Zu zweit läuft's besser.

Erfrierungserscheinungen

Erfrierungserscheinungen
7. Dezember 2012 Henrik

Bild: uschi dreiucker  / pixelio.deMitte des Monats soll er nochmal steigen: der fast legendäre Lauf von Starnberg Nord zum Münchner Olympiaeinkaufszentrum via Gauting, Pasing und Nymphenburg (es gibt schon ZWEI Tweets mit Twitterhashtag: #starnberg30, nicht verwechseln mit #rodgau50). Das sind ziemlich genau 30 Km entlang der Würm mit einem kleinen Cross-Anteil. Um nicht in Gauting in die S-Bahn flüchten zu müssen und endlich wieder meinen Trinkrucksack ausführen zu können, muss ich also wieder ins Training. Das Knie zickt zwar noch, aber ist wieder ausreichend schmerzfrei beweglich. Blöderweise hat der Winter eingesetzt. Bei der gestrigen Laufrunde der Westparkcombo durch den eisigen Park mit den beinharten Lars-Peter, Patrick und Timekiller Heimo war es nach 10 Minuten wieder so weit. Das Ganze läuft immer in drei Phasen ab: die Finger fühlen sich erstmal kälter an als jede andere Körperpartie. Das Blut entweicht langsam aber sicher und ein Taubheitsgefühl setzt ein. In der letzten Stufe spürt man nicht mehr viel von den Fingern. Die Bewegung fällt schwer. Jeder Versuch, das Problem durch Reibung, Bewegung, Ärmelausschütteln oder Warmluftzufuhr durch Pusten zu verhindern, funktioniert nicht. Nach mehr als 90 Minuten war ich zurück in der warmen Stube – was dann passiert, weiß jeder Betroffene. In die ausgeblichenen, steifen, fast bläulich angelaufenen Finger strömt das Blut zurück und verursacht heftige Schmerzen. Das Problem haben durchaus viele Läufer, das ist in diversen Foren nachzulesen, z.B. bei der RUNNERS’S WORLD. Medizinisch sind die Symptome unter dem Raynaud-Syndrom bekannt. Damit scheint wohl eine Durchblutungsstörung einherzugehen. Marek hat das Problem (Überraschung) ebenso, aber offensichtlich nicht ganz so heftig wie ich. Nur was kann man tun, wenn drei Paar übereinandergezogene Laufhandschuhe nicht helfen? Gutgemeinte Tipps im Sinne von „Wozu braucht man Handschuhe im Winter?“ helfen nicht wirklich weiter, auch wenn alle Handschuh-freien Läufer mit ihrer eingebauten Fingerheizung meinen Neid haben. So habe ich gelesen, dass Fäustlinge besser sind, weil sich dann die Finger gegenseitig wärmen können. Auch windsichere Handschuhe mit Windstopper-Membran werden genannt. Die ganz Verzweifelten sollten sogar Skihandschuhe anziehen. Und dann soll es Leute geben, die sich ein Wärmepad in den Handschuh legen. Schließlich der Tipp der Tipps: einfach nicht laufen bei den Außentemperaturen. Aber das geht bekanntlich mit Blick auf #starnberg30 nicht.

11 Kommentare

  1. Philipp Frik 5 Jahren vor

    Hi,

    also ich laufe wenn es richtig Klat wird mit meinen Gore Radl Handschuhen, die haben dafür gesorgt das ich letztes Jahr bei -12 Grad an den Händen geschwitzt hab, ich kann die Dinger gerne am Dienstag mal einpacken.

    Grüße

    Philipp

  2. Bei mir hat es auch nicht geholfen, zwei Paar Handschuhe anzuziehen. Glaube da helfen nur die ganz dicken Dinger! Wieso Brennstoff du auch bei solchen Bedingungen 😉 ? Wird #starnberg30 jetzt der neue Top Hashtag bei Twitter?

  3. Laufhannes 5 Jahren vor

    1) Ich bin zwar ein medizinischer Laie, aber ich würde mal stark bezweifeln, dass kalte Finger beim Laufen gleich das Raynaud-Syndrom sind. Beim Laufen wird das Blut anderswo benötigt und kalte Finger sind eine logische Folge. Oder sehen deine Finger tatsächlich wie auf den Bildern aus?

