Zu zweit läuft's besser.

Im Test: Salomon Advanced Skin 5 Trinkrucksack

Im Test: Salomon Advanced Skin 5 Trinkrucksack
25. November 2012 Henrik
Bild: Salomon

Bild: SalomonIch gestehe: Träger von Trinkrucksäcken habe ich bisher nicht wirklich ernst genommen. Was daran lag, dass der Nutzen sich wohl erst unter besonderen Bedingungen zeigt. Und die habe ich bisher noch nicht genießen dürfen. Holen wir etwas aus. Trailrunning ist sicher einer der Megatrends der letzten Jahre. Man muss fast den Eindruck haben, das urbane Milieu mit Asphalt und Ampeln hat ausgedient. Es zieht uns (zurück) in die Natur. Der Barfußlauftrend geht damit einher. Über die Gründe kann man sicher eine Doktorarbeit schreiben, die extreme Durchdringung unserer Gesellschaft mit allem technischen Schnickschnack trägt wohl dazu bei. Wir haben Sehnsucht nach einer direkten, unverfälschten Begegnung mit unserem Planeten. Das hat natürlich auch die hochkreative Sportindustrie schon lange vor uns erkannt und stellt Hightech-Equipment ins Schaufenster, damit wir diese Begegnung bloß nicht zu intensiv erfahren und unser Leben nicht gefährdet wird. Ein Trinkrucksack ist unabdingbar, wenn es darum geht, sich möglichst unabhängig für eine längere Zeit in der Natur zu bewegen. In der Jahresplanung steht für März 2013 der Marathon beim Transgrancanaria. Hier weist der Veranstalter ausdrücklich darauf hin, dass Wasserstationen spärlich gesät sind und jeder Läufer am Start zwei Liter Wasser mitzuführen hat. Es hilft also nichts – so habe ich mir bei einem Spontankauf den „Advanced Skin 5 S-Lab“ aus dem Hause Salomon zugelegt und diesen inzwischen mehrmals ausgeführt (Hinweis der Redaktion: das ist kein kostenloses „Testprodukt“ von einem der bösen Hersteller, der die Bloggergemeinde kaufen möchte). Lest, was das gute Stück für Eigenschaften mit sich bringt, ob die Bezeichnung nicht etwas übertrieben ist und warum ich meine Meinung zu Trinkrucksäcken geändert habe.

Passform und Architektur: Erster Eindruck – das Teil liegt ganz schön knackig an. „Körpernah“ nennt Salomon den Schnitt des Rucksacks. Mit dem „Sensifit“-System kann man den straffen Sitz sogar noch verstärken, einfach die beiden Strippen vor den Schultern nachziehen. Für den beleibten extrem muskulären Oberkörper ist dieser Rucksack nicht gedacht. Glück gehabt! Man verschließt den Rucksack durch zwei dünne und flexible Brustgurte. Die Führung des Wasserschlauchs erfolgt nicht über die Schulter, sondern unter der Achsel am Riemen entlang. Der Schlauch stört nicht und man kann ihn nach dem Trinken wieder ein Stück weit versenken.

Trinksystem und Wasserblase: Erst dachte ich ja, das Ding ist irgendwie defekt. Dann las ich die Vokabel „Beißventil“. Man muss erst das Ventil durch Drehen öffnen und dann mit den Zähnen raufbeißen, um Wasser zu ziehen. Bedienungsanleitung lesen, das wäre auch mal so eine Idee. Der Schlauch ist isoliert und vermeidet das Einfrieren der Flüssigkeit unter null Grad. Gut für die nächsten Mont Blanc-Besteigungen. Enthalten ist eine Trinkblase mit 1,5 Liter Volumen. Das reicht für sehr lange Läufe. Durch eine raffinierte Konstruktion mit einem Schieber öffnet man die Blase und füllt Wasser nach. Schlauch und Blase sind jeweils herausnehmbar, sollte man mal kein Wasser mitführen wollen – praktisch auch zum Reinigen. Alles sieht sehr gut verarbeitet aus.

Taschen und Halterungen: Es gibt überraschend viel Stauraum: links und rechts sind mit einem Bund schließbare Brusttaschen für Trinkflaschen oder etwas größere Packungen wie Riegel oder Gels. Zwei mit Klettband versehene Reißverschlusstaschen werden mitgeliefert. Die klebt man einfach an den Riemen an. Und die halten auch in Bewegung. Auf der Rückseite sind zwei kleinere Taschen mit Reißverschluss sowie das Hauptfach hinter der Trinkblase. Selbst das Verstauen von einklappbaren Stöcken ist dank der „4D-Stockhalterung“ möglich. Diese kann man sogar zur Befestigung eines Helms benutzen. Mangels Stöcken habe ich die Halterung nicht probiert. Einige Fragen im Internet deuten zumindest daraufhin, dass das geübt werden muss.

Laufgefühl: Wie fühlt sich das Teil beim Laufen an? Beim ersten Versuch war ich geschockt, wie sehr das Wasser schwabbelt. Man konnte mich schon 50 Meter gegen den Wind hören. Je leerer die Blase wird, desto weniger geräuschintensiv ist das. Gibt es hier einen Trick der Trinkrucksackerfahrenen? Der Rucksack hat eine super Paßform, so dass man ihn nach ein bis zwei Kilometern nicht mehr bemerkt – von der Geräuschkulisse abgesehen. „Advanced Skin“ ist sicher übertrieben, aber beschreibt ganz gut, dass sich der Rucksack sehr gut anschmiegt und den Bewegungsablauf in keinster Weise behindert.

