Zu zweit läuft's besser.

Kudos!

Kudos!
20. März 2016 Henrik

48@2x

Ohne GPS-Uhr gehen wir nicht auf die Laufstrecke. Der Jogger mag das befremdlich finden, geht es ihr oder ihm lediglich darum, mal rauszukommen und ein paar Kilometer an der frischen Luft zu drehen. Für den ambitionierten Läufer dagegen sind die aufgezeichneten Daten wichtig. Sie helfen bei der Trainingssteuerung und -protokollierung. Und es ist so einfach. Training beenden, Haustür aufschließen und im Idealfall wird das Training direkt per Wifi in die Cloud geladen. Keine Minute später kann man sich die Strecke online anschauen, die Rundenzeiten des Intervalltrainings nachlesen und sich von der Gemeinschaft für die Leistung bewundern lassen. Nun gibt es eine nicht unwesentliche Herausforderung. Die Hersteller der GPS-Uhren kochen alle ihr eigenes Süppchen und haben alle ihre eigene Plattform, ihre eigene Cloud. Garmin lässt die Daten zu Garmin Connect, Suunto zu Movescount und Polar zu Polar Flow hochladen. Der „closed Shop“ mag für die Mehrheit der Nutzer völlig akzeptabel sein. Die Auswertungsmöglichkeiten und das „Socializing“ sind auf allen Plattformen weit gediehen.

Doch wehe, man wechselt seine Uhr.

Ein Wechsel der Plattform und die Mitnahme der historischen Trainingsdaten ist nicht vorgesehen. Alle Daten auf einen Schlag runterladen und auf einer anderen Plattform importieren? Wovon träumt der wechselwillige Sportler nachts? Die Hersteller versuchen, die Daten zu behalten und den Nutzer so weiter an die Hardware zu binden. Dabei hat der für den Wechsel gute Gründe. Als ich 2014 von der Garmin Forerunner auf eine Suunto Ambit-Uhr umgestiegen bin, habe ich diesen Zustand so hingenommen. Denn es gibt mehrere Möglichkeiten, die Daten auf Hersteller-unabhängigen Plattformen vorzuhalten. Zu den Cloud-Lösungen zählen Runalyze und Strava. Beide haben Marek und mich hinsichtlich Funktionalität und Handling überzeugt. Warum sind wir nun final bei Strava gelandet?

Strava-Import

  • Strava ist nicht an einen Hersteller gebunden, sondern importiert vollautomatisch die Daten der meisten Hersteller. Dazu muss die jeweilige App nur einmalig auf Strava authorisiert werden. Jedes neue Training wird fortan automatisch in die Strava-Cloud hochgeladen.
  • Die Community ist stark gewachsen in den letzten Jahren. Bekannte Sportler „abonniert“ man innerhalb von Sekunden und kann ihre Trainings verfolgen. Obacht: es kann ganz schön frustrierend sein, den Feed auf der Couch durchzublättern. Man hat den Eindruck, dass der gesamte Freundeskreis mit Training beschäftigt ist!
  • Die „Segment“-Funktion ist ziemlich smart. Klar gibt es das auch auf anderen Plattformen. Aber so lässig und ausgefeilt wie auf Strava habe ich das noch nicht gesehen. Strava erkennt das Ablaufen von definierten Segmenten automatisch und vergleicht alle deine Zeiten auf diesem Segment. Du warst so schnell wie nie? Dann gibt es eine „PR“-Medaille. Du warst wie schnell wie noch nie ein anderer auf diesem Segment? Herzlichen Glückwunsch zum CR (Course Record)!
  • Die Smartphone-App ist die beste, die ich bisher für diesen Einsatzzweck gesehen habe. Ich kann das Training sofort bezeichnen, den Schuh eintragen, ein Bild hochladen und die Daten anschauen. Genau so muss es gehen, unkompliziert und schnell. Wenn jemand mein Training kommentiert oder „Kudos“ (das „Like“ bei Strava) gibt, erhalte ich sofort eine Benachrichtigung.
  • Profi-Athleten (vor allem Radfahrer) agieren schon lange auf Strava und veröffentlichen dort ihre Trainings. Spanned zu sehen, wie genau z.B. Florian Neuschwander trainiert?

