Zu zweit läuft's besser.

Intervalle einmal anders – der Run&Bike im Lausitzer Seenland

Intervalle einmal anders – der Run&Bike im Lausitzer Seenland
14. Juli 2014 Marek

10527507_10202369245729233_4527494459397797736_nLaufen verbindet ungemein. Ein gemeinsames Training mit dem Partner ist eine feine Sache, aber ein gemeinsamer Wettkampf im Team setzt noch ein i-Tüpfelchen drauf. Bereits im letzten Jahr konnten Britta und ich diese schöne Erfahrung beim Paarlauf in Berlin machen, wo wir trotz rutschiger Bahn eine respektable Platzierung erreichen konnten. Dank größtenteils überstandener Verletzung meinerseits und Brittas regelmäßigem Training im Winter entschieden wir uns im Frühjahr für den Run&Bike im Lausitzer Seenland. Ich hatte dank unserer Teilnahme in Neuzelle 2013 schon etwas Rennerfahrung, aber auch ein Marathon muss erstmal gemeinsam absolviert werden. Allein die Anreise war schon ein Krimi: dank eines Staus schafften wir es buchstäblich in letzter Minute zur Startlinie am Senftenberger Hafen. IMG-20140714-WA0002Die Zeit reichte gerade noch für eine kurze Begrüßung von Heiko und Manuela und André – dann geht es genau 5min nach den Marathonis auf die Strecke! Zum Glück hatten wir uns schon auf der Autobahn umgezogen und die Verpflegung bereitgestellt, so dass wir gut ausgestattet ins Rennen gehen. Vorne geht – wie nicht anders zu erwarten – die Post ab. Bereits nach einigen hundert Metern kassieren wir die letzten Marathonis, auf der engen Strecke am See ist ordentlich Verkehr. Die ersten Teams wechseln relativ schnell, wir probieren uns an einer ungefähren 3:1-Taktik, da wir keine Gewissheit darüber hatten, wie lange uns Brittas Knie wohlgesonnen war. IMG-20140714-WA0009Im Augenwinkel hatten wir ein wenig die Mixed-Wertung, wo ein Podiumsplatz anhand der letztjährigen Ergebnisse durchaus im Bereich des Möglichen zu sein schien. Doreen und Jens sind schnell außer Sichtweite. Eva und Stefan kassieren uns ungefähr bei Kilometer 8. Aber wir sind trotzdem guter Dinge, es rollt ordentlich und wir können uns beim Überholen den einen oder anderen Plausch mit den reinen Männer-Teams leisten. Vorbei geht es am „rostigen Nagel„, einem Aussichtsturm, der an die Tagebau-Historie in dieser Region erinnern soll. Regelrecht verwöhnt werden wir durch die Verpflegungspunkte alle 2km, die abwechselnd allerlei Köstlichkeiten und Getränke bereithalten. Es muss ca. Kilometer 15 gewesen sein, als Britta vermeldet, dass sich ihr Knie mehr und mehr über die Belastung beschwert. Das Signal erteilt uns erstmal einen gehörigen Dämpfer und wir müssen etwas Tempo rausnehmen. Auch mein Schritt läßt sich nicht mehr so locker wie zu Beginn an. Vorbei am Sedlitzer See ist dann die Halbmarathon-Wendemarke erreicht. IMG-20140714-WA0004Maja und Tankred sind bei der Wende nur wenige Meter hinter uns. Wir kämpfen uns bei heftigem Gegenwind zurück, bevor die beiden uns auf der Brücke schnellen Schrittes stellen. Zum Scherzen sind sie leider nicht aufgelegt, wie überhaupt vielen eine für unseren Geschmack übertriebene Verbissenheit anzumerken ist. Aber gerade auf den vorderen Plätzen scheint das notwendig, gleicht doch der Run&Bike einem saftigen Intervalltraining über 42km: beim Laufen wird fast schon gesprintet, während man sich auf dem Rad wieder für das nächste Intervall verpflegen und erholen kann. Aber viele applaudieren uns auch beim Entgegenkommen, Manuela und André sind sehr gut mit dabei, als wir uns bei km23 treffen und gegenseitig anfeuern. Wir wechseln jetzt immer öfter, ich werde stetig langsamer, die Beine werden doch schneller müde als erwartet. IMG-20140714-WA0006Der Tiefpunkt ist bei km28 erreicht, als ich nach einem Wechsel völlig k.o. aufs Rad wechsele und mich kurz sammeln muss. Die Kilometer-Schilder (vom Spreewald-Marathon!) rufen keine guten Erinnerungen an meinen ersten Marathon hervor. Da war doch was bei km28? Britta versorgt mich eilig mit Brezeln, trotz zweier Gels auf dem ersten Teil habe ich plötzlich einen Bärenhunger. Auch der vegane Riegel muss dran glauben. Danach geht es mir aber wieder etwas besser. Der Tiefpunkt ist offensichtlich durch und nach km30, der wichtigen psychologischen Marke, bekommen wir auf einmal wieder Aufwind und nehmen schnellere Fahrt auf. Britta beißt auf die Zähne und zieht ihre Intervalle weiter durch. IMG-20140714-WA0000Ich stelle mir vor, wie ich als Läufer auf der Marathonstrecke zu diesem Zeitpunkt ganz sicher das Handtuch geworfen hätte. Mir tun die kämpfenden Marathonis leid, es muss demotivierend sein, von den Run&Bikern überholt zu werden. Aber viele sind es nicht, denn wir sind nachwievor auf einem sub3h-Kurs! Wie erholsam doch immer der Wechsel auf das Rad ist! Die zweite Luft kommt herbei und wir motivieren uns gegenseitig, weiterzukämpfen und nicht nachzulassen. Die Zeit für Selfies und Videos muss einfach sein, wußten wir doch, dass nach vorne nichts mehr ging. Nun kommen uns vermehrt Läufer und Walker entgegen, die Strecke wird schlagartig wieder voller. Wir können diese nicht mehr wirklich einordnen und versuchen nur, unfallfrei durchzukommen. Als wir den Senftenberger See erblicken, ist die Gewissheit da, dass es fast geschafft ist. Der Zieleinlauf ist dem Event wirklich angemessen und wir freuen uns über unsere doch etwas unerwartete Leistung. IMG-20140714-WA0007Ich hätte es vorher nicht für möglich gehalten, dass wir die 3h packen. Es ist immer wieder erstaunlich, zu welchen Leistungen man im Team in der Lage ist. Der Wermutstropfen mit Brittas Knie ist leider vorhanden und wir hoffen auf eine schnelle Diagnose, so dass es zu keiner Zwangspause kommen muss. Dass sie sich trotzdem in bester Schweinsteiger-Manier durchgekämpft hat, verdient meinen größten Respekt. IMG-20140714-WA0005Auch das Rahmenprogramm am Hafen im Anschluß paßt in eine insgesamt gut organisierte Veranstaltung. Unverständlich ist uns, warum für die 10km-Läufe die ersten sechs geehrt werden und für die Marathonis nur die ersten drei. Auch die Zeitmessung scheint bei Eva und Stefan versagt zu haben, so dass wir irrtümlicherweise erst als 3. gewertet werden. Mit fremden Lorbeeren wollen wir uns aber nicht schmücken und der Sachverhalt klärt sich zum Glück auch schnell auf. Nach einem Plausch mit Heiko, Manuela+André, André aus Dresden und Laufpirat Harry machen wir uns dann zufrieden wieder auf den Weg in Richtung Berlin. So ein Run&Bike ist einfach eine tolle Geschichte. Blut haben wir für 2015 bereits geleckt. Ihr vielleicht auch?