Sicherheit: Eine Pfeife baumelt auf der linken Seite, die ein ordentlich lautes Signal von sich geben kann. Auch eine Rettungsdecke befindet sich im Hauptfach. Also wenn ihr mal schnell jemanden braucht für Erste Hilfe, haltet nach Trinkrucksackträgern Ausschau. Reflektierende Materialien sind obligatorisch, man wird mit dem Teil im Dunkeln gut gesehen.

Fazit: Insgesamt bin ich von dem Rucksack sehr angetan. Er wird weiter kräftig zum Einsatz kommen auf längeren Läufen ab 20 Km und natürlich im März beim Transgrancanaria. Die Ausstattung ist üppig und für uns Flachlandläufer überdimensioniert. Für die unverbindliche Preisempfehlung von 135,95 EUR bekommt man einen Hightech-Trinkrucksack. Vor dem nächsten Spontankauf würde ich mir die kleineren Kategorien anschauen, die für weniger Geld sicher auch ausreichend Ausstattung bieten. Ein Stück Unabhängigkeit kauft man sich mit einem Trinkrucksack ein. Und daran denke ich, wenn ich an der Isar wieder Lauffreunde mit Rucksack sehe: „die wollen bestimmt heute noch einen Ultra durch den Ostpark laufen.“

Vom Hersteller selbst gibt es dieses englischsprachige Erklärvideo eines Testers:

11 Kommentare

  1. RUNNING Company 5 Jahren vor

    Mensch, da bekommt man ja wirklich Lust, auch Mal so einen „Abenteuerlauf“ zu absolvieren!

  2. Stefan O 5 Jahren vor

    Toller Bericht, Henrik! Auch bei mir hat sich die Meinung bzgl. Rucksackläufer inzwischen geändert. Trägt sich einfach besser als eine Batterie Fläschchen am Hüftgurt.

    Für meine Bedürfnisse wären 5 Liter zu wenig. Daher habe ich vor einiger Zeit mal mit der 12-Liter Variante geliebäugelt. Da dieses Teil aber zeitweise nicht lieferbar war, bin ich bei VAUDE fündig geworden. Mein Rucksack hat dieselbe Trinkblase (der Hersteller davon ist „Source“), fasst allerdings 2 Liter.

    Ja, es gibt einen Trick um das Schwabbelgeräusch zu verhindern: In der Blase darf nur Flüssigkeit sein! Deswegen nach dem Auffüllen die Luft herausdrücken (geht am besten, wenn man die Öffnung der Blase auf eine Tischkante legt), dann Umklappen und Schieber drauf. Das Herausdrücken der Luft hat zusätzlich den Vorteil, dass von der Blase nur Platz für die Flüssigkeit im Rucksack belegt wird. Und 5 Liter finde ich jetzt nicht übermäßig viel.

    Vielleicht schaffen wir es ja mal zusammen auf den Trail, nachdem du inzwischen ja perfekt dafür ausgerüstet bist 😉

    Stefan

    • Autor
      Henrik 5 Jahren vor

      Stefan, danke für den super Tipp mit dem Herausdrücken der Luft. Das macht den Einsatz gleich attraktiver. 5 Liter Stauraum reichen für meine Zwecke locker aus, 10 Gels und Riegel passen ohne Probleme rein. Für deine Treckingtour im Himalaya brauchst du sicher mehr Volumen. Und gerne gehe ich mit dir auf den „Trail“, wenn ich mein Knie wiederhergestellt habe.

  3. Marek 5 Jahren vor

    Was du so alles an Equipment besitzt! Aber gut, um so ein Ding wie den Transgrancanaria zu wuppen, braucht man sowas wohl schon. Und ausprobiert haben sollte man es auch vorher. Dann kann nix mehr schiefgehen! Willst du denn den Lauf wirklich machen?

  4. anne 5 Jahren vor

    um die luft aus der trinkblase raus zu bekommen, diese nach dem befüllen einfach umdrehen und die luft mit dem trinkschlauch aussaugen.
    hab das heute erst gelesen, deshalb der tipp etwas spät

  5. anne 5 Jahren vor

    will sagen, ich habe heute erst hier deinen testbericht gelesen, sonst hätte ich dir den tipp gleich geben können. ich hoffe, der Transgrancanaria war erfolgreich und ein schönes erlebnis!!

  6. Eddy 4 Jahren vor

    Auf meiner Suche nach einem neuen Rucksack bin ich auch hier gelandet. Und obwohl mich das Modell nach Lektüre Deines Berichtes brennend interessiert, scheue ich mich vor einem Kauf: Wie Du inzwischen ja selbst sehen konntest, bin ich einer dieser Typen mit EXTREM muskulösen Oberkörper… *sigh*

    • Autor
      Henrik 4 Jahren vor

      Hi Eddy, den Rucksack gibt es in mehreren Größen. RIchtig ist, dass er eher körperbetont geschnitten ist. Ich würde zum Probieren erstmal auf ein preiswertes Modell ausweichen, anstatt gleich die High-End-Variante zu nehmen, die dann evtl. nicht so gut „sitzt“. Ist ja nicht jeder so durchtrainiert wie du!

  7. Sash 3 Jahren vor

    Hey Henrik, ja es gibt einen Trick, dass es nicht so „schwabbelt“: Es darf in dem Trinkbehältnis (Trinkblase) nach Möglichkeit keine Luft sein.

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