Strava kommt ursprünglich vom Radfahren. Inzwischen stehen die Funktionen für die Läufer aber denen für die Radler in nichts nach. Auch Schwimmeinheiten kann man mit Strava tracken. Daniel hat bereits ein Loblied auf Strava gesungen. Die Daten lagert Strava in der Cloud und damit ist man natürlich im Gegensatz zu Runalyze nicht ganz eigener Herr der Daten. Runalyze erfordert allerdings eine eigene Installation auf dem Webserver. Die Auswertungsmöglichkeiten sind großartig. Wer also auf die Herrschaft über seine Trainingsprotokolle besonderen Wert legt, wird hier fündig. Im Gegensatz zu den Premium-Funktionen auf Strava ist Runalyze nämlich kostenlos und nicht proprietär.

Wer sich für den Wechsel zu Strava oder die ergänzende Nutzung von Strava entschieden hat, kann einige Export-/Import-Möglichkeiten probieren, die findige Entwickler gestrickt haben:

  • Die „activities web application“ exportiert alle Garmin-Training in einem Rutsch.
  • copymysports“ lädt in einem Batch-Job Garmin- oder Runkeeper-Trainings eines selbst definierten Zeitraums direkt zu Strava hoch.
  • Der manuelle Import von Trainingsdateien ist auch möglich: bis zu 25 Trainings z.B. im GPX-Format kann Strava auf einen Schlag importieren.

Kudos!

18 Kommentare

  1. Marek 1 Jahr vor

    Strava fetzt. Gerade die Segmente machen einen besonderen Reiz aus. Es ist zudem wirklich einfach und unkompliziert nutzbar, die gute Smartphone-App hast du ja bereits erwähnt. Da gibts kaum was zu meckern. Einige Statistiken fehlen mir bei Strava aber noch – z.B. die durchschnittliche Pace der Woche. Das hat Runalyze schon längst und wird hoffentlich bald nachgeliefert. Der Fairness halber ist noch hinzuzufügen, dass Runalyze auch ohne eigene Installation nutzbar ist (mit einem eigenen Konto auf runalyze.de). Beides sind tolle Tools, die die Trainingsauswertung ungemein erleichtern.

    • Autor
      Henrik 1 Jahr vor

      Korrekt. Wenn ich aber das Portal auf runalyze.de und nicht meinen eigenen Webserver nutze, dann ist das Argument, ich sei Herr über meine Daten, nicht mehr so ganz zutreffend.

      Und richtig, ich habe unterschlagen, dass die Statistiken und Zahlenspielchen bei Runalyze wesentlich weiter sind. Muss an den Entwicklern liegen und diesem Jack Daniels ;).

      • Marek 1 Jahr vor

        Wahrscheinlich zuviel von dem besagten Jack Daniels 🙂

        • Laufhannes 1 Jahr vor

          Vielleicht hatte der Jack Daniels selbst zu viel von besagtem Jack Daniel’s – das weiß ich nicht. Ich kann aber – zumindest für einen Teil der Entwickler – hoch und heilig versprechen, dass die Plörre keinen Einfluss hatte 😉

  2. Daniel 1 Jahr vor

    Hi, Danke für den Link auf mein „Loblied“
    Ich bin auch begeisterter Nutzer beider Portale. Ehrlich gesagt müsste ich 1% meiner Trainingszeit wahrsch. nochmals für die passenden Social Media Aktivitäten dazugeben. Neben GarminConnect ist immerhin Strava und Runalyze zu pflegen. Tatsächlich mache ich das auch – wobei in letzter Zeit der Fokus ganz klar auf Strava liegt, denn dort schiebt Garmin die Daten ganz automatisch hin.

    Ansonsten bin ich gespannt was noch kommt. Für Radcomputer kann man bspw. schon bestimmte Segmente anzeigen lassen, das wäre fürs Laufen sicher auch möglich. Wobei es … sind wir ganz ehrlich … zu absolut bekloppten Aktionen kommt, wenn man ständig gegen seine PB (oder noch schlimmer… den schnellsten) antritt. Dann lieber vorher gucken und hinterher freuen (oder auch nicht).

    VG
    Daniel

    • Autor
      Henrik 1 Jahr vor

      Hehe, in der Tat, diese Segment-Funktion führt zu aberwitzigen Aktionen. Ich erwische mich dabei, die Segmente in der Umgebung zu begutachten und zu notieren. Wo könnte denn noch ein CR drin sein? Falls die Profis die Zeiten in unerreichbare Höhen geschraubt haben, dann erstellt man halt schnell ein neues Segment.

