Zu zweit läuft's besser.

Vegan for fit?

Vegan for fit?
15. Februar 2014 Marek

IMAG0483Schon wieder ein neuer Hype? Das fragen sich bestimmt die meisten, die den Titel dieses Posts lesen. Erst sollen alle barfuss rennen und jetzt auch nur noch Pflanzen essen? Gefühlt ist das Thema gesunde Ernährung in letzter Zeit wieder stärker in den Fokus der Menschen gerückt. Und es gibt viele Facetten und es ist alles andere als einfach, die Komplexität zu überblicken: Bio, Low-Carb, fettarm, vegetarisch, Rohkost, Vollwertkost – und jetzt auch noch vegan. Zugegeben, auch ich war skeptisch, als Britta im letzten Jahr das Thema einbrachte und plötzlich Zutaten und Lebensmittel im Schrank standen, die noch nie auf meiner bisherigen Speisekarte standen: Mandelmuß, Matcha, Agavendicksaft, Hirse, Tofu, Soja-Joghurt… Im Vorratsschrank wurden eigens zwei Fächer dafür freigeräumt, damit alles Platz hat. Man weiß durchaus auch von Leistungssportlern, die sich vegan ernähren (Scott Jurek z.B.), aber auch Breitensportler sind von dem Konzept überzeugt (besonders zu erwähnen sind die Blogs von Nadin und bevegt.de). Mit veganer Ernährung fit werden (und bleiben) – kann das funktionieren? Das behauptet zumindest Attila Hildmann, der das Thema Veganismus mit seinen Büchern (u.a. „Vegan for fit“) in die Küchen gebracht hat. Dort enthalten sind Rezepte, die fast alle einfach nachzukochen sind und, ein wenig „Grundausstattung“ vorausgesetzt, auch den Geldbeutel nicht viel mehr als eine nicht-vegane Ernährung belasten sollen. Genau diese Lektüre hatte Britta sich im Dezember zugelegt und entschieden, die „30-Tage Challenge“ ab Januar zu starten. D.h. 30 Tage kein Weißmehl, kein Alkohol, kein Zucker und natürlich keine tierischen Produkte. Besonders spannend erschien uns die Frage: wie wirkt sich die Ernährungsumstellung auf die körperliche Leistungsfähigkeit aus? Seit November steht nämlich wieder regelmäßiges Lauftraining auf Brittas Kalender. Ein toller 3.Platz beim Grünauer Silvesterlauf hat gezeigt, dass schon die kurze Zeit richtig was in ihrer Form bewegt hat. Die Challenge ist jetzt bereits seit zwei Wochen Geschichte. Was ist in der Zeit passiert? Sportlich gesehen lassen wir einfach mal Bilder sprechen:

Aber wie es ihr dabei genau ergangen ist, das fragen wir sie einfach selbst:

„Wie bist du überhaupt auf das Thema vegane Ernährung gestoßen?“

„Ich habe zunächst etwas gesucht, was ich zelebrieren kann. Hier habe ich Matcha (grüner Tee in seiner vollendetsten Form) für mich entdeckt. In dem Zusammenhang bin ich über vegane Ernährung gestolpert und habe mich damit näher befasst. Da ich in meiner Ernährung eh schon lang etwas verändern wollte, habe ich mir „Vegan for fit“ gekauft. Das Buch hat mich so begeistert, dass ich beschlossen habe, die 30-Tage-Challenge zu versuchen.“

„Wie hat sich dein Speiseplan verändert? Hast du etwas vermisst in dieser Zeit?“

„Vermisst habe ich gar nichts. Ich dachte vorher, mir würde der tägliche Latte Macchiato fehlen, aber dem war nicht so. Im Gegenteil, alles war eine Bereicherung für mich. Ich esse jetzt vielseitiger und erlebe komplett neue Geschmacksrichtungen, die ich vorher nie kannte. Ich habe gelernt, wieder bewusst zu essen und das Essen zu genießen. Außerdem konnte ich auch mal nur etwas für mich kochen und nicht immer nur für meine Männer.“

„Welche körperlichen und psychischen Auswirkungen hast du feststellen können?“

„Ich fühle mich generell energiegeladener und frischer. Meine sportlichen Leistungen konnte ich sehr schnell steigern in dieser Zeit. Meine Hautprobleme sind deutlich weniger geworden.“

