Zu zweit läuft's besser.

DNF im Schlaubetal

DNF im Schlaubetal
16. Oktober 2016 Marek

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Erwartungsgemäß ist es nach unserem TAR-Finish etwas ruhiger geworden. Jeder brauchte etwas Zeit, um sich sowohl körperlich aber auch mental von dieser Woche zu erholen und vor allem wieder im Alltag anzukommen. Das ist nicht ganz einfach zu bewältigen, wirken doch die Erlebnisse dieses Events noch lange nach. Die Laufumfänge wurden entsprechend reduziert, um dem Körper die nötige Ruhe und Zeit zur Regeneration zu geben. 250km in 7 aufeinanderfolgenden Tagen, das war eine für uns noch nie dagewesene Erfahrung. Wie lange braucht man überhaupt, bis wieder ein normales Laufen möglich ist? Die ersten „schnelleren“ Schritte waren etwas ungewohnt, wenn man bedenkt, dass wir beim TAR eine Durchschnittspace von über 10min/km „gelaufen“ sind. Aber die Umgewöhnung ist dann doch relativ problemlos erfolgt.

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Klar war auch, dass keine wichtigen Wettkämpfe in diesem Jahr mehr vor der Tür stehen. Allenfalls hatten wir wenige „wenn es denn passt“-Läufe auf dem Radar. Nachdem Henrik sich vor 3 Wochen bei einer Königssee-Umrundung etwas heftiger auf die Nase gelegt hatte, ging es für ihn erstmal gar nicht weiter. Das Knie konnte den Abflug nicht so gut kompensieren und so war die Zwangspause ungewollt da. Bei mir lief es dagegen recht ordentlich und ich entschied mich Anfang Oktober, das Jahr mit einem Marathon zu beschließen. Die Form war durchaus noch da, das merkt man im Training schnell. Auswahl gibt es ja genug im Oktober, so dass ich mich für einen schönen Landschaftslauf in der Nähe – den Schlaubetal-Marathon – entschieden hatte. Dresden oder Magdeburg waren mir zuviel „Stadt“. Und mein Kalkül war, dass es mit einer etwas anspruchsvolleren Strecke nach dem TAR auch keine Schwierigkeiten geben sollte.

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So stand ich dann gestern um 10 mit Robert am Start in Eisenhüttenstadt. Mit uns ca. 300 weitere Läufer, der 43km-Marathon hatte davon etwas über 100 Mitstreiter. Bekannte Gesichter verleihten dem Ganzen eine sehr lockere Atmosphäre. Unter der Woche musste ich einen Lauf abbrechen, weil mir die Außenseite des rechten Knies Probleme machte. Mit der Blackroll konnte ich den Schmerz dann aber gut wegrollen, so dass ich mir keine Sorgen machte, dass mich dieses Problem beim Marathon wieder ereilen würde. Nach gut 2km, die ich mit Uwe ordentlich schnell angelaufen war, wurde ich aber eines Besseren belehrt. Wie lange würde das gutgehen? Nach 4km stoppe ich kurz und versuche den Schmerz rauszudehnen.

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Das gelingt immerhin teilweise. Torsten läuft auf und versucht mich zu überzeugen, dass wir gemeinsame Sache machen sollen. Warum nicht? Er ist sehr erfahren, kennt immerhin „jeden Stein auf der Strecke“ und wir kommen gut ins Rollen. „Es wird am Ende richtig hart“ – das überzeugt mich dann, dass wir wirklich zusammenbleiben sollten (im Nachhinein hat er mir erzählt, dass er den Artikel vom Scharmützelsee von vor über 2 Jahren vorher gefunden hatte). Die Strecke ist wunderschön, wenn auch nicht einfach zu laufen. Nach 10km folgt ein ständiges Up and Down, dass die Kräfte ganz schön fordert. Ich fühle mich trotzdem gut und hoffe, dass ich den 2. Platz zu einem späteren Zeitpunkt sichern könnte, wenn der schwierigste Teil durch ist.