      Runalyze bietet mehr für die Statistik-Freaks, hat aber den gravierenden Nachteil, dass das Training dort manuell hochgeladen werden muss. Der Automatismus bei Strava ist da natürlich sehr viel charmanter und zeitsparender.

      Ich bin auch gespannt, was Strava noch nachlegen wird.

  3. Sven 1 Jahr vor

    Ich benutze zum synchronisieren meiner Garmin-Daten mit verschiedensten Plattformen https://tapiriik.com/ . Bietet den Datenaustausch mit einer Menge Plattformen an. Bin ich durch VeloHero drauf gestossen.

    • Autor
      Henrik 1 Jahr vor

      Hallo Sven, von Taipiriik habe ich schon gehört, es aber noch nicht ausprobiert. Das werde ich nach deinem Tipp schleunigst nachholen.

  4. Markus 1 Jahr vor

    Auch von mir Kudos! Denn ich bin ebenso begeisterter Strava-Nutzer!

    Einziger Kritikpunkt: Wer immer zur gleichen Zeit trainiert, macht sich durchschaubar. Teilweise ist das ja gewollt, wenn man so nicht alleine laufen muss, teilweise aber auch nicht: Stalker und Einbrecher. Da gab es auch schon einen Blog von Strava selbst.

    • Autor
      Henrik 1 Jahr vor

      Hallo Markus, unter dem Gesichtspunkt habe ich das Veröffentlichen der Daten noch nicht betrachtet. Allerdings bietet Strava ja auch die Möglichkeit, den exakten Start- und Zielpunkt des Trainings, sprich die Heimatadresse oder Büroadresse, zu verschleiern.

  5. Steve 1 Jahr vor

    If it’s not on strava it doen’t happen!

    Ich mag diese Plattform sehr und will nichts anderes mehr haben. Kombiniert mit movescount wo es ein paar mehr grafische Auswertungen gibt, für mich die erste Wahl.

    Gerade die Segmente und die Bestenliste animieren einen förmlich dazu mal so richtig Gas zu geben und die gesetzten wöchentlichen Ziele sorgen auch mal für ein schlechtes Gewissen. 😉

    • Autor
      Henrik 1 Jahr vor

      Wenn sogar Herr Trailrunner sein Kudos gibt… bin ganz bei dir, Strava motiviert zur Attacke. Wobei du ja alle CRs auf deinen Hometrails innehaben müsstest. Run on!

  6. Michael 1 Jahr vor

    Um auch Polar-User zu erlösen: zum Einen werden natürlich aktuelle Einheiten automatisch synchronisiert, zum Anderen kann man aber auch historische Daten einfach und unproblematisch importieren. Dafür gibt es, wie heute üblich eine App. Genauer eine Web-App unter http://www.flow2strava.com/ und die funktioniert auch sehr gut…

    Allgemein kann ich mich Eurer Einschätzung zu STRAVA anschließen. Das einzige was mir fehlt ist, dass ich die Trainingsarten nicht nach meinem Gusto benennen kann. Gibt nur Training, Wettkampf und Langer Lauf… zumindest bei mir…

    • Autor
      Henrik 1 Jahr vor

      Michael, das Feature ist in der Tat hilfreich, wenn man sich vor dem Marathonwettkampf der Anzahl der Longruns vergewissern möchte. Ich hoffe, dass Strava diese Funktion noch einbaut. Ist also nicht nur bei dir so ;). Und schön, dass auch die Polar-Nutzer versorgt sind!

      • Michael 1 Jahr vor

        Naja Long Runs sind ja auswählbar… Aber andere Arten, wie Intervalle, o.ä. Fehlen leider…

    • Fairerweise muss man sagen, dass das nur für die etwas neueren Uhren gilt, die Polar Flow unterstützen. Die alten Modelle, die noch den Web Sync ohne „Flow“ mit dem polarpersonaltrainer benutzen, werden nicht automatisch synchronisiert. Auch wenn man den Track von polarpersonaltrainer nach Polar Flow geschoben hat, erfolgt kein automatischer Upload zu Strava. Und flow2strava fand ich vom User Interface für viele Aktivitäten unbrauchbar. Ich habe dann meine einfach per mass upload in Strava per Hand hochgeladen. Das ging wesentlich einfacher.

      • Michael 1 Jahr vor

        Stimmt wohl @neuere Uhren
        Ich habe darüber mehrere Hundert Aktivitäten übertragen und empfand es als komfortabel. Aber da findet jeder seinen eigenen Weg…. Wichtig ist glaube ich nur, dass es einen Weg gibt…

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