Zu zweit läuft's besser.

Hoch lebe das Lauftagebuch

Hoch lebe das Lauftagebuch
13. Januar 2012 Henrik

Zehn Treppen sind bewältigt und die Oberschenkel brennen. Wohnungstür aufschließen -wenn man den Schlüssel nicht verloren hat-, der Forerunner fängt an zu piepen. Das untrügliche Zeichen dafür, dass das jüngste Training auf den Rechner übertragen und zu Garmin hochgeladen wird. Nach dem Duschen wird die dank GPS aufgezeichnete Strecke auf dem großen Bildschirm angeschaut und der Verlauf der Herzfrequenz irgendwo zwischen Normalnull und kurz-vor-Herzstillstand bestaunt. Vorher aber noch dehnen, natürlich. Nicht zu vergessen: das Training wurde längst auf Twitter, Facebook und Google+ gepostet, damit auch jeder aus der umfangreichen Freundes- und Followerliste weiß, wie hart man für den Marathon trainiert. Bis auf den letzten Schritt funktioniert das alles heute schon. Zumindest, wenn man einen der höherwertigen Garmin Forerunner zum Trainieren einsetzt. Für Läufer mit Uhr von Polar oder die Laufcomputer-Hasser stellt sich die Situation ganz anders dar. Dokumentieren möchte jeder, der einen gewissen Anspruch an sein Training hat. Ich spreche von Läufern, nicht von Neujahrsjoggern. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig. Das handschriftliche Lauftagebuch führt heute wohl niemand mehr. Wozu auch, bieten die Gadgets und Communities heute genug Möglichkeiten, ohne einen Stift in die Hand nehmen zu müssen. Da wird hochgeladen, gerechnet, ausgewertet, dass einem schwindlig wird. Natürlich gibt es keine Lösung, die für jeden Typ Läufer passt. Zu unterschiedlich sind die Ansprüche an die Dokumentation. Wir haben bisher drei Portale genutzt und stellen die Möglichkeiten dieser hier kurz vor. Oder sagen wir Community?

Garmin Connect (Link)

    1,5 Mrd. Meilen hat die Garmin Connect Gemeinde bereits zurückgelegt. Das wird dem geneigten Nutzer gleich auf der Startseite mitgeteilt. Dieses Mitteilungsbedürfnis haben sie alle. Klingt toll, spielt aber keine Rolle, wenn man die Features dieses Portals beurteilen möchte. Die sind noch übersichtlich, aber das Potential ist groß. Die primäre Zielgruppe bildet sich ganz klar aus den Läufern, die einen Garmin Forerunner zum Laufen ausführen. Dieser verbindet sich mit spezieller Garmin Software auf dem Heimcomputer mit Garmin Connect und lädt dorthin die Läufe hoch. Dabei wird die Uhr ohne Kabelverbindung über die Funktechnologie ANT+ angesprochen. Je nach Ausstattung des Forerunners sind richtig fette Informationen zu Herzfrequenz, Strecke und Pace enthalten. Besonders die Visualisierung der Strecke auf der Karte ist gelungen. Im „Player“ kann man die Strecke nochmal animiert ablaufen lassen und den Verlauf von Pace und Herzfrequenz bewundern. Strecken können seit kurzem aus den Läufen exportiert und gespeichert, „Ziele“ definiert und ein individueller „Fitnessplan“ angelegt werden. Das alles ist noch rudimentär, zeigt aber gute Ansätze und lässt auf mehr hoffen. Eine Community gibt es zwar, aber Interaktion ist zwischen den Mitgliedern (noch) nicht vorgesehen. Es ist fraglich, ob Garmin die Wettbewerbsfunktion und das Freundschaftskonzept von den anderen kopieren sollte. Vielleicht in eine andere Richtung denken? Es gibt immerhin eine halboffene API, aus der wir auch die Laufstatistiken generieren. Jede Aktivität kann exportiert werden. Hier ist Garmin vorbildlich, auch wenn man auf einen eigenen Dokumentenstandard für Läufe setzt. Die Integration mit den Social Media kommt voran, ein automatisches Posting geht noch nicht. Leider ist die Entwicklung insgesamt sehr pomadig und produziert gelegentlich Downtimes des gesamten Systems. Werbung gibt es dafür nur sparsam in Form der Garmin-eigenen Produkthinweise.