„Welche Schlussfolgerungen hast du nach der Challenge für deine Ernährung gezogen?“

„Für mich ist es im Moment das Richtige. Die vielen positiven Auswirkungen haben mich dazu bewogen, dass ich dabeibleiben und jetzt einen zweiten Anlauf nehmen möchte. Zu dogmatisch möchte ich das Ganze aber nicht sehen: es wird mit Sicherheit hin und wieder etwas zu essen geben, was nicht vegan ist.“

Natürlich stellen Brittas Erfahrungen nur einen winzigen subjektiven Beitrag zu dieser Thematik dar. Schlussendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was auf dem Speiseplan steht. Eine Erwähnung sollte an dieser Stelle auch noch die wissenschaftliche Erklärung finden, in welchem Zusammenhang die tierische Ernährung und die Entstehung chronischer Krankheiten steht. Die „China Study“ (auch in Deutsch erhältlich) ist für alle Skeptiker fast eine Pflichtlektüre. Das Buch steht mittlerweile auch bei uns im Bücherschrank (neben „Born 2 Run“ :-)).

Mich hat das Ganze so überzeugt, dass ich ab morgen ebenfalls die Challenge starten werde. Britta hat mich vorher zu meinen Beweggründen befragt:

„Was hat dich motiviert, die Challenge zu starten?“

„Zunächst konnte ich mir ja einen Monat genau anschauen, wie es dir dabei ergangen ist. Die positiven Auswirkungen haben mich aber vollends überzeugt, so dass ich das ebenfalls bei mir ausprobieren möchte. Ohnehin weiß ich, dass ich bei meiner Ernährung viel Potential ’nach oben‘ habe. Jetzt ist die Gelegenheit dazu da.“

„Oder warst du einfach nur neidisch auf meine sportlichen Entwicklungen (lacht)“?

„Natürlich war ich das! Die schnelle Entwicklung hat mich schon beeindruckt und mir Mut gemacht, dass ich nicht soviel falsch machen kann.“

„Hast du Angst oder Befürchtungen, dass sich die Umstellung negativ auf deine Leistungsfähigkeit auswirken könnte?“

„Überhaupt nicht. Ich weiß ja, dass auch Ultraläufer die vegane Kost bevorzugen. Warum soll das bei mir nicht klappen?“

„Die Challenge beinhaltet auch regelmäßiges Krafttraining. Bist du bereit, auch das durchzuziehen?“

„Das wird eine Herausforderung werden, da ich das bisher wenig gemacht habe neben dem Laufen. Aber ich gebe mein Bestes!“

Ein wenig Respekt habe ich schon. Da meine Kochkünste doch sehr beschränkt sind, bin ich dabei stark auf Brittas Hilfe angewiesen. Und auch Gewohnheiten wie der Gang zur Dönerbude oder das Bier nach einem anstrengenden Lauf müssen erstmal warten.

Ich bin gespannt, ob ich es schaffe. Wir sind an Euren Meinungen zu dem (durchaus kontroversen) Thema sehr interessiert! Habt Ihr Erfahrungen gemacht oder sagt ihr, das ist nix für Euch?

18 Kommentare

  1. Manu 3 Jahren vor

    Ich bin bereits seit über 1,5 Jahren Vegetarierin. Dies jedoch vor allem aus ethischen Gründen. Körperliche Veränderungen habe ich dadurch jedoch nicht wirklich festgestellt. Ab und an gehe ich auch in vegane Restaurants und mittlerweile verzichte ich auch auf Kuhmilch. Vegan für immer könnte ich mir jedoch (noch) nicht vorstellen – vor allem beim Essen auswärts wäre das teilweise etwas schwierig und ich habe auch keine Lust mir auf Reisen immer das vegane Essen mitzunehmen. Außerdem liebe ich noch zu sehr Käse 🙂

    • Autor

      Ich denke die körperlichen Veränderungen werden dann besonders sichtbar, wenn man vorher keinen oder nur wenig Sport getrieben hat. Das mit dem „auswärts“ essen ist bei veganer Ernährung in der Tat schwierig. Das haben wir auch jetzt in den Winterferien festgestellt, wo Britta das halbe Auto nur mit Essen gepackt hatte 🙂 Und da ihr ja sehr viel auf Reisen seid, kann ich das natürlich sehr gut nachvollziehen.

