Zu zweit läuft's besser.

Trailswimming auf Madeira

Trailswimming auf Madeira
4. Dezember 2016 Henrik

Im November noch eine Woche ins Warme – das ist gute Tradition bei uns. In diesem Jahr haben wir uns wieder die wunderschöne Insel Madeira ausgesucht. Trailrunner wissen, dass dort ein Paradies für uns bereitsteht. Beim letzten Aufenthalt vor drei Jahren habe ich die Insel von Süd nach Nord gequert und war beeindruckt von den Wetterkapriolen in den Bergen. Dieses Mal sollte es noch extremer kommen. Das Wetter im Winter ist gefürchtet für schnelles Umschlagen – wenn man sich denn überhaupt zu Fuß in die Berge traut. Der Eco Madeira Ultramarathon fand vom 25.-27.11. statt und es hat seinen Grund, dass die 170 Km lange Strecke fast ausschließlich an der Küste entlangführt.

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No rain – no rainbow

Den ersten Laufversuch startete ich etwas oberhalb vom nördlich gelegenen Sao Vicente. Etwa 700 Höhenmeter kletterte ich auf die Passhöhe Encumeada, von der man eigentlich einen spektakulären Blick auf die Nord- und Südküste der Insel hat. Aber nicht in dieser Woche. Stattdessen wartete ein ordentlicher Schauer mit Platzregen. Der Wanderweg auf die Hochebene Paul da Serra war leider wegen Steinschlag gesperrt, wie derzeit so einige Wege auf der Insel. So lief ich die Straße bis kurz unter der Hochebene hoch, um dann links auf einen Weg zur Südküste abzubiegen. Schon jetzt war mir klar, dass meine Ausrüstung nicht für diese Bedingungen taugte – ein dünnes Regenjäckchen und ein nicht-wasserdichter Rucksack, dazu nur leichte Handschuhe. Ich war nicht sicher, ob ich ins richtige Tal schlitterte und nahm einen schönen Singletrail, der wieder etwas in den Berg reinführte. Schön zu laufen, mir wurde langsam wieder warm, der Wind ließ nach. Bis mich ein Hagelschauer fast vom Berg fegte. Aus dem Trail wurde knietiefer Matsch und der sog. Weg war dann auch zuende. Selbst die Kühe suchten Schutz an den Felswänden. Ich musste den ganzen Weg zurücknehmen. Die beiden Kühe freuten sich über einen Gast auf dem Berg und liefen mit mir gute 2 Kilometer mit. Mir war sehr viel wohler, als ich ein erstes Haus erblickte und eine gepflasterter Weg begann. Dieser führte mich direkt runter nach Ponta do Sol, wo ich pünktlich zum Sonnenuntergang eintrudelte. Ergebnis: 22,5 Km / 1.575 HM / 2 Kg Regenwasser im Gepäck

Auf dem Abstieg Richtung Südküste

Auf dem Abstieg Richtung Südküste

Das Wetter besserte sich leider nicht und so erschien die Idee, vom Pico do Ariero zum Pico Ruivo zu trailen, ziemlich aussichtslos. Am besagten Morgen hatten wir aber Glück und der Gipfel von Madeiras dritthöchstem Berg (1.818 m) lag frei. Fünf Grad auf dem Gipfel konnten mich nicht davon abbringen, auf den Weg zu gehen. Etwa 7 Km sind bis zum Pico Ruivo zu bewältigen. Die wohl spektakulärste Wanderung der Insel mit atemberaubenden Aussichten – aber nicht im Winter. Es regnete zwar ausnahmsweise nicht, aber die tiefhängenden Wolken sonderten ausreichend Feuchtigkeit ab. Viel schneller als die hartgesottenen deutschen Wanderer mit wasserdichten Scarpa-Schuhen und Jack Wolfskin-Jacke war ich nicht wirklich. Es geht eigentlich nur auf und ab, die Treppen waren für mich wegen der Nässe eine Herausforderung. Es geht sogar durch zwei kleinere Tunnel. Stirnlampe ist Pflicht! Der Weg ist ziemlich zerlatscht, auf eine durchgehende Sicherung sollte man sich nicht verlassen. Und er ist in entgegengesetzter Richtung Teil des MIUT (nächste Ausgabe im April 2017). Ich kletterte nur bis zur Schutzhütte unterhalb des Gipfels, denn inzwischen regnete es wieder stärker. Da waren so einige Wanderer oben. Und die wollten sicher nicht den gleichen Weg zurück. Der Abstieg Richtung Santana im Nordosten war die eigentliche Herausforderung. Der Weg war nur noch ein Wasserfall. Pitsch-patsch-pitsch-patsch. Das nennt man wohl Trailswimming. Mehr als eine Stunde dauerte die Tortur, bis ich endlich auf die Levada Queimadas traf, die mich noch etwa 6 Km weiter östlich führte. Auch hier in etwa 1.000 m Höhe wanderten noch unerschrockene Urlauber durch die Wasserlandschaft. So richtig glücklich sah aber niemand aus. Und sie schauten mich alle mindestens irritiert an, als ich von Pfütze zu Pfütze sprang. War ich froh, als ich die Straße erreichte und runter nach Santana laufen konnte. Ergebnis: 19,7 Km / 505 HM / ganz viel Regen

