Zu zweit läuft's besser.

Die neue Lust am Dreckigmachen

Die neue Lust am Dreckigmachen
24. Januar 2014 Henrik

Strongmanrun2013_3Hätten wir doch vor 15 Jahren die Idee gehabt, einen Hindernislauf zu veranstalten! Da wären wir noch Pioniere gewesen. Und nur wenige „Verrückte“ hätten sich angemeldet, um ihre Laufschuhe mal so richtig im Schlamm zu versenken. Hindernisläufe boomen. Abenteuerliche Preise werden bezahlt, um einen Parcours von größtenteils künstlichen Hindernissen zu bewältigen. Dass dazwischen noch gelaufen werden muss, ist fast nebensächlich. Woher kommt der Hype? Was bringt sie mit sich, die neue Lust am Dreckigmachen?

Strongmanrun2013_5Am 12. April kommt recht kurzfristig ein neues Event in den Münchner Olympiapark: das Spartan Race. Das Event ist Teil einer globalen Wettkampfserie und gastiert nun erstmals in Deutschland. Dabei erstaunen mich zwei Dinge: zum einen zieht eine weiterer Lauf mitten in die Stadt in den Olympiapark, der von Läufen sowieso hochfrequentiert wird und nicht unbedingt geeignetes Terrain für den Aufbau von 15 künstlichen Hindernissen ist. Zum anderen wundert mich, dass das Startgeld von 54-64 EUR so akzeptiert wird. Ist der Startschuss wirklich von uns so „lang ersehnt“, wie es die Ankündigung auf der Homepage uns glauben machen will?

Strongmanrun2013_2Heute kam dazu passend die Ankündigung vom „Original“, dem StrongmanRun, dass es am 30. August im Ferropolis in Sachsen-Anhalt einen zweiten Lauf mit einem Limit von 6.000 Teilnehmern geben wird. Den 13.000 gemeldeten Teilnehmern des ersten Teils auf dem Nürburgring standen ca. doppelt so viele Voranmelder gegenüber, und das trotz einer Startgebühr von 79-89 EUR – wenn man denn schnell genug mit der Anmeldung ist und auch einen eigenen ChampionChip besitzt. Es wird nicht mehr lange dauern und die Startplätze werden wie beim Berlin Marathon verlost. Die Anmeldung für den 2. Teil öffnet am 1. Februar. Ich bin mir sicher, dass es keine zwei Tage dauern wird, bis die Anmeldung auch schon wieder geschlossen wird. Auf der Homepage ist sogar schon die Voranmeldung für 2015 möglich!

Strongmanrun2013_1Auf ein wenig Erfahrung bei diesem Event kann ich zurückgreifen. Immerhin zwei Teilnahmen an der „Mutter aller Hindernisläufe“ (2012, 2013) habe ich vorzuweisen. Das waren ziemlich unterhaltsame, aber anstrengende Läufe. Hier gab es nur wenige Teilnehmer, die das Ganze ernst nahmen. Die Hindernisse waren so gestaltet, dass auch weniger Sportliche irgendwie drüber und nach spätestens 6 Stunden ins Ziel kommen. Mehrheitlich Vertreter der Spaßgesellschaft eben, die mal „was erleben“ wollen. Sich im Schlamm suhlen und rutschige Hänge hochklettern kann man doch aber auch selbst?

Und die Liste der Hindernisläufe wird immer länger, die Events professioneller:

Strongmanrun2013_4Die „Läufe“ verlieren ihren sportlichen Charakter und werden zu gesellschaftlichen „Events“, an denen die Community direkt oder kurz danach teilhaben kann. Die Kamera auf der Stirn überträgt den „Spaß“ im Extremfall live auf soziale Netzwerke, so dass die Freunde das Ganze anschauen und sich belustigen können. Es ist überhaupt kein Problem mehr, wenn man nicht ganz so sportlich ist – es gibt Tausende, die noch schlechter trainiert sind. Beim StrongmanRun hatte die Hälfte der Teilnehmer wohl ignoriert, dass das Wort „Run“ im Namen auftaucht und immerhin 24 Kilometer zu laufen waren. 2012 schaffte es nicht mal die Hälfte der Teilnehmer im Zeitlimit ins Ziel. Überhaupt, das Gruppenerlebnis macht die Schinderei offenbar erst reizvoll. Gemeinsam quälen ergibt mehr Spaß!?