  2. Olli 3 Jahren vor

    Hallo, finde es gibt mittlerweile so viel Ernährungsformen, das man gar nicht mehr so recht weiß was gut ist. Vielen ist das alles schon so viel das sie sich nicht mal darüber informieren. Mir persönlich ist Ernährung sehr wichtig. Meine erste Umstellung habe ich in Richtung Paleo gemacht. In der Regel keine weiterverarbeiteten Lebensmittel wie Pasta, Brot Zucker, etc. Das hat sehr gut getan! Mittlerweile suche ich mir das beste aus allem heraus, da auch der Triathlon Sport noch mehr an Ernährungsplanung abfordert. Achte aber weiter sehr auf den Zucker, Weißmehl und Junk-Food Konsum. Habe zu viele negative und erschreckende Studien darüber gelesen. Viel Spaß bei deiner Challenge!!

    • Autor

      Das hört sich dich super an Olli! Damit bist du in Sachen gesunder Ernährung sicher 95% der Bevölkerung meilenweit voraus. Vielleicht bist du nur deswegen so schnell geworden :-)?

  3. Henrik 3 Jahren vor

    Finde das sehr spannend. Vegane Ernährung killt ja die schlimmsten Ernährungssünden (Weißmehl, Fabrikzucker, Kuhmilch) und ich bin sicher, dass das Konzept sehr gut mit sportlicher Aktivität verträglich ist. Bin gespannt!

    • Katrin 3 Jahren vor

      Hallo Henrik, das stimmt nicht ganz. Die Attila-Challenge schließt die von dir genannten Lebensmittel aus. Weißmehl und Fabrikzucker sind per se vegan, also bei einer rein veganen Ernährungsweise erlaubt. Meine Kollegen erliegen immer noch dem Trugschluss, dass vegan = gesund, und wundern sich, wenn auch ich Cupcakes & Co. essen 🙂
      Viele Grüße
      Katrin

  4. Katrin 3 Jahren vor

    Hallo Marek, erst mal drücke ich dir die Challenge die Daumen – eine Umstellung ist am Anfang immer schwierig und erfordert mehr Planung und Koordination als der gewohnte Trott. Insbesondere wenn es Fragen von Kollegen gibt kann es mitunter auch anstregend sein.

    Ich habe mich in den letzten 3,5 Jahren sehr wohl sportlich weiterentwickelt, aber schiebe das nicht nur auf die vegane Ernährung, sondern auch ein anderes Laufpensum. Zudem hat bei mir durch den Umstieg ernährungstechnisch noch mehr geändert: wir kaufen viel mehr frisch, kochen mehr und ernähren uns abwechslungsreicher. Für mich war es glücklicherweise nie Verzicht, sondern eine unheimliche Bereicherung, so viele neue Lebensmittel habe ich kennen gelernt. Wir haben natürlich auch den großen Vorteil, praktisch zu zweit den Umstieg gemacht zu haben, aber das Verständnis zu Hause hast du ja anscheinend auch 🙂

    Vielen Dank für die Verlinkung & ich bin gespannt, wie es dir ergeht!

    Viele Grüße
    Katrin

    • Autor

      Hallo Katrin,
      vielen Dank für deinen Beitrag und fürs Daumendrücken! In Sachen sportlicher Leistung erwarte ich von der Ernährungsumstellung auch eher weniger. Aber allein schon, dass viel mehr frisch zubereitet wird und der Trott rausgeht, das ist mir der Versuch allemal wert. Und ja, Britta macht das jetzt zum zweiten Mal – ohne die Unterstützung hätte ich wohl wenig Chancen, das zu schaffen. Wir werden berichten!

  5. Olli 3 Jahren vor

    Da spielen mehrere Faktoren eine Rolle, ein guter Trainingsplan, eine angepasste Ernährung und ein starker Wille etwas erreichen zu wollen. Sei es nur gesünder zu leben. Wisst ihr doch 😉 Ich habe einiges zum Thema gelesen, gerade auch, was eigentlich gesund ist. Katrin hat da schon recht, vegan leben heißt nicht gleich gesund zu leben… 😉

  6. Din 3 Jahren vor

    Hallo Marek, ich drücke dir die Daumen. Bin mir aber sicher, dass du das durchhältst und bin gespannt, welchen Sprung du vielleicht dadurch nach vorn machst.