Auf dem Pico do Ariero

Auf dem Pico do Ariero

Erst der dritte längere Lauf entschädigte für das Wetterunglück. Am letzten Urlaubstag wollte ich von Funchal nach Ponta do Sol entlang der Südküste laufen. Ganz an der Küstenlinie kann man auf Madeira selten laufen, da die Küste i.d.R. sehr schroff ist. Es gibt deshalb auch nur wenige Badestrände. Ich startete in Monte oberhalb von der Inselhauptstadt, wo die legendären Korbschlittenfahrten starten (unbedingt mitmachen!). Ein Stück weit konnte ich der Strecke des schon erwähnten Eco Madeira Ultramarathons in entgegengesetzter Richtung folgen, die netterweise ihre grünen Pfeile noch nicht entfernt hatten. Über Câmara de Lobos lief ich eine sehr schöne Strecke mit sonniger Aussicht auf dem Cabo Girão -eine der höchsten Steilküsten Europas- entlang der Levada do Norte. Die Levada führt westlich auf einer Höhe von etwa 500 m und ist wirklich gut zu laufen. Ich hätte sie etwas früher verlassen sollen, um mir den abenteuerlichen Abstieg auf den Treppen nach Ribeira Brava zu ersparen. Aber die Sonne tauchte gerade ab und so konnte ich auf einer der zahlreichen Fotostops das Spektakel noch genießen. Die letzten Kilometer führen dann durch zwei unglaublich laute Straßentunnel nach Ponta do Sol, die man wirklich nur laufen sollte, wenn es gar nicht anders geht. Ergebnis: 44,8 Km / etwa 1.000 HM (der Baro war eingefroren) / Henrik versöhnt

Auf der Levada do Norte an der Südküste

Auf der Levada do Norte an der Südküste

Madeira bietet Trailrunnern fantastische Möglichkeiten. Aber die Wege haben es in sich. Liebhaber von technischen Trails mit viel Klettern und Treppen kommen auf ihre Kosten. Im Winter kommt das unberechenbare Wetter dazu. Nasswerden ist quasi garantiert, wenn man sich jenseits der 1.000 Meter Höhe rumtreiben möchte. Ich für meinen Teil habe den MIUT erstmal weit aufgeschoben. Aber wir kommen wieder.

Obrigado, Madeira!

10 Kommentare

  1. Brigitte 6 Monaten vor

    „Ich für meinen Teil habe den MIUT erstmal weit aufgeschoben.“
    Du machst mich jetzt sehr nervös, Henrik.

    • Autor
      Henrik 6 Monaten vor

      Im Frühjahr stellt sich das alles ganz anders dar. Und der Marathon-Abschnitt hat nicht mehr viel zu tun mit der Kletterei ;). Das wird großartig!

  2. Din 6 Monaten vor

    Ein toller Insel-Tipp. Meine Familie war ganz früh im Frühling dort und fand gerade an der Küste das relativ milde Klima sehr angenehm. Schade, dass es mit dem Wetter für dich nicht so hinhaute. Trotz der Wetterkapriolen hast du aber ja schöne Eindrücke sammeln können.

  3. Michael 6 Monaten vor

    Laufen, Trailschwimmen, jetzt fehlt nur noch Radeln; Willkommen im Club 😉

    • Autor
      Henrik 6 Monaten vor

      Nein, Michael, sooooooo weit ist es noch lange nicht ;).

  4. Marek 6 Monaten vor

    Tolle Eindrücke, die du da gesammelt hast! Scheint ja mit Laufen aufgrund der Winter-Wetterkapriolen dort nicht ganz so trivial zu sein. Trotzdem hast du dich mal wieder super durchgekämpft.

    • Autor
      Henrik 6 Monaten vor

      Viel schlimmer kann es im Wettkampf wettertechnisch nicht mehr kommen, also haken wir es als Erfahrung ab, die hart macht. Gran Canaria ist nicht ganz so ausgesetzt und technisch wie Madeira, das macht mir Hoffnung.

  5. philipp 6 Monaten vor

    Moin Henrik,

    nach deinem Bericht bekomme ich so richtig Lust das Läuferparadies Madeira einmal selbst auszukundschaften.

    • Autor
      Henrik 6 Monaten vor

      Unbedingt machen! Und Regenjacke einpacken ;).

  6. Benni 5 Monaten vor

    Sehr eindrucksvolle Bilder! Ich möchte nächstes Jahr auch auf Reisen gehen. Mal schauen wo es hingeht 🙂

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