    Fazit:
    Forerunner-Nutzer kommen an Garmin Connect nicht vorbei. Schöne Streckenverläufe, detaillierte Laufinformationen, aber schwache Communityfunktionen.

1-2-sports(Link)

    1-2-sports kommt schon näher an eine „Community“ heran. Hier gibt es die Möglichkeit, ähnlich wie bei anderen sozialen Netzwerken, ein eigenes Profil zu hinterlegen und dort je nach Belieben dem Rest der Mitglieder Informationen über das sportliche Dasein mitzugeben. Welche Lieblingssportart hat man, an welchen Wettkämpfen nimmt man teil, auch Wettbewerbe unter den Mitgliedern sind eine nette Geschichte. So ein „Battle“ macht ja jeder einmal mit. Auch sind die Auswertungsmöglichkeiten deutlich größer als bei Garmin Connect. Ob Trainingsumfang (Dauer, km, Kalorien, Vergleich mit dem Datum des Vorjahres) oder Bestzeiten (auch Durchgangszeiten) – alles wird sowohl in Zahlen als auch graphisch aufbereitet präsentiert. Und das schon im kostenlosen Paket. Noch weitreichender gehen die Statistiken und Einstellungsmöglichkeiten, wenn man ein paar Münzen in die Hand nimmt und damit ein Punkteguthaben kauft. Insgesamt hinkt das Portal aber schon etwas hinter dem Web 2.0-Zeitalter hinterher. Ein Beispiel ist der umständliche Upload eines Trainings, bei dem eine ganze Reihe von Klicks und Scrollen notwendig ist. Die Darstellung der Karte erfolgt nicht automatisch bei einem GPS-basierten Training, sondern muss umständlich über eine neue Strecke hochgeladen werden. Es werden die Formate der gängigen Laufuhren von Garmin (TCX und GPX) und Polar (HRM) akzeptiert. Es wird keine Schnittstelle bereitgestellt, mit der die Trainings automatisch abgerufen werden können. Einzig die Einbindung eines Banners auf der eigenen Seite wird angeboten. Da das Portal aber auch durch Werbung finanziert wird, wird diesem Wunsch wohl kaum Rechnung getragen werden. Hier wären flexiblere Bezahlmodelle denkbar.

    Fazit:
    Für Statistik-Fans ein passendes Portal, dem aber ein frischer Wind in Sachen Design und Usability guttun würde.

NikePlus(Link)

    An Nike+ scheiden sich die Geister. Ich hatte dem Portal schon mal tschüss gesagt, benutze es aber wieder, seitdem ich die Möglichkeit gefunden hatte, mit Garmin aufgezeichnete Läufe zu Nike+ hochzuladen. Die Community ist riesig, über die Entwicklung der Nutzerzahlen schweigt sich Nike jedoch aus. Sicher ist: Nike+ ist die weltweit größte Laufcommunity. Auch hier kann man sich ein persönliches Profil anlegen und mit der Community interagieren. Die aufgezeichneten Läufe kann man sich anschauen, für Statistikfreaks ist das allerdings harmlos. Die Durchschnittsgeschwindigkeit und Strecke kann man sehen, das war es dann aber auch. Ergänzt wird der Funktionsumfang durch den durchaus gelungenen Wettbewerbsmodus. Kennt ihr unseren Wettbewerb für 2012? Darüber hinaus kann sich der Läufer starre Trainingspläne generieren lassen („Coach“) und Ziele definieren, für deren Erreichen man mit Videoclips mit Carl Lewis oder Paula Radcliffe belohnt wird. Neuerdings kann man auch Strecken zeichnen oder sogar importieren aus den eigenen aufgezeichneten Läufen. Das große Wachstum der Community begründete sich auf dem Nike+-Laufsensor, der 2007 auf den Markt kam und als elektronischer Schrittzähler mit dem iPod kommuniziert. Eine -wenn auch fragwürdige- Innovation, die das Aufzeichnen von Trainings so leicht wie nie gestaltete. Inzwischen hilft auch GPS mit. Für das iPhone gibt es die Nike+ GPS-App oder man nutzt das Nike Sportsband inkl. GPS-Sensor. Der größte Kritikpunkt an Nike+ ist die Homepage. Von Anfang an in Flash entwickelt, setzt man hier auf eine Technologie mit fragwürdiger Zukunft. Die Seite ist extrem langsam und fehleranfällig, kein Wunder bei dem Umfang und der Last. Läufe sind nicht exportierbar, aber immerhin steht eine semi-offizielle API bereit. Im geschlossenen System von Nike muss sich in technischer Hinsicht bald was verbessern, sonst vergrault man die Nutzer mit dem Schwarzen Gürtel.