    Die letzten Wochen habe ich mich sehr über die Beiträge von Britta auf Facebook gefreut. Immer so motiviert und glücklich. Klar, hat ja auch einen guten Trainer an der Seite, aber ich finde es schön, dass sie mit dieser Ernährung so zufrieden ist. Da können wir uns demnächst ja noch mehr austauschen.

    Bei mir hat meine Ernährungsumstellung ja auch einiges bewirkt und ich bin immer noch sehr sehr zufrieden damit. Obwohl ich in diesem Jahr nun schon unglaubliche 20 Jahre Vegetarierin bin, habe ich nicht immer bewusst und gesund gelebt. Ich musste da sprichwörtlich erst hineinwachsen und ganz allein meinen Weg finden. Vor so langer Zeit war es eine wahre Seltenheit, sich so zu ernähren. Am glücklichsten bin ich darüber Kuhmilchprodukte gestrichen zu haben. Das machte mich genauso träge im Kopf und Bauch, wie fertige Lebensmittel und Zucker.

    Ganz vielen lieben Dank für die Verlinkung.
    Viele Grüße,
    Nadin

    PS: Ach ja und so ein Köfferchen als Lunchpaket ist schon toll, wenn auch zuweilen aufwendig. Aber mir immer wieder wert.

    • Autor

      Hi Nadin, danke fürs Daumendrücken und deine Einschätzung! Ich bin auch guter Dinge, dass ich das durchhalte. Einen Sprung mache ich in jedem Fall, weil ich ja seit Anfang Dezember 6 Wochen gar nicht gelaufen bin und danach nur sehr sporadisch wieder ins Training eingestiegen bin. Aber die gute Ernährung killt sicher gleich meinen Fersensporn mit 🙂 Bei Britta muss ich ehrlich zugeben, dass ich da „als Trainer“ kaum etwas zu beitragen mußte. Sie hat das Thema von sich aus aufgebracht und sich die Bücher gekauft. Das hat aber ganz sicher auch dazu beigetragen, dass ihre Laufmotivation so gut erhalten geblieben ist über den Winter. Apropos Lunchpaket: werde jetzt erstmal meinen Quinoa-Salat verputzen!

  7. Heike 3 Jahren vor

    Hallo Marek,

    ich wünsche dir viel Spass bei der Challenge und vielen Dank für den spannenden Erfahrungsbericht von Britta.

    Ich ernähre mich seit letztem Jahr vegan und bei mir war es eher ein fließender Übergang. Früher war es unvorstellbar, ohne Käse und meinen Milchkaffee zu überleben und ich muss grinsen, wenn ich da jetzt dran denke. Die Macht der Gewohnheit… heute kann ich mir nicht mehr vorstellen zwei Tage ohne frisches Obst und Gemüse zu überleben 🙂

    Auch bei mir erwies sich die Ernährungsumstellung als eine Bereicherung und keine Sekunde als Verzicht. Die vielen neu entdeckten Lebensmittel auf meinem Speiseplan und die Freude dran, die vielen leckeren Rezepte auszuprobieren. Keine Chance, das Käsebrötchen von früher zu vermissen 😉

    Meine sportlichen Leistungen sind nicht merklich besser geworden. Aber ich bin davon überzeugt, dass sich das bewusste Auseinandersetzen mit dem „Treibstoff“ (und das heißt nicht, dass ich mich nur noch supergesund ernähre, sondern auch wahnsinnig gern schlemme) insgesamt besser auf mein Wohlbefinden ausgewirkt hat, einfach gut tut und Spass macht.

    Viele Grüße,
    Heike

    • Autor

      Hallo Heike,
      das mit der sportlicheren Verbesserung sehen wir auch eher als „nice to have“. Jeder sollte sich darüber im Klaren sein, dass nicht alleine die Ernährung die Bestzeiten purzeln läßt (sonst wären ja alle Läufer plötzlich Veganer :-)). Die Sache mit dem Wohlbefinden und die Bereicherung der täglichen Ernährung sind aus unserer Sicht einfach die viel schlagkräftigeren Argumente. Was daraus resultiert, nämlich die Vermeidung von Volkskrankheiten, steht ja auf einem ganz anderen Blatt (das aber bei der Betrachtung dieser Geschichte einen immer größeren Stellenwert einnimmt). Danke für deinen Beitrag!

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