Zu zweit läuft's besser.

Das war 2019

Das war 2019
28. Dezember 2019 Henrik

Mit dem Auftakt zur Münchner Winterlaufserie Anfang Dezember wird mir immer so langsam klar, dass die Saison passé ist und die Vorbereitung auf das neue Jahr längst laufen müsse. Die Planung der Highlights 2020 sollte abgeschlossen sein. Aber Moment. Einmal blicken wir noch zurück auf dieses irre Jahr.

Sportlich gesehen war es das wohl erfolgreichste meiner „Karriere“. Das ist deshalb spannend, weil wir langsam in das Alter kommen, wo es nicht mehr um Platzierungen oder Bestzeiten geht. Aber eben nur langsam. Wenn ich so zurückschaue, dann fühlt sich das ein wenig so an, als wenn es jetzt erst richtig losgehen würde. So viele Kilometer wie nie, so schnell wie nie, es war vieles geboten. Was ehrlicherweise auch daran lag, dass ich mir eine berufliche Auszeit gegönnt habe. Und dann hat man sehr viel Zeit zum Laufen.

Darun sind mir diese Rennen in besonderer Erinnerung geblieben:

Transgrancanaria

Der Auftakt in die Trailrunning-Saison bot gleich wieder viel Action. Zusammen mit dem Triathleten lief ich die neue Advanced-Strecke über 65 Km. Das Rennen an sich war das heißeste, das ich jemals auf den Kanaren bestritten habe. Es war ein sehr hartes Stück Arbeit auf meiner Lieblingsinsel mit einem versöhnlichen Finale. Der Triathlet und ich liefen tatsächlich zusammen ins Ziel, obwohl wir über acht Stunden getrennt in den Bergen Gran Canarias unterwegs waren. Und auch das Brett konnte mich nicht davon abhalten, im nächsten Jahr nochmal für die Königsdistanz zu planen. Einer geht noch!

Bild: Stephan Wieser

Brooks Runs Namibia

Der Einladungslauf zum „Namibia Crossing“ führte mich zum ersten Mal überhaupt nach Afrika. Fünf Etappen über 200 Km verlangten nicht nur läuferisch einiges ab. Auch meine Navigationskünste waren gefragt, die mich leider mehrmals im Stich ließen. Sportlich war es also eher schwach, was ich darbieten konnte. Aber in der Nachbetrachtung war das eigentlich ziemlich egal. Die Atmosphäre dieses Laufs ist etwas ganz Besonderes, die Wildnis Südafrikas und Namibias ist es sowieso. Sternenklare Abende am Lagerfeuer, kilometerlang keine Menschenseele – es war ein unvergessliches Abenteuer mit einem tollen Brooks-Team. Ich werde vor allem 5 Tage ohne Handynetz vermissen.

Transvulcania

Da war eine Rechnung offen auf der Vulkaninsel. Begleichen konnte ich sie noch nicht, aber das war mir nach den 75 brutalen Kilometern ziemlich egal. Einem starken Auftakt folgte ein krachender Einbruch, der mich gerade noch auf den legendären Roque de los Muchachos brachte. Dort rettete mich Tobias vor dem sicheren Dropout, indem er mich aus dem Verpflegungszelt zog und auf die Strecke schob. Mit vereinten Kräften, vielen Eiswürfeln und vorbildlicher Teamarbeit brachten wir das Ding in 14,5h doch noch ins Ziel, bevor die Sonne abtauchte über La Palma. Im Ziel wartete der Triathlet drei Stunden lang auf die alten Männer mit Dosenbier.

Teamstaffel München

What? Ein 5 Km-Rennen war ein Highlight 2019? Aber hallo. Nach einer intensiven Woche auf der Seiser Alm im RUNNING Company Laufcamp fuhren wir direkt in den Münchner Westpark, um dort um den Sieg in allen Klassen mitzulaufen. Die 5×5 Km-Staffel der Männer konnten nicht wegen, sondern trotz mir wieder den Sieg erlaufen. Wenn man ehemalige deutsche Meister über 5.000 Meter (heute: Elitetrainer) in der Staffel hat, macht es die Sache einen Tick leichter. Das war eine Riesengaudi mit einer tollen RUNNING Company Truppe. Trotz der schweren Beine. Und überhaupt so ziemlich das einzige Mal in diesem Jahr 2019, dass ich 5 Km auf Zeit gelaufen bin.

