Zu zweit läuft's besser.

Inselcross, heute: Faial

Inselcross, heute: Faial
25. November 2014 Henrik

Faial C2C Trail 33Aus neun bezaubernden Inseln besteht die Azoren. Die Vulkaninseln gehören politisch zu Portugal und liegen mitten im Atlantik etwa 3 Flugstunden von Lissabon. Ein kleines Paradies, das vom Massentourismus à la Kanaren oder Madeira zum Glück weit entfernt ist. Wer hier urlaubt, sucht keine Strandpartys, sondern Ruhe und Natur. Klar, dass man auf den Wanderwegen auch sehr gut laufen kann. Auf der recht beschaulichen Insel Faial habe ich die Trails unsicher gemacht und den „Inselcross“ von Madeira wiederholt. Eine irre Tour!

Faial C2C Trail 41Der „Costa a Costa„-Trail ist mit ca. 37 Kilometern der längste Wanderweg auf Faial und führt von Ost nach West. Der Weg ist aber in beide Richtungen beschildert. Es geht ziemlich kräftig hoch bis auf ca. 1.000 Meter, zudem sind Trittsicherheit und eine gewisse Windresistenz erforderlich. Los geht es in Porto da Ribeira, einem alten Hafen im Osten der Insel, in dem das jüngste Erdbeben von 1998 sichtbare Schäden hinterlassen hat. Faial C2C Trail 14Der als „GR1“ beschilderte Weg führt gleich zackig nach oben zum alten Leuchtturm von Riberinha, von dem nur noch eine Ruine übrig ist. Die rot-weiße Markierung am Wegesrand hilft bei der Orientierung. Es gibt allerdings kaum Möglichkeiten, sich zu verlaufen, so viele Wege gibt es nicht. Nach ca. 30 Minuten auf sehr rutschigem Boden kreuze ich die Küstenstraße und habe auf ca. 400 Meter schon einen großartigen Blick auf die Ostküste. Das Wetter wechselt im Herbst sehr schnell und die Sicht kann sich innerhalb von Minuten auf Null reduzieren. Faial C2C Trail 21Es ist ungewöhnlich windstill, zwei Tage zuvor sind wir an gleicher Stelle fast weggefegt worden. Der Weg folgt nun der schmalen Straße, die zum Windpark und weiter zum Vulkankrater des „Caldeira“ führt. Traumhafte Aussichten begleiten mich und kein einziger Mensch kreuzt meinen Weg. Ich bin die steilen Passagen bisher hochgegangen, um die Kräfte einzuteilen. Auf der linken Seite türmt sich langsam der mächtige Krater auf, zu dem sich ein Schotterweg nach oben schlängelt. 14 Kurven sind zu laufen -und die laufe ich tatsächlich hoch-, bis ich auf den spektakulärsten Teil des Trails einbiege: die 8 Km lange Runde auf dem Rand des Caldeira-Kraters.

Screenshot 2014-11-25 00.20.59

Faial C2C Trail 30Das ist Trailrunning pur mit hohem Awesomeness-Faktor. Der Singletrail schlägt sich um den ca. 400 Meter tiefen Krater und bietet dabei einige Kletterpassagen. Links der Abgrund zum Krater, rechts der weite Blick bis zu den Nachbarinseln Pico and São Jorge. Absteigen darf man in den unter Naturschutz stehenden Krater nicht (mehr). Auf der Hälfte der Runde verlasse ich den Rundweg, um zur Westküste zu laufen. Auf dem Vulkanasche-gefärbten Weg kann man nun die Handbremse lösen und bergab fliegen. Nach drei Kilometern geht es auf den Wanderweg neben der einzigen Levada Faials. Faial C2C Trail 31Entgegen der Erwartung ist hier aber nicht viel zu laufen – es ist extrem matschig. Ich muss mich mehrmals vergewissern, dass ich noch den Schuh anhabe. Der Weg führt mitten durch den feucht-tropischen Wald, eine berauschende Kulisse. Aus der Levade wird aber nach guten 4 Kilometern ein reißender Bach, der den Weg weggespült hat. Ich irre eine gute halbe Stunde durch das Unterholz, um den Ausgang aus dem Wald zu finden, mehrmals durch das ziemlich kühle Wasser. Die asphaltierte Straße bis nach Capelo nutze ich, um wieder warmzuwerden und die Füße etwas trockenzulaufen. Faial C2C Trail 34Hier begegnet mir der erste Mensch seit dem Start im Osten: ein Wanderer. 32 Kilometer sind gelaufen und es folgt ein Abschnitt, den ich eigentlich nicht mehr brauche. Es geht am Fuße des Cabeco Verde nochmal nach oben. Zum Glück nicht auf den 487 Meter hohen Gipfel. Ein irre Treppenpassage führt dann nach unten und gibt mehrere geniale Ausblicke auf den „Vulcão dos Capelinhos“ frei, der im Jahr 1957/1958 bei seinem Ausbruch für ein riesiges Stück neues Land gesorgt hat. Der Leuchtturm, das Ziel des Trails, ist dabei fast versenkt worden. Und so laufe ich nach einem kurzen Abstecher auf den „Cabeco do Canto“ auf einem kargen Weg auf dem grauen Sand Richtung Ziel. Der „Porto do Comprido“ ist ein alter Walfängerhafen, an die alten Zeiten erinnert nur noch das restaurierte Bootshaus.

Faial C2C Trail 50Im Naturschwimmbecken putze ich die Laufschuhe und blicke zurück auf einen genialen und extrem abwechslungsreichen Trail über die Insel. Hier ist alles geboten: Klettern, Downhill, langgezogene Anstiege, Singletrails, matschige bis klitschnasse Passagen. Jeder Trailrunner bekommt hier ein Fest für alle Sinne geliefert. Empfehlenswert ist der Weg primär im Sommer, da das Wetter beständiger und die Sicht klar ist. Im Herbst wird es schnell neblig und regnerisch. Das tut dem Naturerlebnis auf dem Coast-to-coast-Trail aber keinen Abbruch.

Hier sind einige Eindrücke der Tour:

Ausrüstung:

  • Tuch: Buff
  • Sonnenbrille: UVEX
  • Jacke: Skinfit Pfafflar Hybrid Jacket
  • Hose: Salomon S-lab Exo Short Tight
  • Schuhe: Salomon S-lab Sense 3
  • Trinkrucksack: Salomon Advanced Skin 5
  • GPS-Uhr: Suunto Ambit 2S

3 Kommentare

  1. Brigitte 2 Jahren vor

    Beneidenswert schön.

    Wieviele Höhenmeter hattest Du dann auf Deiner Uhr?

    • Autor
      Henrik 2 Jahren vor

      Müssten so 1.200-1.300 HM gewesen sein.

  2. Twin2 2 Jahren vor

    Krasser Awesomeness – Faktor! Wirklich sehr schön. Und wie ich zwischen den Zeilen lese, durchaus anspruchsvoll. Aber mittlerweile sind ja Trails unter 50km und 1000HM quasi Unterdistanzen für dich.

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*