Ich bin gespannt, wann der Hype abflauen wird. Wie steht ihr zu Hindernisläufen, insb. den teuren Massenveranstaltungen? Eine Riesengaudi, von der man nicht genug bekommen kann und die ihr Startgeld wert sind? Oder überteuerte Abzocke für Jogger, die sich sonst nicht mal durchs nasse Laub trauen?

14 Kommentare

  1. David 4 Jahren vor

    Moin,

    Als großer Fan der Hindernisläufe muss ich hier mal ein Lanze brechen. 🙂
    Die machen mega viel Spaß, quasi ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Im Distanz/Preis-Verhältnis sind die zwar relativ teuer, allerdings wird hier auch deutlich mehr geboten, als bei einem reinen „gerade-aus“-Lauf. Preislich finde ich das meistens gerechtfertigt. Beim Strongman Run kamen bei mir noch Fahrt- und Aufenthaltskosten um die 200 € dazu, das war mir dann auch zu teuer.

    Apropos Strongman Run – das Zeitlimit 2012 (wo ich mitgelaufen bin), war für halbwegs trainierte Läufer problemlos einzuhalten. Wir waren zu zweit unterwegs und haben ~5 1/2 Stunden gebraucht, davon waren aber gute 2std Wartezeit. Da war einfach die Streckenführung total Käse (künstliche Verengung etc)….

    Und zur Fitness: Meistens gibt es ja Shortlanes, wo man nur eine Runde läuft. Finde ich gut, da können einfach mehr beteiligt werden. Grundsätzlich sollte man aber trotzdem fitt sein. Bei der Cross Challenge letztes Jahr ist ein Läufer vor meinen Augen wiederbelebt worden – ohne Erfolg. Das war kein schönes Erlebnis.Man muss sich hier also noch mehr einschätzen können, als bei „normalen“ Läufen, die Belastung ist deutlich höher meiner Meinung nach.

    Aber wiegesagt: Alles in allem ein mega Spaß. Sowohl Strongman Run, Urbanathlon, als auch Cross Challenge kann ich sehr empfehlen, macht Spaß, ist anstrengend UND: die Stimmung ist um Längen besser, als bei jedem non-Hinderniss Lauf. Es wird untereinander viel mehr geredet, zusammen gelitten, an Hindernissen hochgezogen… das gibt’s bei keinem anderen „normalen“ Lauf.
    [x]Riesengaudi

    • Autor
      Henrik 4 Jahren vor

      Der Teamgedanke ist jedenfalls ausgeprägter als bei gwöhnlichen Läufen, da gebe ich dir recht. Die Strecke des StrongmanRuns ist in meinen Augen für mehr als 10.000 Läufer zu knapp, so dass der Stau vor den Hindernissen unvermeidlich ist. Aber das wird den Veranstalter nicht davon abhalten, wieder diese Masse auf die Strecke loszulassen.

  2. Manu 4 Jahren vor

    Also ich habe bisher noch nie bei einem dieser Läufe mitgemacht und das wird wohl auch nicht so schnell passieren. Aber ich mag es auch einfach nicht mich im Dreck zu suhlen und über Hindernisse zu klettern 🙂 Und bezüglich der Preise – solange Nachfrage besteht und die Läufe schnell ausverkauft sind, werden auch die Preise weiter erhöht …

    Die Nachfolger der Hindernisläufe sind für mich übrigens die Colour-Runs und da gibt es ja einige Gemeinsamkeiten. Eher Event als Lauf und recht teuer. Aber solange man dadurch Menschen zum Laufen bringt, warum nicht?

    • Autor
      Henrik 4 Jahren vor

      Ach ja, der Color Run. Den wollte ich jetzt nicht unter „Hindernisläufe“ einsortieren. 3,5 Km gehen und mit Farbe beworfen werden, also das hat mit Sport nun nichts mehr zu tun. Ich denke, dass sich der Hype um dieses Event besonders schnell legen wird.

  3. Marek 4 Jahren vor

    Glaube du hast noch einige unterschlagen. Allein „in Berlin“ gibt es dieses Jahr mehrere neue Events. Wollen eben viele noch auf den Zug aufspringen und damit Profit machen. Nichts Verwerfliches. Offensichtlich sind die meisten ja auch bereit, diese hohen Preise zu bezahlen. Wir kennen ja seit letztem Jahr auch den Survival Run. Ich denke aber, dass sich das auch wieder erledigen wird, wenn das Angebot zu groß wird. Einmal mitmachen ja, aber dann hat sich das für die wettkampforientierten Läufer auch.