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Doch dazu kommt es nicht mehr. Die Schmerzen werden plötzlich wieder stärker und nach 20km bleibe ich kurz stehen, um wieder zu dehnen. Ein Loslaufen ist danach nicht mehr möglich. Ich kann das Knie kaum noch durchstrecken und daher nur schwer auftreten. Ich gehe erstmal weiter, aber auch die weiteren Laufversuche sind zum Scheitern verurteilt. Als dann eine Dreiergruppe um David vorbeizieht, ist es auch mit der Motivation vorbei. 20km ins Ziel gehen – schwierig. Zum Glück stehen am nächsten VP bei km23 die DRK-Jungs und ich mache meine Uhr aus. Es geht einfach nicht mehr. Mit drei Fahrzeug-Wechseln werde ich wieder zur Inselhalle nach Eisenhüttenstadt chauffiert. Kurze Zeit später läuft Uwe mit einer Zeit knapp unter 3h ein. Torsten folgt nach großem Kampf 10min später. Die Siegerehrung tut schon ein wenig weh, hatte ich doch vorher auf die Pokale geschielt. Robert zieht eisern durch und erreicht nach über 4h dann das Ziel. Ja, die Strecke ist hart, darin sind sich letztendlich alle einig.

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Die Enttäuschung hält sich aber in Grenzen, war der Lauf doch nur eine Zugabe auf ein großartiges Laufjahr. Klar ist es bitter, am Ende als einziger Teilnehmer den Marathon mit einem DNF zu beenden, aber wenn der Körper streikt, ist es doch leichter zu verkraften. Ich tippe einfach mal auf eine überlastete Sehne, die sich entzündet hat. Heute fällt vor allem das Treppensteigen schwer, aber ich sehe es relativ entspannt. Besser, dass sowas gestern passiert ist, als wenn vor 6 Wochen inmitten einer TAR-Etappe oder auf dem Mauerweg. So plaudere ich noch mit einigen bekannten Gesichtern (u.a. David und Tim und die Thierbach-Brüder, allesamt Run&Bike-Routiniers). David und Matthias sind auch den Marathon gelaufen. Dafür gab es andere großartige Erfolge zu verzeichnen: Daniela ist ihren ersten Halbmarathon gelaufen. Da freut man sich dann selbstverständlich mit! Und auch ein Läufer, der regelmäßig hier mitliest, hat mich auf unser kleines Laufblog angesprochen. Das hat den Tag bei meinem verkorksten Schlaubetal-Marathon dann noch etwas gerettet. Den Pokal hole ich mir dann aber 2017.

15 Kommentare

  1. Henrik 9 Monaten vor

    Schade ist das. Aber das wirkt schon sehr abgeklärt, wenn man bedenkt, dass du erst einziges Mal bisher aus einem Rennen ausgestiegen bist. Das Schlaubetal muss ich mir dann vormerken für das nächste Jahr. Die Trails des Ostens… Kopf hoch, Krone richten, Knie pflegen. Und dann Attacke in den Tropen?

    • Autor
      Marek 9 Monaten vor

      Fühlt sich schon komisch an, wenn man stehenbleibt und dann die Uhr nach der Hälfte ausmachen muss. Andere würden sagen, das war alternativlos. Von daher bricht für mich jetzt keine Welt zusammen, zumal ich ja professionell wieder zum Start gebracht wurde. Da muss ich die tolle Organisation wirklich nochmal hervorheben! Und ja: Attacke in den Tropen, wir schaffen das.

  2. Mathias 9 Monaten vor

    Danke Marek für die schönen Eindrücke aus dem Schlaubetal. Obwohl nicht weit von uns, ist der Lauf irgendwie aus dem eigenen Fokus gerückt. Für nächstes Jahr vorgemerkt!

    Übrigens: Wir hatten vor kurzem etwas über „DNF als Chance“ geschrieben:
    https://mygoal.de/dnf-aufgeben-ist-mehr-chance-als-schmach/ Manchmal geht es einfach nicht und dann ist Aufgeben schlauer als sich die nächsten Läuferjahre zu versauen, weil eine größere Verletzung droht. Erhol dich gut und genieß die Rückschau auf eine tolle Saison!

    • Autor
      Marek 9 Monaten vor

      Danke Mathias, deinen Worten muss ich nicht mehr viel hinzufügen. Der Lauf ist wirklich wunderschön (gut, ich habe jetzt nur die 1. Hälfte zu sehen bekommen…). Und das mit dem DNF verbuche ich einfach mal als Erfahrung. Sicher ist sowas immer unschön, aber du hast völlig recht: lieber aufhören und sich nicht richtig abschießen. Davon hat ja keiner etwas.