    Fazit:
    Für Laufeinsteiger ist Nike+ eine einfache Möglichkeit, Läufe auszuwerten. Statistikliebhaber rümpfen die Nase und Flash-Abgeneigte klicken schnell weiter.

Wer sich mit keiner der Internet-Communities/Portale anfreunden kann, hat immer noch die Möglichkeit, Desktopsoftware zu benutzen. SportTracks wird gern als das Referenzprodukt genannt. Damit haben wir noch keine Erfahrungen gesammelt. Alternativ dazu steht das (kostenlose) Garmin Training Center, was ich hinsichtlich Bedienbarkeit für unbrauchbar halte. Mit Runalyze haben Hannes Christiansen und Michael Pohl die Entwicklung einer Webanwendung gestartet, die unter anderem einen „automatischem Import vom Garmin Forerunner“ ermöglichen soll und mit Plugin erweitert werden kann. Von Läufern für Läufer programmiert – das klingt vielversprechend und wird sicher noch einen Post wert sein. Und automatisch klingt nach einem harten Training und den zehn Treppen richtig gut.

8 Kommentare

  1. Markus 6 Jahren vor

    Ich glaube, bis jeder Läufer sein Setup für die Trainingsdokumentation gefunden hat, vergehen oft nervenaufreibende Stunden am Rechner. Runtastic, Nike, Garmin, Trainingstagebuch, Jogmap uvm… Was habe ich nicht schon alles ausprobiert. Mittlerweile bin ich beim Setup: Garmin Connect (geht eh automatisch), Nike+ (geht dank Konverter einwandfrei; hab ich mal drüber gebloggt: http://runlinx.de/bJ5), rubiTrack (zur genauen Auswertung offline) und gelegentlich lade ich meine Läufe noch bei Dailymile hoch (Facebook für Läufer). Apropos Facebook: Zu den Social Media Plattformen gelangen meine Daten dann per Garmin Connect.

    Ob und für wen das ganze Sinn macht sei dahingestellt. Der Spaß ist groß und der Schub den man durch die Communitys bekommt ist gut. Hab mich oft schon extra zum Laufen aufgemacht, weil ich gelesen habe, dass da schon wieder einer aus dem Nike-Wettbewerb gelaufen ist.

    Die beste Plattform (online) ist für mich aber einfach Connect von Garmin. Hier finde ich fast alles was ich online haben will. Schön wären noch Equipment und eine bessere Möglichkeit der Trainingsplangestaltung. Offline baue ich als Mac-User auf rubiTrack, weil das Programm wirklich keine Wünsche offen lässt. Hab nur schon mal laut gedacht, wie es wäre, wenn rubiTrack auch eine Onlineplattform hätte die sich selbständig synct… Wäre echt nicht schlecht.

  2. Gerald Hildebrandt 6 Jahren vor

    Hallo Henrik,
    danke für den Artikel, mich hätte nur noch deine Meinung zu DailyMile (http://www.dailymile.com/) interessiert. Ich nutze DailyMile als Lauftagebuch und die Community-Funktionen steigern häufig die eigene Motivation. Die Community ist zwar etwas US-lastig, aber auch in DE hat sich mittlerweile eine Gruppe aktiver DailyMiler gebildet.
    Ansonsten gibt es die üblichen Funktionen
    – FaceBook, Twitter Integeration inkl. Autopost
    – Wettkampf Kalender
    – Strecken Visualisierung
    – Nike+, Garmin Konnektoren
    – Schuh Verwaltung
    – Plus Mitgliedschaft
    – Leaderboards
    – Challenges
    – etc.

    Mein Profil bei DailyMile http://www.dailymile.com/people/gerald670

    Viele Grüße,
    Gerald.