Transalpine Run

Geglaubt hatte ich nicht mehr dran, aber drei Wochen vorher gab die Teampartnerin doch noch „grünes Licht“ für meine dann dritte Alpenüberquerung. Die 8 Etappen von Oberstdorf bis Sulden boten ganz viel Drama sowie Aufs und Abs – in geografischer und emotionaler Hinsicht. Trotz meines lädierten Fußes auf der 2. Etappe und unserer Teamkrise auf der 6. Etappe holten wir den 3. Gesamtplatz in der Masters Mixed und einen Tagessieg. Über 8 Tage im Kampfmodus, das war auch für mich eine neue Erfahrung. Der TAR 2019 bleibt sehr präsent. Das Team RUNNING Company hat geliefert und wer weiß, vielleicht gibt es 2021 eine Wiederholung.

München Marathon

Und auch hier war es eine spontane Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte. Nur zwei Tage vorher entschied ich mich für die Teilnahme am München Marathon trotz der Vorhersage von sehr warmen Laufwetter und der nicht vorhandenen wettkampfspezifischen Vorbereitung. Stolze fünf Jahre war es her, dass ich mich zum ersten Mal auf die Strecke des Marathons in meiner Wahlheimat begeben hatte. Damals lief nicht viel zusammen und es war ähnlich warm. Was mich auch immer an diesem Oktobersonntag angetrieben hat, es wurde mein schnellster Marathon. Und der erste ohne Wettkampfbericht.

Das wird alles 2020 nicht zu toppen sein.

Oder doch? Ein wenig beschleicht mich das Gefühl, dass da in diesem Jahr wieder etwas Ehrgeiz geweckt wurde. Die Running Twins werden im September auf die dritte gemeinsame Alpenüberquerung gehen. Und es wird nicht getrödelt! Seit unserer Abreise aus Brixen 2018 freue ich mich auf dieses Event. So wirklich viele andere Rennen habe ich gar nicht geplant. Anfang März sollen es noch einmal die 128 Km beim Transgrancanaria sein. Für Juni haben der Triathlet und ich den Teneriffa Bluetrail ins Auge gefasst. Und wenn dann plötzlich der Nikolauslauf wieder vor der Tür steht, dann weiß ich, auch diese Saison ist schon wieder gelaufen.

6 Kommentare

  1. Andreas 4 Wochen vor

    Hört sich nach sehr, sehr vielen Laufkilometern in 2019 an… Alles Gute für das Laufjahr 2020!

    • Autor
      Henrik 3 Wochen vor

      Ziel waren 5.000 Km, es kamen dann immerhin 4.500 Km zusammen, da ich im November und Dezember etwas Federn lassen musste.

  2. Marek 4 Wochen vor

    Du hast ein Wahnsinnsjahr hinter dir, viele Kilometer, viele tolle Rennen und sogar noch eine Bestzeit auf dem Marathon. Viel mehr geht eigentlich nicht. Oder doch?

    Jetzt heißt es erstmal gesund bleiben, regenerieren, Grundlagen trainieren und dann kannst du dieses Jahr noch einen draufsetzen. Ich bin noch etwas skeptisch, was meine Möglichkeiten in diesem Jahr angeht, aber lassen wir die neue Dekade erstmal anfangen. Der TAR ist für mich noch soweit weg, aber wenn es wirklich klappen sollte, dann wird das ganz klar mein Jahreshighlight!

    • Autor
      Henrik 3 Wochen vor

      ES WIRD DEIN JAHRESHIGHLIGHT. #roadtoTAR2020

  3. Bianca Meyer 3 Wochen vor

    Es war mir eine große Ehre mit dir gemeinsam meinen ersten Transalpine Run zu erleben, vielen Dank Henrik.

    • Autor
      Henrik 3 Wochen vor

      Beim ersten Mal ist es am schönsten. Und danke, dass du dich auf das Abenteuer überhaupt eingelassen hast. Ein paar Unwägbarkeiten gab es ja schon ;).

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