  4. Dem schließe ich mich an, die ihr wisst und einige sicher auch bei uns schon gelesen haben, nehmen wir Flitzpiepen an diversen solcher Läufe teil, weil wir dran Spass haben. 2 Strongmanrun, 2xUrbanathlon, 2xCrossChallenge, dieses Jahr BraveHeartbattle, CherokeeRun und und und. Bei uns ist es der Spass am Teamevent. Allerdings wenn es Teilnehmertechnisch zu viel wird und wir mehr warten als laufen und klettern(siehe Strongmanrun) suchen wir uns was neues. Dieses Jahr fahren wir deshalb zum ersten mal seit 2 Jahren nicht an den Nürburgring!
    Zum verstorbenen bei der CrossChallenge muss man aber leider auch sagen, das sowas auch schon beim HM im April passiert ist und leider immer wieder vorkommt, nicht nur bei Cross-Races.

    • Autor
      Henrik 4 Jahren vor

      Werde mir die Teilnahme am StrongmanRun 2014 auch gut überlegen. Eigentlich gibt es da nichts mehr zu sehen. Viel Spaß beim Braveheart Battle!

  5. Markus 4 Jahren vor

    Ich hab an 2 dieser Veranstaltungen schon teilgenommen. 2011 müsste das gewesen sein. Und zwar beim StrongmanRun und beim MotormanRun. Den ersten Lauf hatte ich gewonnen sonst wäre ich da wohl auch nicht hin. Hat aber auch viel Spaß gemacht. Beim 2 habe ich dann mit meinem Schwager teilgenommen der davon begeistert war.
    An sich sind diese Läufe einfahc hoffnungslos überfüllt und viel zu teuer. Da gehe ich lieber privat im Schlamm joggen 🙂

    • Autor
      Henrik 4 Jahren vor

      Kann ich absolut nachvollziehen, Markus. Nur allein scheint das Gruppenerlebnis und der Eventcharakter zu fehlen, so dass sich die Mehrheit nur bei solchen Events schmutzig machen möchte.

  6. Brigitte 4 Jahren vor

    Ich war ja 2011 als Begleiterin mit dabei beim „Strong Man“, und war immer wieder an der Strecke. Es ist eine reine Spaß-Veranstaltung. Vielen geht es um Party (der Start ist auch erst am Mittag), lustige Kostüme und dann läuft man halt noch und klettert über Hindernisse und durch Schlamm. Wer aus rein sportlicher Wettkampf-Sicht da mitmacht, der ist schon fast fehl am Platz. Der Andi hat schon nach dem 1. Hindernis die letzten Teilnehmer überholt, es waren drei Kerle, als Matrosen verkleidet, die nicht gelaufen, sondern gegangen sind.
    Ich denke, man muß sich überlegen, will ich einen sportlichen Wettkampf oder ein spaßiges Rumgelaufe. Und dementsprechend macht man halt bei so Veranstaltungen mit, oder halt nicht.

  7. Balla Doc 4 Jahren vor

    Hallo!

    Die Veranstalter des Spartan werden sich sicher vorher überlegen, ob dieser sinnvoll im Olympiapark stattfinden kann. Ob das Konzept aufgeht, kann man hinterher beurteilen. Dazu muß er aber erstmal stattgefunden haben.

    Daß die Matschläufe wie Pilze aus dem Boden sprießen ist sicher wahr, aber diese Modewelle wird sich auf Dauer auf ein Normalmaß einpegeln. Sind die Preise zu hoch? Schau Dir die Startgebühren eines (größeren) Laufes an und vergleiche die Leistungen. Ich halte den Aufwand und die dadurch entstehenden Kosten allein durch die Hindernisse für erheblich höher als bei einem Marathon, der 4- oder 5-stellige Teilnehmerzahlen durch vorhandene Straßen jagt. Hier frage ich mich eher, ob diese Gebühren berechtigt sind. Zudem werden viele der Matschläufe auch von kleineren Veranstaltern mit einer Vielzahl freiwilliger Helfer geschultert, ohne daß dahinter eine Marathon-xy GmbH steht, die damit (nur?) Gewinne erzielen will.
    Massenveranstaltungen mit und ohne Matsch unterscheiden sich da kaum.
    Sowohl Nur-Laufen als auch im Matsch suhlen kann man beides, alleine oder in Gesellschaft.