  3. Autor
    Henrik 6 Jahren vor

    @Markus: rubiTrack kenne ich noch nicht, schaue ich mir als Mac-User aber mal an.
    @Gerald: dailymile.com war mir bisher auch kein Begriff, klingt sehr vielversprechend und kommt auch ins Review.

  4. Andreas 6 Jahren vor

    Ich oute mich hier mal als „handschriftliches-Lauftagebuch-Schreiber“ 😉

    Im Ernst, damit habe ich angefangen und führe es auch noch weiter, obwohl ich nun seit einem Jahr begeisterter Nutzer von rubiTrack bin. Meine Lauftrainingsdaten muss ich nicht in Communities zum Besten geben. Wenn etwas davon in irgendeiner Form für andere interessant sein könnte, kommt es auf startblog-f, das muss reichen. Aber das soll jeder so machen wie er will, hauptsache, es wird zwischendurch noch hin und wieder gelaufen 😉

  5. sebastianf 6 Jahren vor

    Ist das Pflegen der Daten und die ganze technische Ausrüstung nicht der Grund laufen zu gehen 😉

    Ich weis gar nicht wie viele Onlineplattformen ich schon ausprobiert hab, jede hat seine Vor und Nachteile. Die eine ist super designed, die andere hat eine gute social network kompatibilität und wieder eine andere hat die besten Statistiken.

    Ich für meinen Teil pflege meine Daten in rubiTrack (Offline), Polarpersonaltrainer, Nike+, Trainingstagebuch.org, Garmin Connect, DailyMile und beim kmspiel. Was auch ein wenig Aufwand benötigt aber ich habe überall meinen Spass damit.

    Für Statistiken kann ich trainingstagebuch.org echt empfehlen.

    Ansonsten hab ich erst die Tage einen Blogeintrag geschrieben, wie man Polar .hrm und .gps Dateien miteinander verbindet und zu Garmin Connect oder Nike+ hochlädt. http://sebastianf.net/2012/01/11/nike-mit-polar-hrm-und-gpx-daten-futtern/

  6. Laufhannes 6 Jahren vor

    Schöne Fazits habt ihr da zusammen gestellt, denen ich mich anschließen kann. Was die Darstellung eines einzelnen Laufs betrifft, sieht GarminConnect wirklich hervorragend aus. Weitreichende Statistiken fehlen aber. Die gibt es teilweise bei 1-2-sports, doch Usability wird da wirklich nicht groß geschrieben.

    Leider fehlt es mir an der „richtigen Mischung“, weswegen dann auch Runalyze entstanden ist. Vor allem was die Trainingsstatistiken angeht, hat mir bisher kein Lauftagebuch wirklich gefallen. Wochen- und Monatskilometer mit der Durchschnittspace sind ja nur das Mindeste, wenn es um Auswertung und Analyse für einen längeren Zeitraum geht.

    Ich für meinen Teil will mit den Statistiken nicht primär angeben (Community, große Kennzahlen), sondern ein Fazit und eine Lehre für die Zukunft ziehen können.

  7. Din 6 Jahren vor

    Es gibt so viele schöne und nützliche Sachen, das zeigt ja auch eure gute Zusammenfassung.

    Für mich ist es wichtig, dass der Upload automatisch erfolgt und ich nur kleinste Details hinzufügen muss. Außerdem finde ich es sehr sinnvoll, wenn man sein Equipment mit einfügen kann; so kann man beispielsweise über den km-Stand seiner Schuhe Buch führen. Und ja, das Aussehen spielt auch eine nicht wesentliche Rolle, aber die Einfachheit der Bedienung ist eine große Voraussetzung.

    Habe mich für dieses Jahr für SportTracks & Sportics entschieden. Nebenbei läuft Garmin Connect & Jogmap, wird aber nicht ordnungsgemäß geführt und für den Fall, dass ich zu Mac wechsele, werde ich SportTracks durch rubiTrack ersetzen.

    Community brauche ich mittlerweile nicht; Blog, FB & Twitter sind mir Community genug!

  8. Autor
    Henrik 6 Jahren vor

    @Din: die Erfassung des Km-Stands der Schuhe habe ich noch nie gemacht, aber das ist eine gute und wichtige Information.

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