  3. Robert 9 Monaten vor

    Hi Marek, ein toller, sachlicher Bericht. Das ist ja etwas schade, dass Dein Lauf nicht wunschgemäß bis zum Ziel ausgeführt wurde. Aber ich denke, Du hast selbst eine richtige Entscheidung getroffen, auf Dein Körper gehört und rechtzeitig vor Verschlimmerung beendet zu haben. Ich kenne Dich aus diesen Blogs, Du wirst immer wieder neu aufstehen und bin felsenfest überzeugt, dass Du im nächsten Jahr dort den Pokal abholen wirst. Ein gutes Beispiel mit dem Spreewaldmarathon hast Du nach mehrmaligen Versuchen doch komplett erreicht. Danke für die schöne Zeit mit Dir am Samstag. Gute Besserung und bis zum nächsten Mal! Robert :o)

    • Autor
      Marek 9 Monaten vor

      Danke Robert, war trotzdem ein schöner Samstag! Du hast verdammt recht: diese Rechnung werde ich noch begleichen. Mit Marathons reicht es jetzt erstmal dieses Jahr! Wir sehen uns ja sicher nochmal für die Runde ums Eck! Glückwunsch an dich zum souveränen Finish UND DIE GANZEN BILDER (die waren ja alle von dir!).

      • Robert 9 Monaten vor

        Danke Marek, das war doch selbstverständlich mit den Bildern und ich lese auch gern Euer Blog. So sachlich und aussagekräftig. Diesmal verfolge ich immer regelmäßig und werde selbst mal nachdenken, ob ich auch eines Tages mein Laufblog veröffentliche…? Lasse mich überraschen!

  4. Daniela 9 Monaten vor

    Hallo Marek!
    Das tut mir sehr leid, dass der Lauf für dich so geendet hatte. :-/ Aber du hast eine vernünftige Entscheidung getroffen, den Lauf dann abzubrechen. Ich hoffe, dass es dir wieder besser geht. Nun ist mir auch klar, warum ich dich hinterher nicht mehr gesehen hatte.
    Vielen Dank übrigens für die liebe Erwähnung hier. 🙂 Ich bin noch immer überwältigt vom Lauf.
    LG aus Hütte Dani

    • Autor
      Marek 9 Monaten vor

      Danke Daniela, das war DEIN Tag, nicht meiner 🙂 ich freue mich ja trotzdem gerne, wenn jemand persönliche Höchstleistungen vollbringt – das beeindruckt mich meistens mehr als die wirklich schnellen Läufer. Ganz fette Gratulation zu deinem Halbmarathon!

  5. Olaf 9 Monaten vor

    Hallo ihr Beiden,

    tolle Seite, die wieder richtig Lust aufs Laufen macht 🙂 Ich bin vor geraumer Zeit auf Inliner umgestiegen, um etwas Abwechslung in meinen Trainingsalltag zu bringen und habe darüber das klassische Running etwas vernachlässigt 😉

    Herzliche Grüße

    Olaf

    • Autor
      Marek 9 Monaten vor

      Olaf, danke fürs Lob! Nun aber wieder ab in die Laufschuhe :-)!

  6. Din 9 Monaten vor

    Schade, dass der Lauf so enden musste. Aber dennoch gut zu lesen, dass du das so abhaken kannst. Eure Saison war wirklich absolute Spitze. Weiterhin gute Besserung. Für die neue Saison hast du ja nun auch schon direkt ein Ziel. Ich bin gespannt, welche noch hinzukommen.

    • Autor
      Marek 9 Monaten vor

      So ist es Nadin. Die Rechnung muss ich nun im Oktober begleichen. Ist ja noch ein wenig hin. Weitere Ziele werden bei mir nicht mehr großartig hinzukommen. Ich lasse es definitiv ruhiger angehen, da ich ab Januar die Prioritäten etwas anders setze. Einzig den Rennsteig würde ich schon sehr gerne noch einmal machen. Wenn es nicht klappt, ist das aber kein Beinbruch. Bei Henrik sieht die Lage etwas anders aus: er wird im Februar den TGC 125k laufen und muss daher den Winter ordentlich ackern.

  7. Andreas 9 Monaten vor

    Marek, es gibt immer solche und solche Tage… dieser Tag sollte es einfach nicht sein, und nach all dem was du/ihr dieses Jahr schon geleistet hast/habt, darf man bei solch einem Lauf auch erhobenen Hauptes mit einem DNF enden. Nächstes Jahr holst du dir den Pokal!

    • Autor
      Marek 9 Monaten vor

      So ist es Andreas. Ich freue mich dann schon, wenn ich 2017 die ganze Strecke genießen kann!

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