    2) Eisenmangel hingegen ist bekannt dafür, zu einer Sauerstoffunterversorgung im Blut zu führen. Das wäre also ein „medizinischer“ Ansatzpunkt.

    3) Wie im Text schon angesprochen: Fäustlinge. Es hilft enorm, wenn die Finger sich gegenseitig wärmen und nicht die Wärme jedes einzelnen „hinaus“ geht. Auch zehn Handschuhe übereinander bringen überhaupt nichts.

    Und wenn man keine Fäustlinge hat: Dann zieht man die Finger eben aus den Laschen heraus und bildet eine Faust.

    Was bei mir derzeit am besten wirkt und mir gestern sogar bei -16°C einigermaßen warme Finger beschert hat (obwohl ich in den letzten Jahren auch durchaus mal mit tauben Fingern nach Hause kam): Handschuh normal anziehen, Faust bilden. Das Langarmshirt bis über die Faust ziehen und es somit als Fäustling nutzen. Und dadrüber die enge Laufjacke auch soweit wie möglich nach vorne ziehen. Darüberhinaus habe ich die Finger dann beim Laufen kaum bewegt. Also nicht ständig die Position der Finger wechseln oder ähnliches, da dann immer wieder die Kälte dazwischen kommt.

    • Autor
      Henrik 5 Jahren vor

      Hannes, so schlimm wie auf den Wikipedia-Bildern ist es nicht. Den Tipp mit den Fäustlingen probiere ich auf jeden Fall mal. Gestern hat es mit Fleece-Handschuhen auch schon sehr gut funktioniert.

  4. Andreas 5 Jahren vor

    Das Laufen ist im Winter die einzige Zeit, bei der meine Finger nicht frieren. Im Alltag geht es mir so wie dir, zu Anfang einer Lauftour auch, aber spätestens nach 3-4 km sind die Finger dann so warm, dass ich sogar häufig die Handschuhe ausziehe! Aber wie gesagt: Im Alltag frieren sie auch nach wenigen Minuten ein…

  5. Ralf 5 Jahren vor

    Also mir geht es ähnlich, wenn ich über einen bestimmten Punkt drüber bin, deshalb gilt es, diesen Punkt erst gar nicht zu erreichen. Also am Anfang Handschuhe auf (und ja da sind Windstopper-Fäustlinge gar nicht schlecht) und dann kommt (Zumindest bei mir) auch die Wärme. Dann Handschuhe aus und sobald es wieder ein Hauch von kühl wird, Handschuhe wieder an. Viel für warme Finger helfen mir auch Arme mit Daumenloch. Sobald der Handrücken warm ist, ist meist alles in Ordnung. Wenn die Finger aber mal kalt sind, dann geht da bei mir nichts mehr zurück – hab sogar schon mal die Tür mit dem Mund aufgeschlossen.

  6. David 5 Jahren vor

    Hi Henrik,

    Raynaud-Syndrom heißt das also. Genau der gleiche Effekt tritt bei mir auch auf – seit ich denken kann. Ich dachte bisher immer, dass ich einfach nur kalte Hände habe oder „einfach nur“ eine schwache Durchblutung. Sehr interessant, dass es sich hierbei um eine „offizielle“ Krankheit handelt.
    Vielen Dank für den Artikel!
    Das Problem „Kalte Hände“ habe ich meist sogar schon Anfang Herbst. Da helfen auch die dicksten Winterhandschuhe nicht (im Herbst schon). Fäustlinge habe ich noch nicht getestet, werde ich aber noch. Aufs Laufen im Winter verzichten will ich nicht. 😛

    Ganz liebe Grüße,

    David

    • Autor
      Henrik 5 Jahren vor

      Hi David, wie gesagt, ich denke nicht, dass es gleich das Raynaud-Syndrom sein muss. Fäustlinge unbedingt mal probieren. Mit Fleece-Handschuhen bin ich bisher auch gut klargekommen.

  7. David 5 Jahren vor

    Okay, muss ich mal ausprobieren. Meine „normalen“ Laufhandschuhe haben auf jeden Fall nicht warm gehalten, bzw. nicht gereicht, damit sich meine Hände selbst warm halten.
    Grüße,

    David

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