13 Kommentare

  1. Daniel 3 Jahren vor

    Toller Bericht und ein klasse Video. Das weckt Erinnerungen an meine letztjährige Teilnahme 😀

    • Autor

      Mensch Daniel, was führst du für einen guten Grund an, dass du dieses Jahr nicht dabei warst?

  2. Manu 3 Jahren vor

    Ein spannender Bericht! Und witzigerweiser endet Dein Bericht mit einer ähnlichen Formulierung wie meiner beginnt (heute Abend geht er online) 🙂 Wir haben nämlich letztes Jahr auch Blut geleckt 🙂 War schön, dass wir uns in Senftenberg gesehen haben! Leider hatte ich auch Knieprobleme beim Laufen – aber glücklicherweise erst gegen Ende.

    Gute Besserung für Britta und bis nächstes Jahr in Senftenberg!

    • Autor

      Offensichtlich eine den Knien nicht wohlgesonnene Strecke Manu! War schön, dass wir uns gesehen haben (vorher, auf der Strecke, nachher :-)!

  3. Laufhannes 3 Jahren vor

    Glückwunsch zu eurer Leistung! Gemeinsam so etwas anzugehen bringt auch den doppelten Spaß!

    • Autor

      Danke Hannes. Nimm dir mal ein Beispiel und renn nicht immer alleine (und auch in so einem Wettkampf kannst du Tempo machen!).

  4. Henrik 3 Jahren vor

    Das habt ihr richtig gut gemacht! Eine Zeit unter 3h ist mehr als respektabel, die muss Mann und Frau erstmal rauslaufen. Der Beitrag passt sehr gut zur Titelstory der aktuellen Runnersworld. Und ihr könnt euch als Sieger der echten Pärchen fühlen!

    • Autor

      Nun, zumindest dem Nachnamen zu urteilen, sind die Zweitplazierten Eva und Stefan auch ein Paar 🙂 Sieger der vereinslosen Paare dann eben!

  5. Eine grandiose Teamleistung Britta & Marek! Verratet ihr noch wie lange jeweils eure Einheiten bei der 3:1-Taktik waren, oder bleibt das eure geheime Renntaktik für nächstes Jahr? 😉

    • Autor

      Ja Gerald, einen kleinen Vorteil müssen wir ja wenigstens noch behalten 🙂 Nein – eigentlich ganz einfach: 3km ich, 1km Britta. Wobei das zum Ende hin bei beiden immer kürzer wurde.

  6. Andreas 3 Jahren vor

    Na, das hört sich doch gut an! Echte Teamarbeit! Glückwunsch an euch beide und schnelle Besserung für Brittas Knie!

  7. Danny aus Senftenberg 3 Jahren vor

    Sehr schickes Video!

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*