Zu zweit läuft's besser.

Lauf oder stirb

Lauf oder stirb
23. Juli 2013 Henrik

Lauf oder stirbZugegebenermaßen sind wir beide etwas ins obligatorische Sommerloch abgetaucht. Marek urlaubt seit 2 Wochen an der Nordsee und ist im Familienmodus, während ich mich mehr oder weniger gezwungen durch das Berlin Marathon Trainingsprogramm schiebe. Ich mag das Wetter ja sehr gerne und 35 Grad sind mir viel lieber als jedes erdenklich Winterwetter. Aber so richtig Spaß macht das Training nicht, wenn die Sonne erbarmungslos brennt. Die obligatorischen Standardtipps für das Laufen bei Hitze findet man auf hunderten Internetseiten (Beispiel). Gut, wenn man noch Zeit findet und in den lauen Abendstunden ein Buch mit auf den Balkon nehmen kann. The Godfather of Trailrunning Kilian Jornet hat sich mit seinen jungen Jahren bereits als Schriftsteller betätigt und sein erstes Buch mit dem etwas reißerischen Titel „Lauf oder stirb“ veröffentlicht. Lange genug lag das nun auf dem Nachttisch. Muss Läufer das lesen? Ja und nein.

Ich muss ein wenig zum Autor ausholen. Trailrunning ist ein Megatrend der letzten Jahre neben dem Barfußlaufen und der in den spanischen Pyrenäen geborene Kilian hat das perfektioniert. Er hat so ziemlich jeden Rekord beim Ultralaufen in den Bergen gebrochen. So hat er bereits 2008 den Ultra-Trail du Mont-Blanc gewonnen – mit 19 Jahren. Von dem Sportler geht also eine Faszination aus, die sein Sponsor Salomon gut zu vermarkten weiß, u.a. mit der Videoreihe „Kilian’s Quest“ auf Youtube. Wenn man sich für den Menschen hinter all diesen großartigen Erfolgen und seinen Antrieb interessiert, kann man das Buch sicherlich lesen. Kilian ist ein exzellenter Sportler, aber ein guter Schriftsteller ist er leider nicht. Er blickt zurück auf ausgewählte Rennen, u.a. den Tahoe Rim Trail, den Rekordlauf auf den Kilimandscharo, seinen ersten Ultra-Trail du Mont-Blanc oder die Pyrenäen-Durchquerung in 8 Tagen. Es ist streckenweise ganz interessant zu lesen, wie er sich auf die Wettkämpfe vorbereitet hat und welche Höhen und Tiefen er während der Rennen durchlebt hat. Leider wird das Ganze schnell langatmig und ob er nun auf dem Weg vom Atlantik zum Mittelmeer auf Berg 1 oder Berg 2 in Hütte 3 oder Hütte 4 übernachtet hat, das ist für den geneigten Leser sowieso nicht nachvollziehbar. So wirken die Erzählungen pseudo-philosophisch. Um am Ende zu erklären, dass er es auch nicht ganz genau weiß, was ihn eigentlich antreibt, derartige Extremleistungen zu vollbringen. Das an sich wundert mich nicht, aber dafür hätte er nicht dieses Buch schreiben müssen. Kilian Jornet ist der unbestrittene (und unbesiegbare?) Star des Trailrunnings. „Lauf oder stirb“ würde ich nur eingefleischten Fans empfehlen, die alles über’s Trailrunning aufsaugen. Wirklich nötig hat ein Jornet so ein Buch nicht.

Das Taschenbuch gibt es u.a. bei Amazon.

4 Kommentare

  1. Hendrik 4 Jahren vor

    Volle Zustimmung. Das Vorwort ist das Beste an dem Buch. Kilian auf Papier ist wie ein Fisch auf dem Trockenen. Mein Tipp: Lieber die 5 Euro für seinen „Summits of my Life“ Film ausgeben. Grandiose Bilder und mehr über den Menschen erfährt man dort auch.

  2. Marco 4 Jahren vor

    Danke für diese Rezension. Ich war schon mal drauf und dran es zu kaufen und natürlich zu lesen. Allerdings habe ich Angst, dass mir nach „Born to Run“ kein Laufbuch mehr gefällt …
    Nicht weil das so schlecht war, sondern so genial.

  3. Daniel 4 Jahren vor

    Ich kann mich hier auch nur einreihen. Anfangs habe ich es noch mit Interesse gelesen, irgendwann habe ich mich nur noch gefragt, ob ich nicht doch an der falschen Stelle wieder angefangen habe, weil es mir so bekannt vorkam.
    Das Buch reißt leider nicht mit und vermittelt auch keine Vision. Im Gegensatz zu Born to Run – bei dem ich wirklich absolut euphorisiert war, ist das Buch hier eine Lahme Ente.

    Ein ähnliches Buch, das aber viel spannender ist, ist Eat & Run von Scott Jurek (soll dieses Jahr wohl auch noch auf Deutsch erscheinen), öfters habe ich mich gefragt, ob Kilian Jornet nicht von der Buchidee inspiriert war… allerdings ist das „Original“ spannender was die Beweggründe angeht.

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