    Richtig ist auch, daß sich viele bei Matschläufen zu viel zumuten oder von vorneherein der Spaßgedanke im Vordergrund steht und weniger sportliche Ambition. Aber ich habe auch schon auf 10er Strecken Geher gesehen, die besser die 5er Strecke genommen hätten. Ist es jetzt verwerflich, daß die Spaßgesellschaft nur aus „Spaß“, möglicherweise in untauglicher Verkleidung, an diesen Läufen teilnimmt? Selbst der Spaßläufer auf der hinteren Plazierung ist sportlicher als die meisten Zeitgenossen.

    Sicher ist es lästig für die sportlich ambitionierten Läufer, wenn sie bei mehreren Runden mit „Bestzeit!“ „Platz da!“ vor Hindernissen – gerne auch mal mit einem Rippenstoß – ihr Recht (??) auf Vorfahrt einfordern müssen, falls die Spaßläufer wieder einmal unaufmerksam sind und nicht von alleine zur Seite spritzen, wenn der Topathlet die Bühne betritt.

    Ich bin da doch lieber mit der Spaßfraktion im Matsch, als mit den Topathleten zu diskutieren, wie man am Besten die Beine rasiert oder welches ISO geeignet ist, um möglicherweise 10 Sekunden in der Wertung gut zu machen.
    Wenn das Laufen so ernst genommen wird, hört für mich der Spaß auf.

    Viele Grüße,
    Balla Doc

  8. Andreas 4 Jahren vor

    Nee, für mich ist das nichts! Aber von mir aus kann jeder machen, was er will und lustig findet. Soweit ich aus den diversen Berichten weiß, hat es allerdings meist mit Laufen nicht viel zu tun. Und eine Zeit ist natürlich auch relativ, wenn ich vor Hindernissen anstehen muss.

    Zur Frage der Kosten im Vergleich zu Straßenevents muss ich allerdings zu bedenken geben: Je kürzer die Rennstrecke (nicht die Laufdistanz!) ist, desto günstiger die Kosten. Wer Läufer 10 Mal um die gleiche 2-km-Runde schickt, hat natürlich die Strecke (Verpflegung, Helfer, Sanitäter) viel besser und kostengünstiger im Griff, als jemand, der zehntausende von Menschen über 21 oder 42 km durch abgesperrte Straßen (das lassen sich die Städte auch bezahlen) schickt. Hier ist der Logistik- und Personalaufwand um ein Vielfaches höher!

    Abgesehen davon: Die meisten großen Events sind inzwischen zu teuer!

  9. Mudder Guide DE 3 Jahren vor

    Hallo Henrik,

    wenn man bedenkt, wie viele Leute faul auf der Couch rumsitzen und mit viel Mühe ihren Hüftspeck heranzüchten, dann sollte man über jede Art von Veranstaltung froh sein, die Menschen zur sportlichen Betätigung animiert.

    Klar, wenn jemand die gesamte Strecke über geht, dann ist das sicherlich grenzwertig (eine gewisse Grundfitness sollte man schon mitbringen) und wenn Veranstalter aus Profitgier viel zu viele Teilnehmer zulassen, dann ist das auch ärgerlich. Ansonsten wüsste ich aber nicht, warum man sich an kostümierten Gruppen, usw. stören sollte, ganz im Gegenteil.

    Ich bin ein großer Fan von Leistungssport, aber darum geht es bei Hindernisläufen nicht primär und dessen sollte man sich auch bewusst sein. Wenn du aber mal durch Eiswasser schwimmst, durch Feuer springst oder den einen oder anderen Stromschlag kassierst, dann ist das einfach ein überragendes Erlebnis, denn da wächst man zwangsläufig über sich selbst hinaus. Da ist es letztendlich auch völlig bums, ob man nach zwei, drei oder fünf Stunden ins Ziel kommt.

    Wer sich danach wieder leistungsmäßig messen möchte, der hat noch 51 weitere Wochenenden im Jahr Zeit.

    Viele Grüße

    Michael
    (Mudder Guide)

    • Autor
      Henrik 3 Jahren vor

      Hallo Michael, ich bin da bei dir. Jede Form der Bewegung ist begrüßenswert und wenn sich Leute durch Hindernisläufe für Bewegung begeistern lassen, dann gibt es da absolut nichts gegen zu sagen. Vielleicht überkommt mich ja irgendwann wieder die Lust auf Schlamm… man soll nie nie mehr sagen!

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